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die Armen zu sorgen galt. Wie jener, so gehörte auch er vielen Vereinen an.
Nicht ganz vier Wochen nach ihm starb, ebenfalls an einem Schlaganfall, 67 Jahre dlt, der frühere Beigeordnete, später Mitglied des Ortsgerichtes und des Gemeindsrates, Metzgermeister Johann Konrad Wei- diA, der wegen seiner großen Bekanntschaft mit den Vermögensverhältnisscn der Gieße- ner Einwohner, mit den Gebäuden sowie mit der Gemarkung als Feldgeschworener, Gütertaxator, vielfach als Kommissionär bei Verkäufen, Anleihen oder Vermögensverwaltun-, gen -gebraucht wurde, wie zuletzt bei der Auszahlung des Kaufpreises für das Gelände der Oberhessischen Eisenbahnen. Merkwürdig genug war, daß er einen großen Teil der Rechnungen hierbei im Kopse führte.
Ihm folgte am 4. Mai der Ortsgerichtsvorsteher und frühere Bürgermeister Johann Daniel Ebel, der dem Bürgermeister Ferber rm Amte gefolgt war und mehr die konservative Richtung vertrat. Jrz diesenl Amte hatte er gegenüber der liberalen Mehrheit des Gemeinderates keine leichte Stellung. Auch -er hatte einen Schlaganfall erlitten, sich von diesem aber wieder erholt und hatte sein Amt als Ortsgerich-tsvorsteher bis kurz vor seinem zwar nicht langen, aber schweren Krankenlager mit großem Fleiß und gewissenhafter Sorgfalt versehen.
T-er Bau der Oberhessifchen Eisenbahnen von hier nach Fulda und nach- Gelnhausen war im Herbste 1868 mit der Abschätzung und dem Ankauf des Geländes und mit den ersten Erdarbciten in der Nähe der katholischen Kirche begonnen worden. Ter katholische Kirchenvorstand gab sich alle Mühe, die für die Kirche so störende und nicht ungefährliche Richtung der Bahn über die Ecke des Kirchplatzes und nahe am Kirchturm vorüber zu verhüten, erlangte aber nur, daß der Kirchenplatz eine starke und schöne Einfassung erhielt. Durch -die Richtung der Bahn an der katholischen Kirche vorüber und über die Ecke des Kirchenplatzes durch den schönen Garten des Balser'schen Hauses wurde dort der ganze Platz verändert und unkenntlich gemacht. Im Winter wurde die Arbeit fortgesetzt, aber auch manchmal unterbrochen, weil -die Arbeiter einen h-öh-eren Taglohn forderten und mrtunter schlecht behandelt wurden. Im Frühjahr kamen viele Arbeiter aus Bayern und Böhmen hinzu, darunter wahre Ungetüme von Weibspersonen in Wüstheit und im Biertrinken und besonders Liebhaber von Pfannkuchen, von welchen je zu -einem zwei Pfund Mehl -erfordert wurden. Tie Arbeit hatte nun einen raschen Fortgang und wurde -auf beiden Linien mit großem Eifer betrieben, insoweit sie nicht in -einzelnen Gemarkungen -durch Proteste und Prozesse wegen der Vergütung für das Gelände ausgehalten wurden.
Am 22. und 23. Juni wurde bei sehr kalter Witterung die 26. Jahresversamm
lung des Haup-tvereins der Gustav-Adols- S-riftung im Großherzogtum Hessen in Gießen gefeiert. Tie Festpredigt hielt Hof- diakonus Tr. Hase von Weimar, Sohn des berühmten Kirchenhistorikers Tr. Karl Hase in Jena. Tie Teilnahme von Stadt und Lano war recht lebhaft und erfreulich. Tie Straßen, durch welche sich der Festzug bewegte, Neuenweg, Kreuz, Markt- und Kirchenplatz. waren festlich- ausg-eschmückt. Der Stad-tv-orst-and hatte den Kirchenplatz schmük- ken lass«n.
Am 10. und 11. August bezog Pfarrer Landmann das neue Pfarrhaus (jetzt Pfarrhaus der Matthäusgemeinde), Pfarrer Dr. Seel bezog das Haus, das jetzt der Johannesgemeinde als Pfarrhaus bient, am 14. und 15. September, obwohl in beiden Häusern noch Arbeiten an den Türen, Schlössern, Fenstern und Oefen auszuführen waren. Die beiden Häuser hatten 15 514 und 16 459 Gulden gekostet. Zu diesen Kosten hatte die Kirchenkasse 16 023 Gulden beigetragen, das übrige übernahm die Stadt.
'.'Nit der Erweiterung der Stadt wurde fortgefahren. Die in der neuen Anlage im Herbst 1868 begonnenen Häuser des Weißbinders Julius Hoch-, des Schreiners Seipp und- des Schlossers Krailing sowie das Haus des Stadtgärtners Funk am Stege nach dem Zinserfchen Garten wurden in diesem Sommer ausgebaut und bezogen. Vier neue Häuser entstanden an der Grünberger Straße. Photograph Uhl erwarb käuflich das Haus, das früher dem Hofkammerrat Hvfmann gehört hatte, -erweiterte es durch Aufbau -eines zweiten Stockw-erkes und errichtete hinter demselben ein zweistöckiges Gebäude zum Betriebe seines Geschäftes.
Eine neue Straße (die Aliccstraße) wurde am Hause der Witwe Ferber, dem Hessischen Hofe, links -oberhalb der Wieseckbrücke am S-elterstor eröffnet und der Ausbau derselben von dem Kaufmann Schwab mit der Errichtung eines stattlichen Gebäudes begonnen.
Zur Erleichterung des Verkehrs in der -engen M-äusburg waren seit Jahren Vorschläge gemacht worden, die teils die Erweiterung der Schulstraße bezweckten, teils darauf hiuausliefen, durch einen Durchbruch am Reichensand das Innere der Stadt mit dem Bahnhof zu verbinden. (Dieses letztere Projekt wurde erst um das Jahr 1877 verwirklicht, s. Sonntagsgruß 1917, Nr. 28.) D-er Gemeinderat entschied sich- zunächst für die _ Erweiterung der Schulstraße. (Eine Schilderung des dieser Straße vor
der Erweiterung findet sich in Nr. 20 dieses Jahrgangs des Sonntagsgrußes.) Zu diesem Zwecke mußten das Wohnhaus des Schneiders Kratz -an der Sonnenstraße, die Lagerhäuser der Kaufleute Alexander Meier und August O-es-er und die Gebäulichkeiten!


