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Gememdeblatt für die evangelische Rirchengemeinde Gießen

Nr. Gießen, IZ. Sonntag n. Trinitatis, den 25. August 1918 7. Iahrg-

Sonnenmenschen.

Buch der Richter 5, 31. Tie ihn aber lieb haben, müssen sein wie die Sonne aus- gehet in ihrer Macht.

Hast du schon einmal die Sonne aufgehen sehen in ihrer Macht und Herrlichkeit? Tu wirst diesen überwältigenden Anblick nie ver­gessen, wie vor dem flutenden Licht Nebel und Finsternis weichen mußten und die Sonne als Siegerin und Heldin ihre Bahn in herr­lichem Glanz antrat. Das soll ein Sinn­bild deiner Lebensaufgabe sein, wenn an­ders du den Anspruch erhebst, ein Christ zu sein. Unsere höchste Bestimmung, das Licht der Welt zu sein, spricht sich so schlicht und einfach in dem Verse aus:

In der Welt ist's dunkel; Leuchten müssen wir

Tu in deiner Ecke Ich in meiner hier!"

Für die Sonne ist es selbstverständlich, daß sie leuchtet; sie kann gar nicht anders. So muß es bei uns auch sein. Aber nicht Unser eigenes Licht wollen wir leuchten lassen, das hat keine Kraft, es ist wie ein glimmender Tocht und würde nicht das Dun­kel des Lebens durchdringen können. Wenn wir den Herrn lieb haben, dann werden wir leuchten wie die Sonne: wir werden unser Licht und unsere Leuchtkraft von ihm emp­fangen und dann wieder ausstrahlen. Ein herrliches Recht ist uns gegeben, wie die Sonne zu werden, aber zugleich auch eine heilige Pflicht, nun auch Sonnenmenschen zu sein, wie jener gemütvolle deutsche Dich­ter sagt:

Christ sein heißt, wie die Sonne sein, Leuchten und wärmen mit Himmelsschein, Heißt: wie der Frühling gehen durchs Land, Blumen streuen mit voller Hand,

Machen zum Gottesgarten die Erden Christ sein heißt: wie die Sonne werden!"

Die Stadt Gießen in den Jahren J86J bis J869. 1

(Fortsetzung.)

1863.

Nach Pfingsten wurden in der Stadtkirche folgende Reparaturen vorgenommen: 1. Die Treppe von der ersten aus die zweite Empor­bühne (die zweite Emporbühne ist ber den baulichen Veränderungen des Jahres 1898 entfernt worden) wurde weggenommen und dafür eine neue Treppe von dem Vorplatz im zweiten Stock nach dem Platz der Real­

schüler zu einer neu.hergestellten Tür ge­führt. 2. Tie Bogenöffnung zwischen diesem Vorplatz und der ersten Emporbühne, welche der Akustik sehr nachteilig war, würde zu-, gemauert. 3. Tie beiden hinten liegenden Abteile der Frauenstühle, toetdje bisher noch Sandsteinplatten zum Fußboden hatten, wurden mit einem Fußboden aus Brettern versehen. 4. Ueber den Bänken der beiden! Langseiten neben den Frauenstühlen wur­den Rückbretter angebracht. 5. Hinter den! Mädchenbänken neben dem Altäre wurden zwer geschlossene Stühle mit Brüstung er­richtet, von welchen der neben dem Pfarr- stuhl für die Lehrer, der neben dem Kirchen­vorstandsstuhl für den Schulvorstand und die etwa erscheinenden Mitglieder des Stadtvvr- standes bestimmt war.

Im Jüni machte Großherzog Ludwig III. eine Reise durch Oberhessen, die über Fried­berg, Gießen, Rodheim a. d. Bieber (damals | noch hessisch), Fvankenbach, Biedenkopf, Frie- 1 delhaufen, Gießen, Grünberg, Alsfeld, Lau­terbach, Menbach!, Herbstein, Gedern, Orten­berg, Altenstadt, Nieder-Wöllstadt ging. Am 22. Junr kam der Fürst nach Gießen, wo er im Gasthause zum Einhorn übernachtetet Abends wurde ihm zu Ehren ein Fackelzug veranstaltet, der vom Russischen Hof aus seinen Anfang nahm. (In dem Programm, das für den Empfang des Großherzogs aus­gegeben wurde, steht tinterReihenfolge des Zuges" an letzter Stelle seltsamerweise Chorstudenten".) Tie Stadt w!ar sestlich> ge- j schmückt.

Am 6., 7. und 8. August fand ein großes landwirtschaftliches Fest in Gießen statt, ver­bunden mit einer Ausstellung von landwirt­schaftlichen Maschinen, Geräten und Produk­ten, auch verbunden mit einer Ausstellung von gewerblichen Gegenständen. Wieder wurde die Stadt festlich ausgeschmückt. Der Festplatz war Oswalds Garten oder, wie man damals sagte, der Marktplatz am Neustädter Tor. Am dritten Tage wurde ein Festzug veranstaltet, bestehend aus Reitern, Arbeiter- gruppcn luitb einer langen Reihe von Wagen mit Landleuten und Gewerbetreibenden, alle in ihrer Arbeitskleidung.

©in neues Gebäude für die Post, die bis­her in dem Hause der alten Postmeisters­familie Kempff am Walltor sich befunden, h!atte, wird in der Bahnhofstraße hinter dem Arrcsthause zu bauen angesangen.

Samstag den 17. und Sonntag den 18. Oktober feierte man die 50jährige Gedächt­nisfeier der Schlacht bei Leipzig. Ein Fest­komitee !gus allen Ständen der Bevölkerung