Einzelbild herunterladen

- 171

des Buchhändlers Ferber am Marktplatz mit Hfausgarten und Hinterbau angekauft wer­den, die Kaufsnmme fall gegen 60000 Gul­den betragen haben. Ein städtisches Ge­bäude an der Ecke Schulstraße und Wagen- tzasse, das zuletzt als Schlachthaus benutzt worden -war und in dem sich früher auch die nun aufgehobene und mit anderen städ­tischen Schulen verbundene Armenschule be­funden hatte, war wegen Baufälligkeit schon vor Jahren abgebrochen worden. Im Mai 1869 wurde mit der Niederlegung dieser Ge­bäude begonnen, dadurch aber ein solcher Zu­stand geschaffen, daß der Stadtvorstand in großer Verlegenheit war, auf welche Weise er die überall zum Vorschein gekommenen alten Ställe und Scheuern wieder verdecken sollte. Techniker wurden zu Rate gezögert und sollten ein Urteil darüber abgeben, wie man diesem Mißstande begegnen könne.

(Schluß folgt.)

Der deutsche Gott.

In der ZeitschriftDeutsche Ziele" stand vor kurzem zu lesen:Der Krieg hat die Massen religionslos gemacht. Was soll man von einer Lehre halten, die den angeblich aufgeklärtesten Teil der Menschheit nahezu 2000 Jahre lang erzog, um ihn bei dieser grauenhaften Barbarei enden zu lassen, der wir jetzt mit staunendem Abscheu beiwohnen, was von einem angeblich allmächtigen Gott, der solch unsägliche Greuel jahrelang zu­läßt? . . .

Aber die Not der Zeit wird auch den neuen Glauben gebären, dessen w-ir bedürfen, um ein besseres, reineres, stärkeres Volk zu werden, das den furchtbaren Stürmen der Zukunft gewachsen sein wird. Ter alte Gott mit dem langen weißen Bart da oben im Himmel ist tot, aber der deutsche Gott, der jugendirische, sturmgewaltige, siegesfrohe, der sonnenleuchtende, blütenweckende, frie­denspendende deutsche Gott lebt und wird uns erlösen ans der Nacht der Not dieser furchtbaren.Gegenwart."

Für jeden, der Augen hat zu sehen und Ohren hat zu hören, erweist sich heute mehr als je der alte Gott als der lebendige. Nicht die Wiederholung des uralten Liedes: Die Toren sprechen in ihrem Herzen, es ist kein Gott (Ps. 14), macht diesen Ausdruck moder­ner Verblendung für uns beachtenswert, son­dern die Tatsache, daß sich in diesen Aeuße- rungen die religiöse Anschauung mancher deutscher Kreise geltend macht. Diese ver­schwommene Vorstellung von einem deutschen Gott wird unserem Volke in seiner Not vor­getragen und niemand weiß doch im Grunde, wo und wie dieser Gott eigentlich ist. Er ist ein Wahngebilde, das nicht aus der Not der Zeit erlösen kann, sondern gerade im Leid wie Nebel vergehen wird.

Materieller Wohlstand und sittliche ttultur.

Es ist leider nicht zu verkennen, daß in­folge des lange andauernden Krieges ein Sinken der sittlichen Kultur stattfindet. In­sonderheit nehmen die Eigentumsvergehen zu, Felddiebstähle ftttb' schon vor Jahr und Tag in größerer Zahl als früher vorgekom­men, so daß man in einzelnen Gemeinden militärischen .Schutz der Felder eingerichtet hat. Man sagt, daß namentlich die Jugend­lichen jetzt leicht geneigt sind, Eigentums­vergehen sich zu schulden kommen zu lassen. Wir wollen diese beklagenswerten Vorkomm­nisse nicht weiter ausmalen, weisen nur dar­auf hin, daß hie Unsicherheit gerade, was Hab und Gut betrifft, groß geworden ist.

Man fragt wohl, wo die Ursachen zu diesen Erscheinungen liegen. Tie Behaup­tung, daß der Krieg verwildere, dürfte nicht ausreichen. Tie Knappheit an Lebensmitteln und Verbrauchsgegenständen aller Art kommt hier sehr in Betracht, und es ist be­zeichnend, daß man in früheren Zeiten der Teuerung ganz die gleichen Beobachtungen gemacht hat. In einer alten Zeitschrift, Ter Beobachter .in Hessen bei Rhein", Jahrgang 1832, finden w-ir interessante Be­merkungen über die Kriminalität in Würt­temberg in den Jahren 1814 bis 1828. In diesem Zeiträume war in dem süddeutschen Staate die Zahl der Strafer'kenntnisfe sehr gestiegen, sie w-ar nach den Feststellungen des württembergischenVereins für Besse­rung der aus den Strasanstalren entlassenen Verbrecher" von 1814 bis 1820 von 211 auf 750, von 1821 bis 1828 sogar von.914 auf 1059 gestiegen. Hierzu hat die genannte Zeitschrift, die in Tarmstadt im Verlage von E. W. Leske erschien, folgende Bemer­kungen gemacht:

Sollte dieses schnelle, folgerechte An­steigen der Verbrecher seinen Grund nur allein in der Verwahrlosung der Verbrecher nach ihrem Austritte aus den Strafanstalten haben? Sollte also dem Hebel auf solche Weise mit nur einigem Erfolge wirKich be­gegnet werden können? Wir wenigstens kön- jn-en uns, so sehr 'viel Achtung der Aufgabe jenes Vereins immerhin gebührt, dieser tröst­lichen Hoffnung keineswegs hingeben, son­dern müssen uns allen halben Maßregeln abhold vielmehr für die dringliche Not­wendigkeit der Heilung dieses großen Staats- Übels an der Quelle erklären. Wer könnte diese nun wohl wo anders suchen, als in dem bekanntlich vom Jahre 1815 an folgerecht gesunkenen Wohlstände der unteren Klassen der Bevölkerung; daher also durch den ganz allgemeinen Truck der beiden Teuerungs­jahre 1816 und 1817 schon eine Verdrei­fachung der Verbrechen, die sp-äter durch Verarmung hauptsächlich des Landmanns infolge des unerhörten Sinkens der land­wirtschaftlichen Produktenpreise bis zum