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Walde gesunden. Da fanden am 28. Juni Johannes Seip von Annerod und Frau im Walde in der Nähe von Annerod die Kleider, den Stock und die Botanisierbüchse Schlegels, und zwar an einem Platze hingelegt, wo sie zwei Tage vorher noch nicht gelegen haben konnten, nur die Strümpfe nnd Sänibe fehlten. Der Tater war dem-' nach nicht in der Ferne, sondern ganz in ber Nähe zu suchen. Inzwischen bezeichncte das Gerücht den Schreiner Johann Georg H. aus Garbenteich als den Mörder Schlegels. H. war sch!vn am 24. Juni verhaftet, aber wieder entlassen worden, am 28. Juni wurde er abermals festgenommen. Eine Reihe von Beweisen richtete sich gegen diesen M>ann. Fuhrmann Schulz von Hungen wollte den August Schlegel am ersten Pfingsttage in Begleitung eines Mannes, den er ähnlich beschrieb wie H., gesehen haben, diesen erkannte er auch bei einer Gegenüberstellung wieder. Am zweiten Pfingsttage fragte H. seine eigene 15jährige Tochter, ob sie nichts davon gehört habe, das; ein junger Mensch im Walde mit zwei Steinen ermordet worden sei. Außerdem entwickelte er eine auffallende Tätigkeit, um den Verdacht auf einen gewissen Eberhard Engelhardt aus Häufen zu lenken, seine Versuche, nachzn- weisen, daß er zur fraglichen Stunde zu Hause gewesen sei, mißlangen. Aber Reden, die er im Loos'schen Felsenkeller zu Gießen führte, machten ihn sehr verdächtig. So sagte er unter anderem, er sei zuerst am Orte der Tat gewesen und habe sogleich erkannt, daß der Getötete ein Schreiner sei, da er an dessen Fingern Politur bemerkt habe. H. wurde v>on dem Schwurgerichte auf Grund eines Indizienbeweises zun; Tode verurteilt. Er stammte nicht aus -einer oberhessischen Familie, w>ar vielmehr in W>ollbach bei Kissin- gen gebor-eu und war katholisch'er Konfession. Seine Vergangenheit war sehr getrübt. Er erlernte das Schreinerhandwerk, wurde aber wegen Schuldenmächens, Landstreicherei und Betrugs bestraft und kam nach Offenbach, später nach Garbenteich. Er führte gern in Wirtschaften das große Wort, mißhandelte seine Angehörigen, trank, spielte, schwindelte und trieb sich besonders gern in den Wäldern herum, er war also in jeder Beziehung ein grundschlechter und gefährlicher Mensch. Ein Geständnis seiner Tat hat er nicht abgelegt. (Ta man gegen ihn nur einen Indizienbeweis führen konnte, so wurde er zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe b>egnadigt, er ist ini Zuchthause gestorben.)
Im Sommer 1865 fuhr man fort, die Süd-Anlage auszubauen. Fünf Häuser standen dort bereits, nämlich die Häuser des Advokaten (des späteren Geheimen Justizrates in Offenbach und Präsidenten der Landessynode) Dr. Weber, des Beigeordneten Felsing, des Kaufmanns Friedrich Bücking und des Weißbindermcisters und Gemeinde- lrates Louis Petri. Nun kamen hinzu die Häuser des Holzhändlers Daniel Wirth, des Advokaten Muhl Und des Landrichters Gil-
mer in Altenstädt. Außerdem wurde dort eine städtische Turnh>alle und eine Synagoge erbaut. Der Turnunterricht war bisher von dem Turnlehrer Rübsamen teils in dem Balserischen Saale in der Neuen Bäue, teils im Saale des Wirtes Leib erteilt worden. Tie Erbauung einer Turnhalle war schon seit langer Zeit beabsichtigt, aber dem Turnverein fehlten die Mittel, und der Stadt- Vorstand wollte nur einen geringen Zuschuß leisten. Nachdem jedoch der Turnunterricht! für die Schulen gesetzlich -angeordnet worden war, gab der neu zusammengesetzte Stadtvorstand eine ansehnliche Summe für die neue Turnhalle.
Auch die Erbauung einer Synagoge war seit langer Zeit nötig. Tie alte stand in einem Seitengäßchen gegenüber dem Darm- städter Hause in einer unreinlichen Ecke zwischen Scheuern und Ställen, auch das Innere war unschön. Ter Stadtvorstand bewilligte für einen Neubau 2000 Gulden.
Am 13. August trat der neuernannte zweite Pfarrer Dr. Wilhelm Seel sein Amt an. Seel, geboren zu Frankfurt a. M. am 28. Februar 1814, war Pfarrverwalter in Offenbach und Pfarrer in Geinsheim gewesen und hatte von 1849 bis 1857 die Stelle eines Professors am Predigerseminar zu Fricdberg bekleidet. Dieses Amt hatte er freiwillig niedergelegt, um in Frankfurt und Bremen als Privatmann zu leben. An dem genannten Tage war er wieder in den Psarr- dienst getreten. Als Landmann am 7. Aug. 1875. gestorben war, wurde ihm die erste Pfarrstelle übertragen. Diese behielt er bis zu seiner im Jahre 1879 erfolgten Versetzung in den Ruhestand. Sein Nachfolger Wurde im Jahre 1880 Pfarrer Or. Karl Naumann. Seel starb 1893 zu Wiesbaden.
Am Ludwigstage, dem 25. August, wurde die Vereinigung der Stadt Gießen mit Hessen gefeiert. Am 15. August 1264 war Gießen noch ini Besitz des Pfalzgrafen Ulrich von Tübingen, welcher damals dem Hartrad von Merenberg ein Burglehen zu Gießen erteilte, am 29. September 1265 aber bestätigte Landgraf Heinrich von Hessen demselben Hartrad dieses Burglehen, und nach der hierüber ausgestellten, noch vorhandenen Urkunde war um diese Zeit der Landgraf Herr von Gießen. Auf welche Weise der Besitz -auf ihn übergegangcu ist, dariiber besteht keine Gewißheit. Wahrscheinlich ist es durch Kauf geschehen. Ta auch die Zeit des Uebergängs nur so weit bekannt ist, daß sic zwischen den 15. August 1264 und den 29. September 1265 fällt, so bleibt der 29. September 1265 der erste Tag, von welchem sicher angenommen werden kann, daß Gießen zu Hessen gekommen rst. Auf Anordnung des Stadtvorstandes war zu dieser Feier von Mitgliedern des Lokalvereins für die Geschichte von Gießeit und der Umgegend eine „Uebersicht der interessanteren Tatsachen aus der Geschichte von Gießen" zusammengestellt worden, eine Schrift, die augenscheinlich in einer großen!


