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gerichtsadvokat aus Gießen, der sich nebenbei für Bergbau sehr interessierte, hier aber wohl mehr als kapitalistische Kraft der Gesellschaft beigetreten war. In der neueren Zeit würde man die Sache ganz anders angefaßt haben. Mit der Gründung einer Aktiengesellschaft wären die nötigen Betriebsmittel für ein so aussichtsvolles Unternehmen leicht beschafft worden, und ein tüchtiger und erfahrener Fachmann, dem man die technische und kaufmännische Leitung des ganzen Betriebs hätte anvertrauen können, hätte sich! Wohl auch gesunden.
Wenn jedoch eine Gründung aus schwachen Füßen steht, wenn sie immerfort neue Opfer verlangt, und wenn trotzdem der erwartete Gewinn ausbleibt, dann entsteht Unzufriedenheit, diese führt zu Zwistigkeiten und endigt in der Regel mit einem Prozeß. So mag es auch hier der Fall gewesen sein; denn ein Prozeß wurde anhängig gemacht, der nach dem alten, schleppenden Verfahren und bei der Hartnäckigkeit der Gegner erst nach dreißig Jahren sein Ende erreichte, obwohl der Engländer Fernie, dem unerschöpfliche Mittel und eine große Geschäftserfahrung zur Seite standen, das Bergwerk inzwischen übernommen hatte. Man erzählte sich später, daß zur Fortschaffung der Akten dieses Prozesses von: alten tzofgericht nach dem. ncuerrichteten Gerichtsgebäude an der Ostanlage ein völlbeladener zweispänniger Letterwagen erforderlich gewesen sei. Neuerdings im Besitz der Firma Krupp, befindet sich das Bergwerk Wohl in den besten Händen.
Ter Diener Seipp, durch dessen Zutun der Fund gemacht worden war, war nicht wenig stolz auf seine Mithilfe, er hielt sich so für ausersehen Und berufen zu weiteren wichtigen Entdeckungen. Sein Augenmerk richtete er vornehmlich darauf, die Mineralien des Heimatbodens für industrielle Zwecke nutzbar zu machen. Ter weiße Sand aus den Wiesecker Gruben, die Kreide aus der Garbenteicher Gemarkung, der Ton aus den Kauten an der Lindener Mark sollten unter Beimischung von anderen Produktes hauptsächlich für Glashütten, Steingutwerke Und Töpfereien brauchbar gemacht werden. Und alle möglichen Versuche wurden darüber angestellt. Seipp hatte sich nämlich in seiner Eigenschaft als Jnstitutsdiener alle ihn: zugänglichen Kenntnisse zu verschaffen gesucht, die er hierfür anzuwenden gedachte. Ob er jemals einen Erfolg errungen hat, ist nicht bekannt geworden. Aus seinen zuversichtlichen Erwartungen Und Hoffnungen machte er kein Hehl, nnd fand er einen willigen Zuhörer, so ließ er ihn nicht eher los, als bis er ihm alles vorgetragen hatte und mit seinem Privattssimum zu Ende war. Manchem alten Gießener wird die originelle Persönlichkeit des „Bergrats Seipp" von Leihgestern, wie er allgemein genannt wurde, noch in freundlicher Erinnerung stehen.
H. H—r.
Die evangelische Mche und die Ninderpflege.
Was die evangelische Kirche an den Kindern tut, weist eine Zusammenstellung nach, die der Vorsitzende der Konferenz für christliche Kinderpflege, Pfarrer Alberts in Halberstadt, ans Grund einer Umfrage vom November v. Js. ausgearbeitet hat. Danach stehen von den Schwestern und Kleinkinderlehrerinnen des Kaiserswerther Verbandes deutscher Tiakonissemnutterhäuser zurzeit 3743 in 3093 Pflegestätten im Dienst von 204 855 Kindern. Im einzelnen verteilen sich diese Zahlen folgendermaßen: In 198 Krippen arbeiten 334 Schwestern an 6538 Kindern; in den 49 Säuglingsfürsorgestellen haben 77 Schwestern 2768 Kinder gesammelt. Tie Hauptarbeit luirb an den Knaben und Maschen des vorschulpslichtigen Alters (3 bis 6 Fahren) geleistet. In 2295 Kinderpflegen (auch Kleinkinder- oder Warteschulen genannt) scharen sich! täglich 164 763 Kinder um 2866 Schwestern! Dazu kommen 5 Kindergärten mit 6 Schwestern und 239 Kindern und 49 Bewahranstalten mit 90 Schwestern und 4002 Kindern. 89 Kinderheime zählen 197 Schwestern und 4481 Kinder. In 117 Kinderhorten werden von l30 Schwestern 6991 Kinder des schulpflichtigen Alters während der schulfreien Zeit beaufsichtigt und unterwiesen. In 260 Näh- und Strickschulen erziehen und beschäftigen 209 Schwestern 13 923 Mädchen, Endlich! haben 134 Schwestern 31 Heimaten ausgetan für 1150 Kinder, die .sonst heimatlos wären. Wieviel Kindernot offenbaren dixs.e Zahlen, aber auch wieviel liebevolle Hilfe! Zweifel - los geschieht, ganz abgesehen vom Kinder- gottesdicnst, zum Wohl der Kinder noch! viel mehr in der evangelischen Kirche. Wer darüber waren jetzt in der Kriegszeit keine bestimmten Zahlen zu erhalten. Jene Zusammenstellung zeigt, daß die Diakonissen- mUtterhäuser mit ihren vortrefflichen Aus- bildungsstätten die HaUPtttäger der Arbeit sind. In Norddeutschland stehen voran Bethel bei Bielefeld mit 16 000, das Cäcilien- sttft in Halberstadt mit 11 244, Witten an der Ruhr mit 7800, Kaiserswerth a. Rh. mit 5186, Frankenstein i. Schl, mit 4370,. Kö- Uigsberg i. Pr. mit 4113, Breslau-Lehm- graben mit 3691, Kreuznach mit 3410, No- wawes bei Potsdam mit 3120 Kindern; in Süddeutschland Gr.-Heppach in Württemberg mit 26 100, Nonnenweier i. Baden mit 22 750, Karlsruhe mit 11420, Neuendet- telsau in Bayern mit 7141 und Darmstadt mit 4462 Kindern. Der Krieg stellt seine Forderungen gebieterisch. Wie vor hundert; Jahren die Krankenpflege die vornehmste vaterländische und kirchliche Pflicht wurde, so ist es jetzt die Kinderpflege. Jedoch alle Mutterhäuser klagen über Schwestcrnman- gel! Die Pflicht, sich der aufsichtslosen Kinder zu erbarmen, wächst, je länger der Krieg


