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mct)T oder minder langweilige Art, wie sie vorgetragen werden. Am besten zog sich noch der regierende Bürgermeister aus der Sache. Kürz und bündig, kernig und herzlich war seine kurze Rede, ein echtes Spiegelbild des tüchtigen Bürgerstandes, den die alte Musen­stadt nährt. Wahrhaftig, wenn die.ganz« Bürgerschaft so vortrefflich gedeiht wie ihr derzeitiger Vertreter, so darf man ihr Glück wünschen, Und wenn die Stadt in ihrer Aus­dehnung ihn «reicht, so wird es an der räumlichen Abrundung ihres Weichbildes nicht fehlen." Viele Sitzungen, zu denen sich die einzelnen Sektionen der Versammlung zusammenfanden, fanden statt. Auch wurden drei Ausflüge veranstaltet, einer nach dem Lahntal, nach den: Schlosse Schaumburg, einer Besitzung des Erzherzogs Stephan, ein zweiter nach Marburg und ein dritter nach Bad-Nanheim. Es sollte bei dieser großen Versammlung auch nicht an einem tragischen Zwischenfalle fehlen. Während des Festes starb nämlich der Realschuldirektor Gutberlet aus Fulda an ein em Schläganfalle. Er wurde von vielen Festgästen zu Grabe geleitet, Pfarrer Landmann hielt ihm die Grabrede über Epheser 2, 19 und 20: So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Bürger mit den Heiligen und Gottes Haus­genossen, erbauet auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eck­stein ist.

Damals stand dem Stadtvorstande noch die Präsentation des ersten evangelischen. Pfarrers zu. Am 20. Oktober wurde der seit­herige zweite Pfarrer Gustav Landmann zum ersten Pfarrer gewählt.

In der Nacht vom 9. zum 10. Juni ent­stand ein großer und gefährlicher Brand in dem Hinterhause des Kaufmanns Appel im Neuenwieg, der aber durch die große An­strengung der Löschmannschaften auf dieses Gebäude und einige Nebenwände beschränkt blieb. Am 9. Oktober brach in der Werkstatt des Weißbindermeisters und Gemeinderatesi Petri am Asterweg dadurch Feuer aus, daß wegen großer Wäsche ein Feuer unterhalten wurde Und daß «ne in der Nähe des Kessels stehende Vitriolflasche in Brand geriet. Es entstand eine ungeheure Flamme, die sogar die nahe stehenden Bäume im Garten ergriff, aber doch nicht weiter gefährlich wurhe, son­dern tauf die in einem Garten stehende Werk­statt beschränkt blieb. Ein Brand, der am Morgen des 24. Oktober in der Wohnung des Flurschützen Kranz in der Katharinen­gasse entstand und nur das Dach und den obersten Stock ergriff, war durch die Dieberei eines bösen Buben, des dreizehnjährigen Sohnes des in diesem Hause zur Miete woh­nenden Weißbinders M. aus dem Gothai- schen veranlaßt worden. Ter Knabe wußte, daß sein Vater einiges Geld unter dem Dache unter dem dort lagernden Stroh versteckt hatte, und stieg frühmorgens mit einem Licht auf den Boden in der Absicht, sich einige Kreuzer zum Vernaschen zu stehlen. Das Licht fiel um, das Stroh geriet in Flammen,

und der erschreckte Knabe ergriff die Flucht, ohne etwas zu sagen. In wenigen Augen­blicken stand das ganze Dach in Flammen, das Feuer aber wurde in einigen Stunden gelöscht. Durch eine öffentliche Sammlung wurden für den Flurschützen Kranz 35 Gul­den zusammengebracht.

Im Herbste des Jahres bestand der Stadtvorstand aus folgenden Mitgliedern: 1. Bürgermeister Balthasar Vogt, 2. Hein­rich! Ferber, Beigeordneter, 3. Theodor Fel, sing, zweiter Beigeordneter, 4. Kvnrad Wei- dlg, 5. Louis Petri, 6. Hofgerichtsadvokat Rosenberg, 7. Buchhändler Rrcker, 8. Buch- druckererbesitzer Wilhelm Keller, 9. Bier­brauer Andreas Weidig, 10. Tabakfabrikant Louis Bücking, 11. Schuhmachermeister Karl Nagel, 12. Bäckermeister Karl Löber, 13. Kaufmann Eduard Silbereisen, 14. Likör- fabrikant, früher Lehrer an der höheren Töchterschule Jean Hanstein, 15. Schuh­machermeister Berg, 16. Tabaksabrikant Georg Philipp Gail'.

Im November brachen die Blattern in der Löwengasse aus, griffen aber nicht weiter um sich.

Bemerkenswert war, daß in diesem Jahre eine auffallend große Zahl von Kaufmanns­läden (20 24) in der Stadt neu errichtet wurden, -ein Zeugnis für den wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt.

1865.

Am 1. Januar, gerade ein Jahr nach der letzten Predigt Engels, trat Pfarrer Land­mann die erste Pfarrstelle an mit einer Pre­digt über 2. Kor. 4,8.Uns ist bange, aber wir verzagen nicht." Darin führte er aus: Uns ist bange, aber ivir verzagen nicht 1. im Hinblick auf die Liebe, die ich bisher erfahren, 2. auf die Größe und den Um­fang der Pflichten meines neuen Amts und 3. auf die Gärung und Zerrissenheit in die­ser ernsten Zeit. (Heutzutage gibt es keine Scheidung der Pfarrstcllen mehr wie früher, wo man von einer ersten und zweiten Pfarr­stelle redete, sondern jede Kirchengemeinda hat ihren besonderen Pfarrer. Tie Leitung des Gesamtkjrchenvorstandes und den Vor­sitz im Pfarrkollegium hat jeweils der dienst- älteste Pfarrer.)

Im Januar und Februar machte sich im Stile des frühereirLaterncmännchens" ein KarnevalsblättchcnDie Fastenbretzel" be­merkbar, weniger durch Witz, als durch Spöt­tereien über einzelne Familien und Personen.

Außerordentlich merkwürdig war in die­sem Jahre der Uebergang des Winters man kann nicht sagen in das Frühjahr, son­dern in den Sommer. Ms zum 2. April herrschte bei trockener Luft strenge Und scharfe Winterkälte, acht Tage später, am Palm­sonntage, war ganz sommerliches Wetter, Und dieses Wetter blieb die eigentlichen Frühjahrstage hindurch, so daß man sagen konnte, das Jahr 1865 habe keinen Frühling, sondern nur einen langen warmen, meist trockenen Sommer gehabt.