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hier nach Fulda in Anregung gebracht und darüber verhandelt, ob die Richtung über Hungen und Schotten nach Lauterbach oder die über Grünberg, Alsfeld, Lauterbach vor­zuziehen sei.

Stad) dem großen deutschen Schützenfest, das im Juli in Frankfurt a. M. abgehalten worden war, bei dem auch der Herzog Ernst von Koburg in dem großen Festzug mit­marschiert war und die Tiroler in ihrer ergentümlichen Tracht besonderes Aufsehen erregt hatten, wurde rn Gießen Sonntag. Montag und Dienstag, den 17., 18. und , 19. August ern großes Turn-, Gesang- und Jugendsest geferert. Auf denr Brand wurde eine große Festhalle gebaut, in allen Häusern um Quartier für die Turner und Sänger nachgesucht, die ganze Stadt mit Fichten aus dem Stadtwald und mit Fahnen, insbe­sondere mit schwarz-rot-goldenen Fahnen ge­schmückt. Auch in den Schulsälen wurden Festgäste untergebracht. Die Gesänge wur-, den in der Festhalle vorgetragen, die Turn-' Übungen fanden auf dem Festplatz, dem Marktplatz vor dem Neustädter Tor (Os­walds Garten) statt.^ Vier große Festzüge wurden veranstaltet. Sonntag, den 17. Äug. bewegte sich ein Zug von dem Noll'schen j Hause am Walltor über die Walltorstraße, den Lindenplatz, Kirchenplatz, Schloßgasse, den Kanzleiberg, die Neuen Bäue, das Kreuz (jetzt Kreuzplatz), die Mäusburg, den Markt­platz, die Neustadt nach dem Festplätz. Abends 8 Uhr erfolgte der Rückzug durch die Neustadt über den Marktplatz und die Schloßgasse nach der Festhalle. Montag, den 18. August ging ein Zug nachmittags um 2 Uhr von dem Engelbach'schen Hause auf dem Seltersberg über den Selters- w!eg, das Kreuz, durch die Sonne (jetzt Sonnenstraße), über den Brand, durch die Brandgasse, über den Linden- und Kirchen- j platz, durch die Neustadt nach dem Festplatz. Abends um 7 Uhr ging der Rückzug über den Marktplatz, das Kreuz, durch die Ka­plansgasse, die Löwengasse, die Sonne nach der Halle. Auf diese Weise lernten die srem-; den Festgäste alle Straßen und Gassen der! Stadt Gießen kennen.

Im Herbste trat in der Haus- und Zim­merbeleuchtung eine große Veränderung und Verbesserung ein, und zwar durch die Ver­wendung von Petroleum, einem Steinöl, das in großer Menge aus Pennstzlvanien kam und geläutert ein sehr helles Licht gab. Es mußten freilich neue Lampen angeschafft wer­den, die 3 bis 4 Gulden kosteten, aber auch die bisher gebräuchlichen sogenannten Gas­lampen konnten mit geringen Kosten um­gearbeitet werden. Anfangs empfand man den Geruch als unangenehm, aber das über­raschend helle Licht war um so wohltuender, wenn man an die trüben Lampen dachte, die man noch 20 und 30 Jahre vorher be­nützte.

1863.

Auf Anregung des Schuhmachermeisters und Gemeinderats Karl Nagel wurde von einer Anzahl hiesiger Arbeiter ein Arbeiter- Bildungsverein in das Leben gerufen,zur geistigen Bildung und materiellen Hebung des Arbeiterstandes durch gesellige Vereini­gung, Unterricht, Vorträge, Besprechungen usw. sowie auch durch eine auf Gegenseitig­keit gegründete Hilfeleistung."

Im April wurde zur Errichtung eines Denkmals für den ein Jahr zuvor verstor­benen Dichter Ludwig Uhland in seiner Vaterstadt Tübingen von 20 Unterschriebe­nen um Beiträge gebeten.

In dieser Zeit lag dem Stadtvorstand ein Plan vor, wonach eine auswärtige Ge­sellschaft durch Vermittlung zweier Gießener Bürger der Stadt ein Darlehen von einer Million Gulden in der Art gewäfrrett wollte, daß die Stadt diese Summe 60 Jahre lang mit 4 Prozent verzinsen solle. Nach diesem Zeitraum solle das ganze Kapital als ge­tilgt angesehen werden. Als Unterpfand solle bis zur vollständigen Tilgung (also bis znm Jahre 1923) 60 Jahre lang der Stadt­wald dienen. Buchdruckereibesitzcr Wilhelm Keller unterzog imAnzeigeblatt" vom 22. April dieses Projekt einer eingehenden Be­urteilung. Er ging dabei von dem Schulden­stand der Stadt aus. Nach dem Rechnungs­abschluß des Jahres 1861 hatte die Stadt 510 000 Gulden, und zwar 200000 Gulden zu 31/2 Prozent, der Rest tvar verzinslich zu 4 Prozent. Darunter war eine sehr be­deutende Summe einbegriffen, die die Armenkasse der Stadt geliehen hatte, sowie viele Stiftungskapitalien, sogenannte eiserne Kapitalien, deren Zinsen an bedürftige Bür­ger zu verteilen waren (und heute noch zu verteilen sind). Keller nahm an, daß dio Schuldenlast der Stadt durch Anlage der neuen Straße (Südanlage), durch die Er­bauung zweier Pfarrhäuser und einer Turn­halle auf 600 000 Gulden steigen werde, und sprach sich gegen diesen Plan, aus dem auch nichts geworden ist, aus.

Zur Beschaffung von Bauplätzen und An­lage einer neuen Straße (Südanlage) hatte der Stadtvorstand beschlossen, alles Garten- und Ackerland zwischen der Stcphansmark von der Realschule (dem heutigen Bürger­meistereigebäude) an bis an den Fahrweg, der östlich vom Seltersweger Tor nach der Wieseck führt, und andererseits von dem Stadtgraben bis an die Wieseck anzukaufen, planieren und in der Weise anlegen zu lassen, daß eine Häuserreihe in gerader Linie von der Realschule nach den beiden östlich vor dem S-eltersweger Tor bereits stehenden Häusern (das leine davon ist das Haus des Herrn Hoskonditors Hettler) gebaut werden konnte. Das Land hinter diesen neu zu er­bauenden Häusern bis an die Wieseck (also die Gegend, wv heute die Alicestraße sich