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wenigstens verwahre die genannten Gegenstände als kostbare Reliquien.
Wie ich Anno 11 nach Zeebrngge kam, dem kM so vielgenannten, zu längerem An enthalt ^ Nun, es werden wohl schon Menschenkinder da sein, die der seht so berühmt gewordenen Mole als Badegäste von Blankcn- bcrahe Heyst, Knocke oder Ostende ernmai einen slüchtigen Besuch abgcstattet, oder wenn ste Liebhaber des Fischens sind, von oben ihre Rehe in die Tiefe des Meeres gesenkt haben. Tie berufsmäßigen Fischer sind hierM gegen eine kleine Liebesgabe gern behrl lrch. Aber Kurgast von Zeebrügge gewesen und du Oert- lichkeit in Friedensz eiten genauer studiert zu haben, das werden sich wohl nicht allzu viele rühmen, ich hatte im Sommer 1911 den Vorzug Vorher war nnr allerdings die, er See- und Ha'enplatz", was er ohne rtcrage im Vokl.'inn des Wer.es ist, selbst dem Namen nach so unbekannt, wie den meisten Mittel- enropäern vor dem Weltkrieg. Damals aber in jenen drückend heißen Julitagen machte mir mein leider jetzt schon ein ^ahr lang m kühler Erde ruhender Bruder, zu lener Zen schmalbesoldeter hessischer Gerichlsas e sor m Gießen, den Dorsckstag, mit ihm rn Zeebrngge in die kühlenden Fluten der Nordsee zu tauchen. Ich war zuerst etwas über dr.sten Vorschlag erstannt. Zum Besuch eines Seebades hatte ich' cs bis dahin ebensowenig gebracht wie er, und zumal mit einem Seebad an der belgischen Küste verband sich me Vorstellung eines prächtigen Kurhau es mrt rauschenden Festen, glänzenden Toiletten, luxuriösen Hotels und mächtigen Rechnungen Tas alles kan» man ja freilich dort haben, wie männiglich bekannt sein dürste. Auch mein künftiger Tischgeuosse in Zeebrügge, er» rheinischer Referendar, hatte geglaubt, aus 'eines klugen Onkels Rat den Smoking nicht entbehren zu können. Er kam aber nicht rus dem Koffer heraus, und wir haben trotzdem dort recht schöne Tage zugebracht, deren rn den Sagen des Weltkriegs gewiß noch recht oft gedacht worden ist.
Der sürsorglich zu Rate gezogene Baedeker für Belgien und Holland verzcichnetc unser Aeebrügge als Deebad noch nicht, auch uver Wohnungs- und Derpslegungsverhaltnifse, worin er doch sonst sehr gewissenhast ist, war keine Auskilnft zn holen. Dennoch glaubten wir den Weg dorthin nehmen zu können, mein Bruder zuerst, ich nach Ordnung der nötigsten häuslichen und amtlichen Angelegenheiten im Zeitraum von acht Tagen hinterdrein, konnte mich dann schon etwas ortskundiger Führung und Beratung erfreuen. Tie Hinfahrt ging rasch und ohne besondere Zwischenfälle vonstatten, den Weg, den inzwischen unzählige deutsche Lrichpcn- tr ans Porte genommen haben: den schonen Rhein ström hinab und von Köln über dre jetzt so wohlbekannten Orte Herbesthal, Ver- viers, Lüttich, Löwen, Brüssel, Gent und Brügge. In Brügge erfährt man, daß Zeebrügge drei Bahnhöfe hat: Z. Mole, Z. Central, den Namen des dritten habe ich ver
gessen: auch kann man noch ans dem Kanalwege hingelangen. Ta ich zum Meere wollte, wählte ich Mole, muß aber gestehen, daß ich stark enttäuscht war, als nach' etwa halbstündiger Fahrt der Zug bei einem bescheidenen Stationshause auf freienWFelde hielt, in einiger Entfernung rechts war ein Fischerdorf sichtbar, sonst aber weit nnd breit nichts als Sand und Gestrüppe. Gepäck pflegte man damals in Zeebrügge selbst von und znm Bahnhof zu tragen, wenn man nicht gerade einem guten Freund oder Reisege, ährten am Platze harte, der hilfsbereit mit Hand an- legte. Ich war darum froh, daß mein Reise- koffer nicht gleichzeitig mitangekommen war und ich bloß mit dem Rucksack die weitere Wanderung anzutreten brauchte. Sie ging nach dem mir aufgegebenen Hotel maritime und war zunächst sehr einsam. Nach einer Viertelstunde kam ich zu einem ebenso einsamen Getränke-Ausschank, der den Namen ü la becassin ' trug, was aus ziemlich starke Anwesenheit dieses jagdbaren Wasservogels schließen ließ. Nicht weit davon kam auch das Meer zum Vorschein, den Nsnling gewaltig imponierend, und Thaletta! Thalelia!, wie einst beim Rest von Xenophons Zehntausend, kam es über die bewundernden Lippen. Doch machten nach der langen Fahrt auch der Magen und die Müdigkeit ihre Rechte geltend, dafür das mehr empfohlene Hotel maritime sorgen sollte: wie mich dünkte, das erste am Platze. fSchluß folgt.)
Das kirchliche und religiös-sittliche Leben in den evangl. Gemeinden des Dekanates Gießen während des Jahres 1917.
Alljährlich erstattet in Hessen der Dekanatsausschuß der Dekanatsfynode einen Bericht über das kirchliche und religiös-sittliche Leben der Gemeinden. Ter Bericht für das Dekanat Gießen ist soeben erschienen und ist der Synode am 29. Oktober bei ihrem Zusammentritt vorgelegt worden. Wir gebeis das, was weitere Kreise interessiert, im Nachstehenden wieder.
1. Aeußere Einwirkungen des Krie ges.
Tie Fortdauer des Krieges konnte nicht ohne Einwirkung auch auf die äußere Gestaltung kirchlichen Lebens bleiben. Tic altgewohnten Diener am Heiligtum und Gehilfen unsrer Ehristenfrende, die Glocken und die Orgelpfeifen, soweit erstere ans Bronze und letztere ans Zinn bestanden, folgten in größerer Anzahl dem Kamp,ruf des irdischen Vaterlandes. Ihr Abschied aus der Heimat, besonders der der geliebten Glocken, ward an den meisten Orten in ergrei, enden Gottesdiensten gefeiert. In Rödgen ward beit scheidenden Glocken das tapfere Makkabäcrwort in den ehernen Mund gelegt (1. Makk. 9,10): „Ist unsere Zeit gekommen, so wollen wir ritterlich sterben um unsrer Brüder willen und unsre Ehre nicht lassen zu schänden werden." In Hausen galt ihr letztes Geläute zugleich dem Abscheiden des in die obere Hei-


