- 143
Zahl von Exemplaren verbreitet worden ist, j pa man sie heute noch sehr oft im Besitz der Hiesigen Familien findet. Aus Anlaß des > Festes veranstaltete man ein Festessen im | Buschischen Garten, und das gewöhnliche Jugendfest wurde zu einem größeren Volks- j fest ausgestaltet.
Jur August und September brannte es kurz nacheinander in der Dampfschmeiderei voi^ Katzenstein & Eichelberg sowie in der Wohnung der Materialisten Müller L Schwager, und zwar" hier infolge einer Entzündung! einer Phosphorbüchse; in beiden Fällen würde der Brand schnell gelöscht. Ein Brand, der in der Stuhljabrik von Euler & Köhler in der Löwengasse durch die Dampfmaschine entstanden war, griff, da das Feuer an den in der Werkstatt angehäuften Spänen !nnd an dem dort ange- sammelten Holz Nahrung fand, rasch um sich, und das ganze Gebäude wurde ein Raub der ! Flammen.
Ende September brach infolge der großen Hitze und Nachtkuhle hier und an anderen Orten, so in Lollar, besonders in Gonterskirchen bei Laubach der Typhus aus. In Gonterskirchen war das Elend am größten, die meisten Häuser im Torfe waren nnt Kranken angefüllt. Zwei Schwestern von» Tarmstädter Tiakonisscnhause arbeiteten dort längere Zeit. Allenthalben wurden für drcse Kranken Unterstützungen gesammelt. Der Chronikschreibcr Pfarrer Landmann wurde selbst von dieser Seuche am härtesten bettoffen. Zwei liebe, hoffnungsvolle Söhne im Alter von 13 und 15 Jahren, die er eben erst mit seiner Frau und seinen übrigen sechs Kindern von einem Besuche bei seinen Schwiegereltern in .Steinau..wieder nach Gießeir zurückgebracht hatte, erkrankten am ersten und am dritten Tage nach ihrer Heimkehr und starbeii drei Wochen später drei Tage nacheinander, am 20. urtb am 23. Ok- toter, nachdem sie mit den Ihren den! schmerzlichsten Jammer erfahren hatten, sie schlummern in einem Grabe. Der ttef- betrübte Vater, der dies in der Chronik ver- zcichnete, schrieb dazu: Herr, gib sie uns einst wieder an jenem Morgen aus deinen tteuen Vaterhänden!
Die Blattern blieben aus einige wenige Häuser in Gießeir beschräirkt, da die Kranken alsbald in das Akademische Hospital (letzrge Alte Klinik) kamen. Auch die Cholera rückte von der nassanischen Seite heran, kam aber doch nicht in die Stadt.
(Fortsetzung folgt.).
Aus dein wort!
Auf dein Wort, Herr, laß mich gehen Mutig durch die harte Zeit!
Unentwegt im Glauben stehen In des Lebens heißem Streit,
In Entsagung,» Kampf und Not Ohne Murren, Herr, mein Gott.
Auf dein Wort, Herr, laß mich lieben In der tränenreichen Zeit!
Selbstlos, nur mit reinen Trieben Lindern meines Nächsten Leid;
Ohne Zagen, sonder Rast Tragen meines Bruders Last.
Aus dein Wort, Herr, laß mich hoffen In der dunklen, schweren Zeit!
Ob auch Trübsal mich betroffen, -
Gib mir Augen, Herr, die weit Schauen, nach der Erde Not Schon ein himmlisch Morgenrot!
Auf dein Wort, Herr, laß mich wandeln Durch die große, heil'ge Zeit!
Glauben, lieben, hoffen, handeln In dem Licht der Ewigkeit,
Bis mir leuchtet auf dein Wort Zions güldner Friedenshort!
E. Rechte r.
Aleine Mitteilungen.
Auf ein Stück vergessener Jugendpflege richtet inr Juliheft der „Frauenhülfe" ein Rezensent der Udo Degenscld'schcn Schrift „Jesus in unserem Schülerleben" die Aufmerksamkeit. Anknüpfend an einen Satz daraus : „Unserer Lehrer Frauen haben wir nie kennen gelernt!" schreibt er u. a.: „Mündliche und gedruckte, öffentliche und persönliche Aussprache über Jugendpflege geht ins Uferlose, alle größten und kleinsten Lebensgemeinschaften sind förmlich erdrückt von den hier erwachsenden Aufgaben.^ Die Betriebsamkeit des Vereinslcbens ist so reich! entwickelt, daß davor gewarnt werdeu muß, die Jugend dem natürlichen Mutterboden ihres Lebens, der Familie, zu entziehen. In der Tat bedarf es hier der Gesundung und der Selbstbesinnung. Aber nicht bloß so, daß die Jugend zuerst dem eigenen Elternhaus gehört. Auch die Häuser der „Mten Freunde und getreuen Nachbarn" sollten den jungen Männern offen stehen. Ich denke an meine Mitschüler. Ein sehr großer Teil meiner Klasscngcnossen wohnte in trostlos öden Pensionen, und es gab kein Haus, das ihnen! offen stand; der Sonntag war der langweiligste Tag der Woche. Sdi denke an meine Studentenzeit. Wir hatten wie so viele Studenten MN Stück Heimat in unserem studentischen Verein. Aber wie dankbar Mren Nur für offene Abende, offene Sonntag-Nachmittage in den Häusern verehrter Professoren! Ich denke an gegenwärtige Bekannte. Sie fürchten sich vor dem Sonntag und vor manchem freien Abend in der Woche. Es wäre manchem von diesen Einsamen _ geholfen, wenn ein freundliches Haus lief)' ihnen öffnete ! Und was von diesen Söhnen der gebildeten Stände gilt, das gilt ebensosehr von den anderen Söhnen unseres Volkes.
. Es sollte für sie alle offene Häuser geben; der Segen des Familienlebens sollte ihnen erschlossen sein." Natürlich gibt es das hre und da ttoct überall. Aber in der grundsätzlichen Durchführung bildet es doch fast ein Stück vergessener Jugendpflege.


