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deutsch redet oder schreibt, so beugt man sich vor ihm in Ehrfurcht, in der Schweiz spricht inan allgemein das Schwyzer Dütsch, das sind gewissermaßen die salonfähigen deut­schen Mundarten, soll man daneben nicht auch das oberhessische Deutsch gelten lassen? Engel hatte auch Feinde und Neider, nament­lich solche, die es ihm verargten, daß er ein so volkstümlicher Mann war, die haben ihm auch gern am Zeug geflickt, ja das geschieht noch bis auf diesen Tag. Daß er zu einem Raubmörder, der sich weigerte, sich hinrichten zu lassen, gesagt habe:Heß, laß dich köppe" ist ein Wirtshauswitz, der auch von Karl Vogt weitergetragen worden ist, und zwar in seinen Lebenserinnernngen, die, was die Gie- ßener Zustände und Personen betrifft, so glaubwürdig sind wie das, was Friedrich Christian Henrich Laukhard 100 Jahre frü­her in Gießen erlebt haben will. Um über Engel ein objektives und zutreffendes Ur­teil zu bekommen, hat sich der Herausgeber desSonntagsgrußes" an einen in unserer Mitte lebenden Hern: gewandt, der den alten Gießener Pfarrer noch gut gekannt hat. Es ist Herr Heinrich Hochstätter sen,, der als Knabe und junger Mann nur einige Häuser weit von Engel gewohnt, oft mit ihm ge­sprochen hat und von ihm konfirmiert wor­den ist, Herr Hochstätter, der nun 79 Jahre alt ist, teilt uns folgendes mit:

Unter den Geistlichen, die bisher als Seelsorger in unserer Stadt gewirkt haben, ist Engel unbestreitbar einer der volkstüm­lichsten gewesen, und die vielen wahren und erfundenen Geschichten und Anekdoten, die man sich heute noch von ihm erzählt, sind, Wenn sie auch zum Teil irreführend' sind, doch ein Beweis, daß wir in ihm eine un­gewöhnlich kraftvolle und selbstsichere Per­sönlichkeit zu suchen haben.

Nicht glänzende Eigenschaften als Kanzel - redner waren es, die ihm die Herzen zu­führten, sondern das Ansehen und die Be­liebtheit, die ihm zuteil wurden, muß mehr seinem menschenfreundlichen Wirken im all­gemeinen zu geschrieben werden.

Wie mir mein Großonkel, ein Alters­genosse und Mitschüler von Engel, einst er­zählte, so entstammte er einer einfachen Gießener Bürgersfamilie; sein Vater war Schneidermeister, Schon in der Schule zeigte sich bei ihm eine außergewöhnliche Bega­bung, die ihm später den Eintritt zum Pä­dagogium erschloß. Dort überflügelte er sehr bald alle seine Mitschüler und mit halb­jährlichen Versetzungen gelang es ihm, schon in seinem 16. Lebensjahr das Reifezeugnis für die Universität zu erhalten,

Wohl aus Anhänglichkeit an seine Vater­stadt, in der er ausgewachsen war, und die er nur ungern verlassen mochte, bewarb er sich schon frühzeitig um eine dort freigewor­dene Anstellung als Hilfsgeistlicher, die er auch erhielt und von der er dann später bis zum ersten Stadtgeistlichen aufrückte. Wäh­

rend seiner langen, fast zwei Menschenalter überdauernden Amtstätigkeit lernte er alle seine Pfarrkinder, ihre guten und schlechten Eigenschaften und alle Familicnverhältnisse genügend kennen, um seine Behandlungs­weise darnach einzurichten. Dies mag nicht nur das Gefühl der Zusammengehörigkeit mit seiner Gemeinde befestigt, sondern ihm auch gleichzeitig die Ausübung seiner Pflichten als Seelsorger wesentlich erleichtert haben, En­gel führte kein strenges Kirchenregiment, doch lag es ihm sehr am Herzen, den Sinn für Gottesfurcht und Sittlichkeit in seiner Ge­meinde zu wecken und zu wahren.

Wie schon bemerkt, so war Engel durch­aus kein hervorragender Kanzelredner: seine Predigten mögen wohl sehr gut durchdacht Und ousgearbeitet gewesen sein, allein sie konnten nicht fesseln ttnb 1 nicht zu einer tie­feren Andacht führen. Er sprach zu salbungsvoll und' mit einer ihm ganz eigen­tümlichen Betonung und Velautung der Worte, Den Doppellauteu" sprach er stets wieei", dast" wied" aus, betonte die Endsilben zu stark: die AnredeMeine deie- ren Freinde" 'wurde von ihm viel mehr an­gewandt, als es nötig war. Dies wirkte mit­unter recht störend, und man mußte sich erst daran gewöhnen. Wie Engel zu diesen üblen Angewohnheiten gekommen ist, ist unerfind­lich geblieben. Mit der Gießener Mundart hatten sie nichts gemein, einem sonst bekann­ten Dialekt schlossen sie sich ebensowenig an. Im gewöhnlichen Verkehr dagegen sprach Engel ganz ungezwungen und genau so, wie die Gießener heute noch sprechen. Der Alt- gießener Dialekt war ihm wohl noch aus seiner Jugend von der Straße her bekannt, doch hat er ihn niemals bei Amtshandlun­gen angewandt, sondern nur in traulichen Gesprächen, wenn er einen besonderen Ein­druck damit erzielen wollte,

Einladungen zu christlichen Familien­feiern nahm er ganz gern an und zeigte sich dabei stets als einen munteren und lie­benswürdigen Gesellschafter, Durch seine Unterhaltungsgabe, durch kurze humorvolle und geistreiche Ansprachen, durch das Er­höhten interessanter Geschichten und durch schlagfertige Bemerkungen wußte er eine ganze Gesellschaft auszuheitern und nahm dann an der allgemeinen Fröhlichkeit gerne teil doch ohne seiner geistlichen Würde das geringste zu vergeben, Tie meisten Witze und Anekdoten, die man ihm nacherzählt, sind als unwahr und' 'erfunden zurückzuweisen,

Ten Konfirmandenunterricht erteilte er mit großem Ernst, und gegen Schüler, die sich etwas zuschulden kommen ließen, übte er eine durchgreifende Strenge, Und' wenn er denn diese mit seiner Donnerstimme zurecht- wies, wurde es in dem großen Schulraum mäuschenstille, und niemand wagte sich zu mucksen.

Das häusliche Leben war bei Engel höchst einfach und bürgerlich, und mit seiner Amts-