Einzelbild herunterladen

- 134 -

war zusammengetreten und hatte die nötigen Anordnungen getroffen. Tie Schulfeiern wurden am Samstag gehalten, in den Stadt­schulen mit am besten, weil die Lehrer vor­her angewiesen worden waren, die Geschichte der Völkerschlacht zu behandeln und bei der Feier kurz zu wiederholen. Im Gymnasium soll die Feier sehr arm gewesen sein, in der Realschule hielt Reallehrer Dr. Bindewald eine iu,,.riugUche Rede. Böllerschüße kün­deten abends um 5 Uhr das Fest an, am Sonntag war Festgottesdienst,_ Pfarrer Landmann predigte in der Stadtkirche über Psalm 66, Vers 13 und behandelte das Thema: Was sollen sie bedeuten die Feuer, die man anzündet am 18. Oktober auf den Bergen unseres deutschen. Vaterlandes? 1. Crinnerungsfeuer sollen sie sein, 2. Tan­kesfeuer, 3. Wachtfeuer und 4. eine Mahnung an das heilige Feuer, das auf dem Altäre unseres Volkes und unseres Herzens brennen soll, von dem unser Heiland spricht:Ich bin gekommen, daß ich ein Feuer anzünde auf Erden, was wollte ich lieber denn es brennte schon." Im Nachmittagsgottesdienst predigte Mitprediger Krug. Abends bewegte sich ein Festzug vom Marktplatz nach dem Brand, wo Privatdozent vr. Krumm (später Pfarrer in Groß-Winternheim in Rhein­hessen) die Festrede hielt, dann ging der Fest­zug durch die Braugasse, Walltorstraße, über den Markt, das Kreuz, den Seltersweg, die Südanlage, die Grünberger Straße (jetzt Kaiser-Allee) nach dem Trieb, wo ein Feuer abgebrannt wurde. Beim Anzünden des da­selbst angehäuften großen Holz- und Reisig­hausens wurde mit allen Glocken geläutet, Gesänge und Musikvorträge folgten. Eine große Anzahl von Festseuern brannten ringsum auf den Bergen und konnten weit­hin gesehen werden. Nachfeiern im Prinz Karl und Promenadenhaufe beschlossen das Fest.

Am 15. November starb in Marburg an einem schweren Halsleiden und wurde am 17. November hier beerdigt der pensionierte Großherzogliche Oberstleutnant Friedrich Peppler, 74 Jahre alt. Er hatte in jungen Jahren den Feldzug des Kaisers Napoleon gegen Rußland mitgemacht, war in russische Gefangenschaft geraten und bis an die asia­tische Grenze verschleppt worden. (Heute sieht man ein solches Schicksal nicht mehr als außergewöhnlich an.)

1864.

Im Anfänge des Jahres regte ftdji auch hier eine große Teilnahme für Schleswig- Holstein. Ein Komitee trat zusammen, Geld­sammlungen wurden in die Wege geleitet^ Volksversammlungen hier und in der Um­gebung abgehalten. Tie große, aus 186 Mann bestehende schleswig-holsteinische De­putation wurde auf ihrer Reise nach Frank­furt und München am hiesigen Bahnhöfe glänzend mit Musik, Fackelzug und Reden empfangen.

Am 27. März, am ersten Ostertage, nach­

mittags um 3 Uhr, wurde der Pfarrer und Dekan Geheimer Kirchenrat vr. Philipp Christian Jakob Engel zu Grabe getragen. Seit ungefähr einem Jahre w!ar der Ver­storbene leidend gewesen, hatte im Sommer 1863 Bad Salzhausen ausgesucht, aber nur für kurze Zeit und ohne Linderung seines Leidens er starb an der Brightschen Nie­renkrankheit zu finden. Vom Herbste an häuften sich! für ihn die Tage des Uebelbefin- dens und der Schwachheit. Schlaflose und schmerzvolle Nächte kamen, so daß er nur sel­ten predigen konnte und nur wenige Amts­handlungen verrichtete. Am Vormittage des Neujahrstages 1864 predigte er zum letzten­mal, die Fortsetzung seiner Predigt wollte er drei Tage später, am 3. Januar, halten, aber das war ihm nicht mehr möglich. Mit- prediger Lips und Mitprediger Krug über­nahmen feine Predigten, der zuletzt Ge­wannte übernahm auch den Kvnfirmanden- unterricht, während alle Amtshandlungen! dem Pfarrer Landmann zufielen. Schon an seinem Geburtstage, dem 27. Februar, schien Engels Ende nahe zu sein. Am Sonntag Judika wurde für ihn in der Kirche gebiet. Am Gründonnerstag wollte er das heilige Abendmahl empfangen, aber es konnte ihm nicht mehr gereicht werden, da schon Bewußt­losigkeit eingetreten war. Abends um Vs? Uhr im Beisein seines Arztes, des Medizi­nalrates vr. Stammler, unter dem Gebet des Pfarrers Landmann entschlief er im Al­ter von 74 Jahren. Seine Frau Luise Mar­garetha, geb. Hoffmann war schon am 5. November 1849 gestorben. Am ersten Oster- tage, dem 27. März, nachmittags um V-2 Uhr, fand die Beerdigung statt. Ter Sarg wurde von den Mitgliedern des Kirchen- und Stadtvorstandes aus der Wohnung nach der Stadtkirche getragen und dort vor den Altar gestellt. Eine ungeheure Menschenmenge hatte sich! in der Kirche zusammengefunden. Mitprediger Lips sprach das Gebet am Altar, Pfarrer Landmann hielt die Rede über Evangelium Johannes 17, 11 und sprach über das Thema:Wie uns das letzte Bei­sammensein mit unserem väterlichen Seelen­hirten zum rechten Segen sein soll." Das Schlußwort in der Kirche sprach Superinten­dent Simon. Bei dem Zug aus der Kirche nach dem Friedhofe gingen die Geistlichen ins der Stadt und der Umgebung vor dem Leichenwagen, hinter demselben kamen der Kirchen-, Stadt- und Schulvorstands die Lehrer und Staatsbeamten und in einem Unübersehbaren Zuge die Mitglieder der FreimaurerlogeLudewig zur Treue", der Engel angehört hatte. Dann kanien die Bür­ger, die Vertreter der Universität, die Gym­nasial- und Reallehrer und eine große Schar von Teilnehmern aus der Nachbarschast, ab­gesehen von der noch größeren Menge des nebenherziehenden Volkes. Am Grabe sprach Mitprediger Krug das Gebet, ein Verein trug einen Choral vor, Superintendent Si­mon nahm die Einsegnung vor, und mit dem