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Gesänge der beiden ersten Verse des Liedes „Jesus, meine Zuversicht" wurde die Feier beschlossen. Eine größere Bestattungsfeier ist in Gießen nocE)- nie gehalten worden.
(Fortsetzung folgt.)
Erholung.
Ungezählte Tausende sind in diesen Tagen den steinernen Zwingburgen der Städte entronnen, um in Gottes freier Natur ihre abgenutzten Nerven wieder aufzufrischen; anderen Tausenden wird in Bälde die ersehnte Ferienstunde schlagen. Weit mehr noch werden freilich in dieser schweren Zeit, die ihnen das Reisen verbietet, neidvoll den glücklicher Gestellten nachblicken und wenigstens versuchen, in ihrer Heimat engerer Umgebung Ersatz für die Reize der lockenden Ferne zu finden — alle aber haben, wenn das Jahr seinen sommerlichen Höhepunkt erreichte, das Bedürfnis, einmal auszuspan- dien. Tenn die Feriensehnsucht ist in unfern Tagen keine wohlfeil bespöttelte Modesache mehr; sie entspringt einem Bedürfnis, dem säst das Gesetzmäßige eines äußeren und inneren Krästcersatzes innewohnt in einem Zeitalter, das an Leib und Seele Anforderungen von früher nicht geahnter Größe stellt. Bisweilen möchte es scheinen, als lause die Entwicklung der Dinge angesichts des sich überstürzenden Fortschritts der wissenschaftlichen und technischen Errungenschaften, vollends jetzt unter den Eindrücken des ftbcr die Maßen aufreibenden Weltkriegs, auf Ansprüche an den menschlichen Organismus hinaus, die ihm die Herrschaft über seine eigenen Schöpfungen aus der .Hand winden. Tie Verhältnisse erscheinen oft stärker als der Mensch, der sie ins Leben rief, und daraus entsteht ein Zwiespalt in seiner früher weniger belasteten Gesamtverfassung, für den ein Ausgleich gefunden werden muß, wenn die alte Harmonie der Kräfte wieder hergestcllt werden soll. Ihn zu bieten, ist die Erholung der Ferien berufen. Tann allerdings hängt viel davon ab, welcher Art wir sie verbringen. Sie sollten zu einer neuen Kraftquelle für Körper und Geist tvcrden. Das Wort: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein", hat gerade in der augenblicklichen Zeit verstärkte Bedeutung. Wenn es auch begreiflich ist, daß unter den gegenwärtigen schwierigen Ernährungsbedinguck- gen bei der Wahl des Erholungsortes die Frage nach möglichst ausreichender Beköstigung eine verstärkte Rolle spielt, so läßt doch das Verhalten Ungezählter den Schluß zu, sie wählten ihr Reiseziel ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der „Magenfrage". Tiefe einseitige Betonung schließt im Blick auf die Millionen deutscher Männer And Jünglinge, welche au der Front für ans Jahr um Jahr kämpfen, bluten und entbehren, etwas ungemein Peinliches in sich. Unverständlich bleibt es auch, wenn viele sich einen Aufenthalt wählen, an dem sie lediglich in anderer äußerer Umgebung alle ge-!
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wohnten „Segnungen" und Bequemlichkeiten ihrer heimatlichen Verhältnisse, dazu womöglich noch den gleichen gesellschaftlichen Umgang wie bisher, wiederfinden. Dem gegenüber hat in gewissem Sinne das Rezept eines -alten Ferienreisenden recht: „Im Urlaub muß man genau umgekehrt leben wie im Dienst!" Recht verstanden, liegt hierin auch ein trefflicher Rat für unsere geistige Erholung, die doch immer das Entscheidende bleiben wird. Was uns modernen Menschen vor allem fehlt, ist in der täglichen Jagd nack Erwerb und Gewinn und dem immer schärfer ausgeprägten geisfigen Spezialistentum, bei dem man nur noch die Teile in seiner Hand behält, stille und geruhige Selbstversenkung, das Sich-selber-Wiederfinden, und damit die Neuentdeckung des geistigen Bandes, das alles umschließt. Hierbei wird freilich die Natur in ihrer unaussprechlichen Schönheit, wenn wir, aller Sorgen ledig, uns ihr wieder einmal widmen, ein besonders willkommener Führer und Wegweiser sein. Und zwar um so beredter, je mehr wir uns in ihre geheimnisvolle Stille flüchten. Wenn! dort um und in uns alles versinkt, was sonst an das geschäftige und geschwätzige Leben kettet, dann spüren >vir wieder etwas vom eigentlichen Beruf und Zweck des menschlichen Seins, davon, daß wir berufen sind, Herr und nicht bloß Sklave der Verhältnisse zu sein: dann spüren wir schließlich aber auch, daß selbst die Natur in all ihrer Pracht und Herrlichkeit nur ein Gleichnis ist, ein majestätisches „Wort, das durch den Mund Gottes geht", und so trinken !vir wieder einmal von dem lauteren Quell einer. Wahrheit, in der sich tausend Widersprüche Und Rätsel des Lebens lösen, die uns befähigt, .neugestählt zu unserem Pflichtenkreis zurückzukehren und auch über Kleinem und Kleinstem den Zusammenhang mit dem großen Ganzen nicht zu verlieren.
Opfer.
O großer Pflüger, halte ein!
Es sei genug! so laß es sein.
Und laß aus Blut und Schutt und
Brand
Ersteh'n das neue Vaterland.
Karl Ernst Knodt.
, So haben wir wohl alle schon gefleht, wie der nun Heimgegangene, alte Waldpfarrer es in diesen schlichten Worten ausspricht, allen verständlich-, allen tröstlich, und doch hat der große Pflüger noch nicht in seiner Arbeit -eingehalten; Tag für Tag müssen wir aufs neue erfahren wieviel schmerzens- reich-e Ops-er gefordert werden, um uns zu ermöglich-cu, ein neues deutsches Vaterland erstehen zu sehen.
Wohl kommt uns die Sorge: werden wir das Ende dieses Ringens erleben, und den Anfang einer besseren Zeit sehen? Da müssen wir uns sagen, daß dies allein bei Gott steht; wir können nur felsenfest an der Ueb-erz-eugung halten, daß er cingrcifen wird.


