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und zog auch den kriegerischen Grafen Jo­hann von Nassau-Tillenburg in sein Inter­esse. Dieser wurde zum Oberbefehlshaber er­nannt. Das Heer dieser Verbündeten ver­sammelte sich bei Aßlar, und der Zug der­selben sollte Gießen gelten. Landgraf Hein­rich rückte mit seinem Heer von Gießen in die Gegend von Wetzlar. In der Ebene zwi­schen Wetzlar und Hermannstein trafen beide Heere in der Gegend des sogenannten Linsen- berges zusammen, in derselben Gegend, in welcher 1796 die Oesterreicher unter Erz­herzog Karl über die Franzosen einen glor­reichen Sieg erfochten. Es kam zu einem höchst erbitterten Kampfe. Der Verlust der Hessen war der größere, der Tod ihres krie­gerischen Anführers, des Grafen Johann von Nassau, WM für die andere Partei der emp­findlichere. Die Hessische Reimchronik ent­hält über dieses Treffen folgendes:

Bey Wetzlar war ein großer Streit, Tarinn blieb tobt auf zu bey der Seit Manch Ritter gut und Graf Johann, Gefangen ward mancher Edelmann,

Ter größte Schade aber zwar Dem Landgrafen von Hessen war.

Ter Schade, meint so gestehn Zweymal hundert tausend Floren (Gulden). In dieser für jene Zeiten ungeheuren Summe ist auch das Lösegeld Inbegriffen, mit welchem sich die Gefangenen lösen muß­ten. Ter Erzbischof Matthias überlebte die Botschaft des Sieges, welche man ihm über­brachte, nur kurze Zeit, er starb den 2(1 August 1328. Sein Nachfolger Erzbischof Balduin von Trier, der die Verwaltung des Erzbistums erhielt, hatte keinen persönlichen Haß gegen den Fürsten von Hessen und zeigte ebensowenig Verlangen, den Streit fortzu­sehen. Man kam überein, Botschafter von den streitenden Parteien nach Manzenberg zu senden. Hier wurden die Streitigkeiten vertragen, der erlittene Schaden verglichen, und Hessen gelangte zum ungestörten Besitz der Mainzischcn Lehensstücke.

So weit der Verfasser des oben näher bezeichneten Aussatzes. Seine Schilderung des damaligen Umsangs der Stadt Gießen ist nicht ohne nähere Erklärung verständlich. Es war ein sehr mg begrenzter Raum, auf welchen: sich im 14. Jahrhundert die Stadt erhob. Professor Tr. Karl Ebel sagt hier­über in seiner SchriftGeschichte der Stadt Gießen" (Wegweiser durch die Universitäts­stadt Gießen.und ihre Umgebung, Verlag Emil Roth):Dieses Tor (das Waldtor, nicht Walltor, wie man heute sagt), lag am Eingang znm Lindenplatz, etwa in der Nähe des Gasthauses zum Einhorn oder des Lin­denhofs. Ihm entsprach im Süden das Sel- tcrstor, vermutlich an der Mündung der Rittergasse in die Mäusburg gelegm. Tie Ausdehnung von Westen Osten begren­zen die Häuser hinter der Kirche und die Mfündung der Schloßgasse in den Brand. Um diese vier Punkte zog die Stadtmauer,

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deren Richtung heute noch durch dm Lauf des Stadtgrabens annähernd gekennzeichnet wird. Das sogenannte alte Schloß am Brand lag außerhalb dieser Anlage, ein Beweis, daß es jünger ist als sie. Später wurde es in den Bereich der Stadtbefestigung einbe­zogen." Tie Stadtpforte stand da, _ wo Marktstraße unv Neustadl zujammentreffen, sie wurde erst 1837 abgebrochen.

Interessant ist in dem von uns wieder­gegebenen ArUkel die Erklärung des Na­mensMäusburg". Diese Straße war mit­hin so wenig eine Burg, in der die Mäuse unbestritten ihr Quartier aufgcschlagen hat­ten, wie der Mäuseturm bei Bingen trotz der Sage vom Bischof H>atto von Mainz mit dem lästigen Ungeziefer etwas zu tun hatte. Be­kanntlich rührt dieser Name daher, daß der alte, mitten im Rheinstronr aufragende Turm der Mautturm, d. h. der Zollturm, war, an dem die Rheinschiffer den Zoll ent­richten mußten.

psychologische Mhigkeitsprüsung".

Ein bekanntes Schlagwort unserer Tage ist das WortFreie Bahn für alle Tüchti­gen". Der frühere Reichskanzler v. Beth- mann Hollweg, von dem dieses Wort stammt, mag mit ihm einen guten Gedanken verbun­den haben, aber !vie es mit allen Worteni geht, die zu Schlagworten werden, so wird auch mit diesem jetzt großer Mißbrauch ge­trieben. Viele Mmschen verstehen dieses Wort in dem Sinne, daß man unter den Schulkindern durch besondere Prüfungen die aussuchen solle, die höheren Schulen zr.zu- führen seien. Sicher denkt man auch daran, daß dieseauserwählte Schar" besondere Vergünstigungen genießen solle, während die Kinder, die die Prüfung nicht bestehen, aller­hand Hemmungen in ihrem Lernen unter­worfen sein sollen. Als ob der Tüchtige sich im Leben nicht selbst die freie Bahn schaffen werde und als ob man durch Prüfungen, die im zarten Kindesalter angestellt werden, fest­stellen könne, ob ein Mensch im späteren Le­ben brauchbar oder unbrauchbar sein werde! Sehr vielen hervorragenden Männern, denen Deutschland viel verdankt, wäre, wenn man schon früher diese Methode der Intelligenz- Prüfung angewandt hätte, nie die Möglich­keit geboten ivvrden, ihre geistigen Fähig­keiten auszubilden. Manches frühreife Wun­derkind, das im Kreise der Tanten große Sensation erregt, versagt im späteren Leben vollständig, und solche, die mau, wenn ste zehn Jahre alt sind, für dmntn ansreht, ra­gen später durch geistige Energie hervor, ^n Berlin hat man bereits eineBegabten- schule" begründet. Was von solchen schulen und der Art, wie man für sie die Schüler auswählt, zu halten ist, hat Pfarrer II theol. Emil Fuchs in Eisenach (früher rn Ruffels- Heim) in meinem geistvollen Artikel, der in der ZeitschriftTie Tat" (früherKunstwart") erschienen ist, scharf und klar herausgestellt.