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Laooratoriums zu besitzen, und aus Emp­fehlung Lrebigs wurde Hofmann zu ihrem Leiter erwählt. Hier fand er die Stellung, üt derer seine ersten großen und beispiel­losen Erfolge als Forscher und Lehrer er­zielen sollte. In dem mit den reichsten Mit­teln ganz nach seinen Wünschen eingerichj- teten Laboratorium erschienen seine ersten Aufsehen erregenden Arbeiten und Unter­suchungen, hier wirkte er als glänzender Red­ner, geschickter Experimentator und hervor­ragender Lehrer, so daß sich auch um ihn wie um Lrebig hier in Gießen eine große Schar von Schülern aus der ganzen Welt sammelte. Bald war Hosmann einer der be­deutendste!: Forscher und Gelehrten und einer der angesehensten, mit Titeln und Ehrungen _ überhäuften Männer Englands, wozu die in Bonn angeknüpften Beziehun­gen zum englischen Königshaus nicht wenig beitrugen. Tie überaus angesehene und glänzende Stellung gewährte ihm aber trotz allem keine rechte Befriedigung. Aus seinen Briefen lener Zeit geht hervor, wie sehr er, ber aller Anerkennung dessen, was ihm fein Aufenthalt und seine Stellung in London bietet, bedauert, daß er seine Kräfte nicht seinem Vaterland widmen kann. Immer stär- ter ward der Wunsch, wieder nach Deutsch­land zurückzukehren, und als sich ihm im ^ahrc 1865 die Gelegenheit bietet, als Pro­fessor der Chemie nach Berlin zu kommen, greift er mit Freuden zu. Hier fand er recht bescheidene Verhältnisse vor. Berlin n>ar da­mals in vielen Beziehungen recht rückstän­dig Ein Laboratorium im modernen Lie- bigschen Sinne bestand dort noch nicht, und ! die ganze Einrichtung des chemischen Untcr- richts ließ viel zu wünschen übrig. Hpfmann stand hier einer ähnlichen Aufgabe gegen­über wie zwanzig Jahre vorher in London, ünd nahm sich ihrer, gestützt auf die dort ge-[ machten Erfahrungen, mit Feuereifer an. Er : richtete ein großzügiges, neues Laboratorium ern, in dem bald eine Reihe neuer For-! schlingen und Untersuchungen zu bedeutungs-! vollen Ergebnissen führte. Daneben ent-> faltete er durch seine überaus stark besuch­ten Vorlesungen und die Anleitung zu eigc- ! neu wissenschaftlichen Forschungen und Un­tersuchungen eine hervorragende Lehrtätig-" kert Eine große Zahl von Schülern aus Deutschland und bald auch aus dem Aus­land, die später selbst zu führenden Stel- | tungen m- der chemischen Wissenschaft und Industrie aufgestregen sind, empfingen hier : Ufre ersten Unterweisungen oder wertvolle- Anregungen und Anleitungen für ihr svä- i teres Wirken. Wie in London, so fehlten, auch hier, dank den engen, verwandtschaft­lichen Beziehungen zwischen dem preußischen lund dem englischen Königshause, die Be- Mehungen zum Hofe nicht, namentlich die Kaiserin Friedrich hat ihnr dauernd ihre Freundschaft bewahrt und bewiesen. Reiche Ehrungen wurden ihm von allen Seiten zu-

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teil, die in der glänzenden Feier seines sieb­zigsten Geburtstages im Jahre 1888 ihren Höhepunkt erreichten. Tie Verleihung des erblichen Adels bewies, daß man nicht nur fmn Wirken in der chemischen Wissenschaft zu würdigen verstand, sondern auch die großen Verdienste anerkannte, die er sich um die Hebung des Ansehens deutschen Geistes und deutscher Wissenschaft in der Welt er­worben hatte. Hochangcsehen und von seinen Schülern und allen, die ihm nahestanden betrauert, ist er am 5. Mai 1892 in Berlin gestorben.

Hosmanns hervorragende Bedeutung liegt auf rein wissenschaftlichem Gebiet, und ferne Lebensarbeit galt vornehmlich der Er­forschung der zahlreichen im Steinkohlen- tcer enthaltenen oder daraus herstellbaren Stoffe, wie Ammoniak (Salmiakgeist), Ani­lin, Teerölen, Formaldehyd (Formal) u. v. a. ^.aran schlossen sich außerordentlich wich­tige theoretische Folgerungen von allgemei­ner Bedeutung für die chemische Wissenschaft Seine Tätigkeit lag dem allgemeinen Ver­ständnis fern, daher ist sic und sein Name werten Kreisen ziemlich unbekannt geblie­ben. Erst die Folgerungen, die die Praxis aus seinen Forschungen zog, z. B. die Her­stellung der Anilinfarben, haben auch wei­tere Krerse auf ihn aufmerksam gemacht. Tie bkrsprellose Entwicklung der deutschen chemi­schen Industrie, im besonderen die Teersar- bcn- und Steinkohlenindustrie, die un­bestritten die erste der Welt ist und die früher führende englische weit hinter sich gelassen hat, ist nicht zum geringsten die Folge seiner Tätigkeit, die -dafür die sichere theoretische Grundlage schuf. Vor allem stammt ein Ge­danke von ihm, der sich überaus erfolgreich mchl nur für die chemische, sondern in­zwischen auch für alle anderen Industrie­zweige erweisen sollte, der Gedanke der Ver­bindung von Theorie und Praxis in dem innigen Zusammenarbeiten von Wisscn- I mi b , Technik. Tie von ihm im Jahre ; Berlin gegründete Deutsche chemische

Gesellschaft hatte ausgesprochen den Zweck, diesen Gedanken zu verwirklichen, und kann dann auf eine glänzende, erfolgreiche fünf- zrgiährige Tätigkeit zurückblicken

Bis in sein hohes Alter war August Wil­helm von Hofmann unermüdlich tätig. Von stets regem Geilt und mit einer ungewöhn­lichen Arbeitskraft begabt, gönnte er sich als einzige größere Erholung und Ansspannung !nur lährlich eine größere Reise, meist nach Italien und ans Mittelmcer. Im übrigen toar er sehr genügsam und trotz seiner glän­zenden Verhältnisse sehr bescheiden in feinen Ansprüchen. Im Laboratorium und im Lehr­saal erwies er sich als gewandter und ge­schickter Experimentator. Ter Versuch und die dabei beobachteten Erscheinungen bil­deten stets die Grundlage seiner Forschun­gen und die Probe aus die Richtigkeit seiner Schlüsse. Seine Versuchsanordnungen,diebe-