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Fuchs schreibt:Meine kleine Freundin ist mit ihren zehn Jahren eine der besten Schülerinnen ihrer Klasse. Rasch und zn- verlässig lernt sie. Wenn aber im Leben et­was Großes geschieht, wenn eine Freundin wegzieht und Abschied nimmt, eine liebe Leh­rerin wechselt, eine Verwandte zu Besuch kommt, dann hat ihr Gemüt so viel zu ar­beiten, daß alle ihre Teilnahme von der Schularbeit wegsliegt, ja daß auch ihre Ner­ven bis zu völliger Unfähigkeit geistiger Sammlung versagen. Sa kann es auch ge­hen. wenn ein Buch ihre Einbildungskraft erregt und fesselt. Was ist da alles zu er­forschen und in inneren Bildern zu schauen von den Vorgängen, die dort erzählt werden! So schreibt man denn eine glatte 5 im Fran­zösischen, und das Rechnen, das man sonst sd gut kann, geht gar nicht mehr. . . Tie Berliner Begabtenschule stellt die psycholo- lgische Fähigkeitsprüfung in ihren Dienst. Mit ihrer Hilfe wählt sie die aus, die als wirklich Begabte in Betracht kommen... Es wird die Konzentrationsfähigkeit geprüft, in­dem gleichzeitig gerechnet und eine Geschichte erzählt wird. Sehr richtig. Mer sind das die wertvollsten M enschen, die mit 15 Jahren schon die Fähigkeit haben, sich so wenig von der erzählten Geschichte innerlich beherrschen zu lassen, daß sie gleichzeitig dabei rechnen können? .. Und sind die Kinder, die bei einer solchen Prüfung gut abschneiden, auch jene Zarten und- Feinen, die allem Neuen und Neuerlebten mit dem Erstaunen ünd der Ehr­furcht gegenüberstehen, die allein ein eigenes und ein tiefes Verhältnis z!n ihnen verheißt? Ach nein. Es sind die Schnellfertigen und Kecken. Tie Tiefen und Eigenwüchsigen sind mit 13 Jahren noch in der Dumpfheit und Unbehilflichkeit linneren Ringens und der Scheu vor dem noch nicht Durchschauten dar­in, und sie werden einer solchen Prüfung erliegen."

Man treibt in unseren Tagen Bevölke­rungspolitik, d. h., man will dafür sorgen, daß die deutschen Familien möglichst viele Kinder aufziehen und zu tüchtigen Menschen erziehen, die später dem Volkstum nützlich sind. Es ist Ku fürchten, daß alle diese Be­strebungen nicht den geringsten Erfolg ha­ben werden; denn in unseren Tagen wird von Menschen, die sich ihrer Verantwortung nicht bewußt sind, so viel in die Wege gelei­tet, das die Eltern in der Erziehung ihrer Kinder beschränkt, hemmt und mit Unnützen Sorgen belastet. Viele Ehegatten werden denken: wenn über die Zukunft unseres Kin­des in seiner frühen Jugend durch fremde, gleichgültige Menschen, durch eine sogenannte psychologische Fähigkeitsprüfung" entschie­den werden soll, so wollen wir lieber keine Kinder haben. Nur Leute, die keine Kinder haben, können übrigens solche Vorschläge machen. Laßt den Eltern und den Kindern,

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wie es in den Jahren war, da Deutschland groß geworden ist, ihre Freiheit, und ihr wterdet ein tüchtiges, wehrhaftes Geschlecht heranziehen! H. B.

Meine Mitteilungen.

Es ist -ein feststehender Grundsatz des Gustav-Adolf-Vereins, allen Evangelischen der verschiedensten Staaten- und Volksge­meinschaften seine fördersame Unterstützung zuteil werden zu lassen. Was das bedeutet, beweist allein die Tatsache, daß vom Grün­dungsjahre 1832 bis Ende 1916 von dem Verein nicht weniger als 64 Millionen Mark für evangelische Unterstützungszwecke ausge­geben worden sind. Davon sind fast 25 Mill. Mark für nicht reichsdeutsche Staaten ver­wandt worden . Dieser ausländischen Tätig­keit hat der Krieg so große Hindernisse be­reitet, daß sie fast nur noch auf -Oesterreich, Belgien und einige Gebiete des früheren Rußlands beschränkt ist. Nach einer neueren Zusammenstellung hat der Gustav-Adolf- Verein im Jahre 1916 für die evangelischen Gemeinden in Deutschland 720 713 Mk., für Oesterreich-Ungarn 477 290 Mk.. und für sonstige 86 auslärrdische Gemeinden 223 560 Mark verausgabt. Tie reichsdeutsche und fremde Unterstützungssumme ist also ziemlich igleich hoch gewesen. An der letzteren haben die besetzten Gebiete in Belgien und den bal­tischen Provinzen den größten Anteil gehabt.

In Leipzig starb 75jährig der bekannte Glockengießer Adolf Janck. Er war ein Meister seiner Kunst, der noch bis kurz vor seinem Tode manches gewichtige Wort bei den Glockenbeschlagnahmekommissionen mit­zureden hatte und mit Erfolg bemüht war, besonders wertvollle Glocken der Nachwelt zu erhalten.

kirchliche Anzeigen.

Sonntag den 4. August (10. nach Trinitatis). Kollekte zum Besten des hessischen Landes­vereins vom Roten Kreuz. Gottesdienst.

In der tztadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier- ten aus der Matthäus gemeinde. Pfarrer Mahr. Vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Schwabe. Beichte und Feier des heiligen Abendmahls für Matthäus- und Markus­gemeinde. Anmeldungen werden vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Kinderkirche fällt aus.

3n der Zohannerkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier­ten aus der Lukasgemeinde. Pfarrer Bech- tolsheimer. Vormittags 9*4 Uhr: Pfarr- assistent Liz. Reuning. Kinderkirche fällt aus. Abends 8 Uhr: Bibelbesprechung im Johannessaal. Mittwoch den 7. August, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Ausfeld.

D-rantwortUch : Pfarrer Dechtolrhe im er. Druck und Verlag der Brühl'lchen Univ-rfitLt-.Vuch. und Steindruckerei

N. Lange, Gießen.