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hinzieht) sollte zu Gärten verwendet werden Vor den neu zu errichtenden Häusern sollte zunächst eine gerade, chaussierte Straße, dann längs dieser Straße eine neue Allee, sodann bis zum Stadtgraben ein mit Blumenbeeten und Ziersträuchern versehener öffentlicher Platz angelegt werden. (Diese Angaben geben uns genauen Bescheid darüber, wie man die schönste Straße in Gießen, die Südanlage, angelegt hat, sie ist nicht zufällig entstanden, sondern ist planmäßig hergestellt worden.) Da die Kosten für den Ankauf des Geländes und für die ganze Anlage voraussichtlich sehr bedeutend warm und sich aus 70 000—80 000 Gulden beliefen, außerdem auch noch ein Weg in der Hälfte der neuen Straße nach dem Innern der Stadt geführt wtzrden und einige alte Häuser zu diesem Zwecke abgebrochen werden sollten, so wurde sehr viel gegen diesen Plan gesprochen und auf angeblich wichtigere Ausgaben hingewiesen, aber die Bauplätze waren nötig und der Beschluß war gefaßt und genehmigt, und so wurde denn alsbald zum Werk geschritten. Zunächst ging man an die Ausgleichung und Absteckung des Platzes sowie an die Anpflanzung. Der Plan >vurde hauptsächlich von dem Universitätsgärtner Bernhard Weiß entworfen. Die Aufsicht über die Arbeiter sührte der Gemeinderat und frühere Bürgermeister Georg Reiber mit einem solchen Eifer, daß er lange Zeit nirgends anders als in der nmen Anlage zu finden war.
(Fortsetzung folgt.)
Line wertvolle geschichtlicheLrinnerung.
Ein bekanntes Wort sagt: Tie Geschichte ist eine Lehrmeisterin für die Menschen und noch mehr für die Völker. Daß dieses Wort wahr ist, dafür gibt es viele Beispiele. Denken wir nur einmal an das Beispiel der Uneinigkeit, das viele Völker uns schon gegeben haben. An der Zerstörung der Stadt Jerusalem im Jahre 70 nach Christi Geburt und der Vernichtung des jüdischen Staates und Volkstums waren neben anderen Ursachen mit schuld die Uneinigkeit und der innere Hader der Juden. Roch, als die Römer bereits vor Jerusalem standen, als Hunger und Entbehrungen aller Art sich geltend machten, lagen im Innern der Stadt die Führer der verschiedensten Parteien miteinander in heller Fehde über die Frage, was gegenüber dem Feinde geschehen sollte. Die verschiedenen Parteigruppen haben einander förmliche Schlachten geliefert und so ihre Widerstandskraft ungemein geschwächt.
Lehrreich in dieser Hinsicht ist auch die Geschichte des alten Römerreiches. Seine besten und berühmtesten Männer sind in inneren Wirren und Streitigkeiten durch Meuchelmord gefallen, und die Wohlfahrt der Bürger hat in jahrzehntelangen Bürgerkriegen schwer gelitten. Die Lehre, die sich
aus solchen Ereignissen ganz von selber ergibt, ist die, daß schließlich jedes Volk dem Untergang geweiht ist, dessen Glieder — oft nur aus Ehrgeiz — um die Herrschaft ringen und sich in Zeiten der Gefahr nicht einheitlich zusammenfinden können.
Die Geschichte gibt uns wertvolle Fingerzeige auch zur Beurteilung des jetzigen Ktie- ges. Von Anfang an hat man diesen Krieg mit dem Siebenjährigen Krieg verglichen, der von 1756 bis 1763 dauerte. Es war am 5. August 1914, an dem Tage, da dieKriegs- erllärnng Englands an Deutschland in Gießen bekannt wurde. Auf dem Angesichte eines jeden Verständigen zeigte sich tiefer Ernst. Ter Schreiber dieser Zeilen geriet in der Stadt unter eine Anzähl älterer Männer, die das Ereignis und seine voraussichtlichen Wirkungen auf Dauer und Ausgang des Krieges besprachen. Einer unter ihnen meinte, die Sache sei nun sehr be- . dcnktich, ein anderer aber entgegnete: Preußen hat sich im Siebenjährigen Kriege mit der ganzen Welt herumgeschlagen und ist doch, nicht untergegangen. Seit dieser Zeit hat dieser Vergleich immer wieder mein Nachdenken beschäftigt, und je länger der Krieg dauert, um so mehr gewinnt dieser Vergleich auch an innerer Berechtigung.
Zunächst, was die Dauer des Krieges angeht. Ter Siebenjährige Krieg hat gewährt vom 19. August 1756 bis zum 15. Februar 1763, also nicht ganz 6(4 Jahre, der gegenwärtige Krieg ist nun in das fünfte Jahr ein- lgetveten. Wir hoffen heute alle sehnlichst, daß die kriegerisch>en Operationen in absehbarer Zeit, etwa in diesem oder im nächsten Jahre, ein Endx finden, und es ist keineswegs meine Meinung, daß der jetzige Krieg nun auch sieben Jahre dauern müsse. Aber eins steht heute schon fest, daß er eine Tauer Angenommen hat, die ihm von vornherein Nur wenige zugetraut haben. Wenn ,1914 beim Ausbruch des Krieges jemand öffentlich gesagt hätte, der Krieg wurde im August 1918 noch nicht beendet sein, man hätte ihn nicht mehr für ernst genommen. Tie allgemeine Hoffnung ging doch zuerst auf ein rasches Kriegsende. Daß wir noch keinen Frieden haben, liegt daran, daß dieser Krieg ein sogenannter Koalitionskrieg ist, genau, wie das der Siebenjährige Krieg auch war, d. h. ein Krieg nicht zwischen zwei einzelnen Mächten, sondern zwischen zwei Machtgruppen, die gegeneinander stehen. Im Siebenjährigen Kriege standen Oesterreich, Rußland, Schweden, Frankreich und sogar das Deutsche Reich zusammen. Preußen war dieser Macht gegenüber ganz auf sich angewiesen, nur England hat ihm anfangs mit Truppen und zuletzt mit Geldmitteln beigestanden. Heute steht zwar Deutschland nicht allein, Oesterreich-Ungarn, die Türkei und Bulgarien sind unsere Bundesgenossen, aber die Verteilung der Kräfte ist heute ge-


