ein „Lyrisches Album süddeutscher Universitäten" herausgeben Wollte und bekannt gab t „Wir laden alle dichtende Kbaft unter denl Studenten dieser Universitäten ein, sich dem Unternehmen freundschaftlichst -anschließen zu wollen uno- glauben dadurch der Muse ein neues Organ geschaffen zu haben, das gewiß von -allen -aufs herzlichste willkommen geheißen wiro." Es werden sich junge Leute in Menge gefunden haben, die ihre Gedichte elingesandt haben und hinterher oder schon vorher die Druckkosten bezahlen mußten.
Ein Zeitungsinserat hat folgenden Wortlaut: „Bor ohngefähr 3 Wochen wurde vom G!asth-aus zum Einhorn bis au das Wirth Loos'sche Haus in der Marktstraße ein braunseidener, mit Goldperl-en gestickter Geldbeutel mit einigem Geld verloren. Ter redliche Finder wird gebeten, denselben gegen eine Belohnung von 2 preußischen Thalern an oi-e Redaction dieses Blattes abzugeben." Das hier erw-ähnte Wirtshaus w-ar in Gießen sehr bekannt, es wurde auch kurz „'s Loose Höfche" genannt. Diese Wirtschaft w-ar, wie mir ein -alter Gießener mitteilte, da, wo sich heute Marktstraße 8 das Manu- sakturw-avengeschäst von I. Schmucker Nachfolger befindet, sie befand sich im Besitze des Bierbrauers Loos, der durch sein Bier, namentlich durch sein Lagerbier, bekannt w-ar. Die nach- der Marktstraße zu gelegene Gieb-el- seite des Hauses hatte kaum die Breite eines mäßig großen Zimmers, um so ausgedehnter war die Entwicklung nach der Tiefe des Gebäudes. Ein langer Gang führte in das Hwus, rechts von diesem Gange lag das eigentliche Wirtszimmer, ein, wie es der Anlage des H-auses entsprach-, sehr langes Zimmer, genannt der „Riemen", daher man die Wirtschaft -auch wohl „'s Loose Rieme" nannte. Ein einziger, sehr langer Tisch zog sich durch dieses Zimmer hindurch. Ta, wo d-er lauge Gang ausmündete, lag ein kleineres Zimmer, genannt die „Gabel". Rechts davon lag der Hof -oder, wie es hieß, „'s Höfche", woher die Wirtschaft ihren Namen hatte. Hinter dem „Höfche" lag das „Säl- che", die Rückseite des H-auses ging nach dem Burggraben. Im „Riemen" kamen jeden Vormittag die Stammgäste zusammen. Es w-ar nicht immer die beste Gesellschaft, die sich da zusammeufaud, Untüchtige Geschäftsleute und andere Kumpane, die wohl „studiert", -aber kein Examen gemacht hatten, gaben sich hier täglich ein Stelldichein. Mancher Gießener Wirtsh-auswitz ist hier entstanden, insbesondere sollen die Spötter, die sich hier einf-and-en, den größten Teil d-er Witze -erdacht und verbreitet haben, die man dem Kirchenvat Engel nachredete und bis auf den heutigen Tag noch nachredet. Tie bekannte Geschichte vom Raubmörder Heß, dem Engel gesagt haben soll: „Heß, laß dich köp-pe", ist nachweisbar erlogen. In der „Gabel" fanden sich -an dem mit schwarzem Wachstuch- bedeckten Tisch -achtb-are Bürger -ein, das „Höf
che" war die Domäne der Studenten. Namentlich, wenn das Lagerbier ausgeschenkt wurde, war dort kaum ein Platz zu finden. Tie Zeiten, da das „Höfche" florierte, waren ruhige, verhältnismäßig glückliche Zeiten. Die Menschen hatten mehr Zeit zum Wirtshausgehen und Schoppentrinken, als in d-er Gegenwart, die, auch- abgesehen von dem Kriege, an jeden Mann die höchsten Forderungen bezüglich seiner Arbeitskraft stellt. Erfreulicherweise hat das sorglose Kneipenleben der alten Zeit untergehen müssen. Daß rn -einem solchen Leben die Sitten sich nicht lger-ade verfeinerten und daß die Schoppentrinker, die, wie man in Gießen sagte, täglich von 10 bis 12 „in die Schul", d. h. in die Stammkneipe gingen, oft von einem Selbstgefühl erfüllt w-aren, über das man sich heute verwundert, geht aus den Witzeir und Spöttereien hervor, oie „ins Loose Höfche" -ausgeheckt wurden. Kurz vor dem Jahre 1870 ist die Wirtschaft eingegangen. H. B.
vor sechzig Jahren nach Paris.
Erinnerungen eines Gießener Bürgers.
(Schluß.)
Als ich ihn ansah, fuhr der Mann fort: „Ich bin der Essighannes." Und als er meinen Namen hörte, meinte er: „Ihre Eltern habe ich ganz gut gekannt, und wenn ich bei Ihrem Vater Bestellungen zu machen hatte, habe ich Sie oft als kleinen Bub auf dem Hofe spielen gesehen." Wir mußten uns darauf seiner dringenden Einladung fügen und traten in die nächste Weinwirtschaft, w-o wir nach Pariser Sitte einen Stehtrunk einnah- men. Tort -erzählte -er uns, er sei mit seiner ganzen Familie nach Paris gekommen. Seine Söhne und Schwiegersöhne seien bei der Str-aßenreinigung beschäftigt und deren Frauen arbeiteten in Fabrikeir. An jedem Samstag brächten sie dann einen Haufen Geld mit nach Hause. Er und seine Frau führten die Hauswirtschaft und besorgten die Kinder. „Und wenn wir dann genug haben," so schloß er, „dann ziehen wir wieder in unser Heimatdörfch-en, kaufen Uns Acker und Wiesen und betreiben wieder Landwirtschaft. Andere machen -es -auch so-, aber gar viele von unseren Landsleuten, die hier sind, die kommen zu nichts, die können nicht Haushalten iod-er sie vertrinken ihr Geld, führen ein schlechtes Leben und gehen dann elend zugrunde."
Im Sommer 1858 frug mich mein Patron, -ob ich Lust hätte, auf zwei bis orei Monate nach Laon zu gehen. Ein Freund und B-erufsg-enosse habe ihn gebeten, ihm jemand zur Aushilfe zu schicken. In Paris herrschte gerade eine unerträgliche Hitze, die man dem am Himmel stehenden großen Kometen zuschrieb. Teils um dieser zu entgehen, teils -auch um einmal eine andere französische Stadt kennen zu lernen, nahm ich


