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Gemeindeblatt für die evan

gelische Airchengemeinde Gießen

r7r- ZZ Gießen, 12. Sonntag n. Trinitatis, den 18. August 1918 7. Iahrg.

hochwassersluten.

Psalm 32, 6. Um deswillen werden alle L>eiligen zu dir beten zur rechten Zeit, darum wenn große Wasserfluten kom­men, werden sie nicht an diesclbigen gelangen.

des Glaubens abzuspülen oder unter den Füßen loszureißen. Darum, wenn große Wasserfluten kommen:

Halt an Gott, so wirst du siegen, ob alle Fluten dich umringen, wirst du doch nicht unterliegen!

Hochwasserfluten sind Zeichen der Zeit. Was haben die Fluten des Krieges schon zer­brochen, mit sich fortgerissen und bedrohen es noch! Waren es zu Anfang des Krieges die hochgchenden, reinen Fluten vaterländi­scher Begeisterung, die den schmutzigen Flu­ten des Hasses unserer Feinde sich entgegen­warfen und sie zurückdrängten, im Laufe der Kriegsjahre sind noch ganz andere Fluten herangewälzt, die vielen unserer Volksglie­der bis an den Hals gingen, ja in denen viele den festen Grund und Boden verloren und versanken, Kriegsmüdigkeit, Verhetzung, Auf­ruhr, Unglaube, Genußsucht, Sinnlichkeit und Trägheit.

Es können Zeiten kommen, wo es auch fürs Beten ein Zuspät gibt. Draußen aus dem Schlachtfelde zum Tode Verwundete möchten gern noch einmal beten, ehe die letzte Flut über sie kommt, aber sie haben die hei­lige Kunst nie geübt, und wohl ihnen, wenn Kameraden noch an ihnen diesen letzten Liebesdienst erfüllen können!

^ Wie viele in der Heimat sind unter den Schreckensbotschaften aus dem Felde zu­sammengebrochen, weil sie denlieben" Gott nicht finden konnten. Sie hatten die guto Zeit vorübergehen lassen, Gott zu suchen, nun war sein Trost ihren Augen verborgm. Furchtbar ist es, wenn Menschen Gott nicht mehr finden können! Darum suchen sie oft so töricht nach allerlei Künsten, sich gegen die Nöte des Lebens zu behaupten, dem Tod zu trotzen, aber die Flut kommt, die große Flut der Angst, der Trübsal, des Todes, dann ge­hen sie uirter, denn diese Flut reißt alles weder, was menschliche Kultur aufgerichdet hat an Wällen und Dämmen!

Mit Gott versöhnte Menschen aber stehen aus einem hohen, sicheren Felsen. Tie Fluten der sorge können nicht an ihre Seele, denn ste wissen sich versorgt, getragen, geborgen. Tre Fluten der Versuchung können wohl den ' Felsen umspülen, aber ihn nicht zerstören, denn der Geist Jesu Christi gibt Gotteskraft und Heiniatfrieden, der mächtiger ist als aller Glanz, alle Lust der Welt. Zuletzt die Fluten des Todes vermögen nicht den Grund

Die Stadt Giehen in den Jahren f-

1861 bis 1869.

(Fortsetzung.)

1802.

Anfangs Januar wurde bte Köin-Gieße- ner Bahn ohne besondere Feierlichkeit eröff­net, nachdem sie sehr rasch gebaut worden und kaum notdürftig vollendet war. Namentlich an den Bahnhöfen war alles ein noch erster Notbehelf. Bei ihrer Erbauung in den Jah­ren 1860 und 1861 herrschte auf dem hiesi­gen Bauplatz ein reges und rühriges Leben und eine große Tätigkeit, an der man sah, daß die Leute gut bezahlt wurden. Fleißige Arbeiter verdienten den Tag einen Taler. Bauunternehmer aus Holstein und Schlesien waren mit vielen eingeübten Leuten hierher gekommen. In Hunderten von zweirädrigen Ziehkarren wurde die ausgehobene Erde von je zwei Mann 'wie im Galopp über die ge­legten Schienen davongesahren und in kur­zer Zeit eine vollständige Umwandlung des Platzes geschaffen. Eine Brücke, die vom Weg aus der sogmannten Hollergasse über die Main Weser-Bahn nach dem Gelände zwi­schen der Bahn und der Lahn führte, wurde abgebrochen, eine große Ebene für das Schie­nengeleise und für die Bahnhofsgebäude ge­schaffen, Vertiefungen wurden ausgefüllt und Berge aufgetragen, so daß ein alter Gießener, wenn ct aus dem Grabe erstünde, sich gewiß nicht zurechtfinden würde. Mit der Eröff­nung der Bahn sielen die Steinkohlen plötz­lich von 48 Kreuzern für den Zmtner auf 36 und weniger Kreuzer, und es wurde nun der Steinkohlenbrand in vielen Häusern einge­führt.

Am 1. Februar trat eine bedeutende Ver­besserung mit den Landpostboten ein, indem sie nun nicht mehr als Kteisbotm in der, Woche zweimal die Dörfer aufsuchten, son­dern als eigentliche Postboten auf manche Dörfer täglich, auf andere wenigstms drei­mal in der Woche gingen.

Nach der Vollmdung der KölnGießener Bahn wurde die Fortsetzung derselben von