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kannten Hofmann scheu Apparate, und seine scharssinnigen Untersnchuugsverfahrcn waren vorbildlich und werden noch heute vielfach angewendet. Er war bei allem zielbewußten Wollen von überaus liebenswürdigem, freundlichem, humorvollem Wesen und er­warb sich dadurch viele Freunde und die dauernde Verehrung seiner Schüler. Seine glänzende Rednergabe machte ihn auch in weiteren Kreisen beliebt, und sein hervor­ragendes Sprachtalent, das ihm gestattete, die französische, englische und italienische Sprache gleich sicher und formgewandt zu beherrschen wie seine Muttersprache, ver­schaffte, ihm auch im Ausland Ansehen und Einfluß. Er besaß daneben eine ausgezeich­nete schriftstellerische Begabung, die sich in dem knappen, treffenden und klaren Stil seiner wissenschaftlichen Abhandlungen ausspricht und seine Briefe und anderen Veröffent­lichungen zu Meisterwerken in Form und Inhalt macht. Das gilt besonders von seinen drer Bände füllendenErinnerungen an vor­angegangene Freunde", in denen er sich uns als feinfühlender und warm empfindender Mensch und Freund offenbart.

In diesem Werk kommt auch eine Eigen­art seines Wesens zum Ausdruck, die uns Gießener ganz besonders berührt, das ist sein lebhaftes Heimatgefühl und die treue An­hänglichkeit, die er zeitlebens seiner Vater­stadt bewahrt hat. Seine großen Erholungs­reisen von London oder Berlin aus pflegte er stets so einzurichten, daß sie über Gießen führten und er einige Stunden mit seiner von ihm hochverehrten und geliebten Mutter sind später mit lieben Freunden und Ver­wandten zusammen sein konnte. Dabei er­freute ihn stets von neuem die schöne Um­gebung unserer Stadt. Wo er darauf zu sprechen kommt, in seinen Briefen, in seinen Reden, rn denen er gelegentlich Eindrücke aus der Jugendzeit streift, oder in den Er­innerungen an Jugendfreunde aus der Gie­ßener Zeit, gedenkt er seinerlieben Vater­stadt an der Lahn" stets mit großer Liebe und Verehrung. Es ist z. B. geradezu rüh- rend, zu lesen, wie der Mann, der so viel Größeres und Schöneres erlebt und gesehen hat, rn dem Nachruf für seinen Pariser Freund Wurtz den ersten gemeinsamen Spaziergang nach dem Philosophenwald, den sie beide als Schüler Licbigs unternommen hatten, und den schönen Blick auf Gießens Umgebung, den Gleiberg, Vetzberg und Tüns- berg usw. schildert. Dabei zieht er Ver­gleiche zwischen einst und sitzt, die beweisen, daß er diesen Weg später noch manchmal gewandert ist. An der Entwicklung seiner Vaterstadt hat August Wilhelm von Hof- mann stets regen Anteil genommen und das auchdadurchbewiesen, dyß wir ihm das schöne ^.einmal ^rebigs in der Ostanlage zu ver­danken haben. Als Liebig im Jahre 1873 gestorben war, wünschten seine Schüler und Verehrer, ihm ein Denkmal zu setzen. Es

wurden eifrig Beiträge dafür gesammelt und dann entstand die Frage, wo man es errich­ten lolle, in Gießen, wo er seine größten Erfolge erlebt, oder in München, wo er zu­letzt als gefeierter Mann gelebt hatte Eine Abstimmung siel zugunsten Münchens aus. Hpfmann, der als Liebigs bedeutendster Schüler zum Leiter des Ausführungsaus­schusses gewählt worden war, war mit einer kleinen Minderheit für Gießen und wurde überstimmt. Er ließ aber den Mut nicht sinken. In unauffälliger und geschickter Weise wußte er die Ausführung des Denk­mals hinauszuschieben und daneben eifrig weiter zu sammeln, bis der Betrag für zwei Denkmäler ausreichte, eins in München und eins in Gießen. Bei der Enthüllung unsres Liebigdenkmals, das auch bei weitem das schönere ist, hielt unser August Wilhelm von Hofmann die Festrede, aus der seine Freude und sein Stolz über das gelungene Werk und anknüpfend daran die Erinnerungen an ferne liebe Vaterstadt heraus leuchten. Viel­leicht erinnert sich noch einer oder der an­dere, die dieses lesen, des ehrwürdigen Grei­ses, der in jugendlicher Frische damals den gefeierten Mittelpunkt der Festversammlung brldete.

Tie Stadt Gießen ernannte Hofmann an dresem Tage zu ihrem Ehrenbürger, und die Hosmannstraße trägt ihm zu Ehren ihren Namen. Nun wird auch die Gedenktafel am Hettler'schen Hause die Erinnerung an einen der größten und treuesten Söhne unserer Vaterstadt wach erhalten. Dr. F. M.

Sektemmwesen im Lönigreich Sachsen.

Durch die Presse ging dieser Tage eine Dresdner Meldung, wonach in Mittweida eine religiöse Sekte auftritt, die lehrt, daß ein neuer Christus auferstanden sei, und wo­nach eine ihrer Anhängerinncn, eine in Drei­werden wohnende Kriegerfrau Dittrich, die Mutter zweier Kinder, wegen religiösen Wahnsinns einer Heilanstalt habe zugeführt werden müssen. Die Sekte nennt sichDie kleine Herde". Es scheint, daß sie nichts an­deres ist als eine Äblegerin der bekannteren SekteHirte und Herde", die schon seit Jah­ren in Sachsen Verbreitung gefunden hat ünd in Leipzig auch unter anderem Namen Mitglieder zu werben sucht. Sie zählt jetzt un­gefähr 500 Mitglieder und hat in dem Weber Warn in Meerane einen Führer, der nicht davor zurückschreckt, sichheiliger Vater" oderChristus der Heiland" nennen zu lassen. Wie dieAllg. Ev.-Luth. Kirchen- zesiung" hierzu mitteilt, hält sich Hain, der nach seiner Hauptlehre die Böcke von den Schafen scheiden will, in seiner Ethik mög­lichst an die Bibel, fordert von den Gläubi­gen ein Leben der Sittlichkeit, der Gerechtig­keit und der Liebe. Damit ist aber auch alles anerkannt, was sich der Sekte Gutes nach­lagen läßt; in allem anderen treibt sie mit