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Am dritten Pfingsttage erregte die Kunde von einer schauderhaften Mordtat die Gemüter in Gießen und Nachbarschaft. Eine Frau aus Steinbach fand nämlich an dem genannten Tage im tzausener Walch links von der Straße, einen jungen Menschen ermordet vor. Der -eines großen Teils seiner Kleider Beraubte mies eine große Wunde am Hinterkopf und zwei Zertrümmerungen der Hirnschale über dem rechten Auge Und hinter dem linken Ohre auf. Als Werkzeuge, nnt denen die Tat ausgeführt worden war, fanden sich in der Nähe zwei dicke Steine. Ter Ermordete wurde bald als der 16jährige Schreinerlehrliug August Schlegel aus Her- mannstein -erkannt, er war -ein hübsches, freundliches Bürschchen und stand bei dem Schreinermeister Karl Zimmermann in der Lehre. Er wollte am ersten Pfingsttage nach Birklar gehen, um dort seine verheiratete, Schwester, Frau Schmitt, zu besuchen. Er gelangte jedoch nur auf der Licher Straße bis über die Grenze des Fernewaldes und würde in der Nähe des Lumpenm-anns- brunnens Kum letztenmale gesehen.
(Fortsetzung folgt.)
Der Schrei nach Sott.
„Ter Freidenker" veröffentlicht den Brief eines feldgrauen Freireligiösen, der die ganze Ohnmacht des Freiglaubens bezeugt:
„Hunderttausende in unserm Volke, drc mit ihrer Religion zerfallen sind, treten nur darum nicht aus, weil sie das Freidenkertum nicht als vollwertigen Religionsersatz ansehcn können. Ihr Sehnen ist auf eine autoritative Religion gerichtet, aus deren Lehren sie vertrauensvoll ihren Lebenswandel einstcllen können. „ , , .
Meinen Sie, daß in der Relrgwn des Guten, wie das Freidenkertum sie lehrt. Autorität genug sei? Denkt nicht Nretz,che über das G-utc anders als Buddha, der Jesuit anders als Sie Und Herr vr. Kramer nicht selten anders als Herr .. .(unleserlich). Was ist da nun maßgebend?
Geben Sie dem religiös deirkenden Volke etwas Autoritatives, dem es glauben kann! Ter Glaube hat neben dem Wissen Daseinsberechtigung. Wie die Entdecker und Erfinder des Glaubeits an die Richtigkeit ihres Tuns bedürfen, uni Positives zu erzielen, so bedarf das Volk des Glaubens an dre Autorität der Grundsätze des Guten, zu denen es sich bekennt, sollen diese ihm Posr- tives, d. h. Lebenshalt, Lebensmut und Lebensfreude gewähren."
Und was wird dem Feldgrauen, der nach Gott sucht und fragt, als Religion angeboten ? Ter Herausgeber des „Freidenkers" belehrt
^,',Tie Grundlage für mich ist das bessere Selbst im eigenen Innern. Wer das „bessere Selbst" in sich hinreichend erlebt, hat die Grundlage für sein religiöses Leben. Er vertraut ihr aus Liebe ganz unmittelbar. Gelehrte Streitigkeiten über Weltaiychauung
können seine Religiosität nicht erschüttern. ,Auf diesen Fels will ich meine Kirche bauen'. Wer weiß -einen andern?"
Jawohl, wir wissen Zeinen andern, Jesus Christus den Felsen, der diamanten ist, der Millionen von Menschen Halt und Kraft gegeben hat und täglich noch gibt. Unser Volk hat Hunger nach Gott, möchte ihm doch das wahre Brot des Lebens und nicht Steine statt Brot gereicht werden.
Uleine Mitteilungen.
Wie die „Teutsche Lehrerzeitung" berichtet, sind auf der Synode Berlin-Stadt I, die kürzlich stattfand, von den verschiedensten Seiten die ernstesten Klagen über die Verwilderung der Jugend -erhoben worden. So wurde auf der Synode u. a. mitgeteilt, daß in etncm Lokale der Oberspree ein Maskenball stattgefunden habe, der Sonnabend anfing und am Sonntag gegen 10 Uhr früh zu Ende war. Einer der jugendlichen Teilnehmer hat nachher eine Photographie gezeigt und stolz gemeint: „Hier der Trapper, das bin ich, und das drum rum sind alles Kriegerwitwen!" Angesichts dieser Sittenbilder, die von dem grenzenlosen Leichtsinn zeugen, der in weiten Kreisen besonders unserer Jugend herrscht, fragen wir immer wre- der: gibt -es wirklich kein Mittel, um ein derartiges Treiben der Jugend zu verhindern ? Gewiß können Verordnungen ünd gesetzliche Bestimmungen hier viel bessern, aber eine völlige Wandlung des verwilderten Zustandes, in dem sich unsere Jugend heute zum großen Teil befindet, ist doch- erst möglich, wenn die Eltern dem Ernst der Zeit gemäß leben und der Jugend in ihrem gesamten moralischen Verhalten -ein Vorbild sein können.
D-as „Ml-gäuer Anzeigenblatt" in Jm- menstadt veröffentlicht folgende hübsche An-
^^Welch -edeldenkender Munitionsarbeiter wäre bereit, einem Beamten durch- Ueber- lassung eines noch gut -erhaltenen Anzuges den Besuch -des Sonntagsgott-esdiMstes zu ermöglichen. Gesl. Angebote befördert unter Anzug 1 die Exped. d. Bl. „ . .
Ein nettes Stücklein zu dem Kapitel „Kleider-Abgabe", das inanchem die Augen dafür öffnen kann, in welchen Kreisen heute die größte Not zu sinden ist!
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Es wird berichtet, daß vor dem Landgericht Zweibrücken sich kürzlich- ein Strafprozeß abspielte, in dem festgestellt wurde, daß zwölfjährige Gymnasiasten in Pirmasens durch Handelsgeschäfte wahrend des Krieges Vermögen von 50 0t)0 bis 60 000 Mk. erworben haben und IBankguthaben besaßen. Tiefes Beispiel redet mit deutlicher Sprache davon, wie weit die Seuche der Profitgier und des Geldhungers, des Wuchers und der Betrügerei im Kriege um sich gegriffen hat.


