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Tort Wogte ritte dichte Menge auf und ab. Ein starkes Aufgeböt von Schutzleuten suchte jede Ansammlung Kn verhindern und forderte die Leute fortwährend zum Weitergehen auf. Ich sah keine Anzeichen, die ans den Aus­bruch -einer Revolution hind-euten, und ließ mich vom Gedränge bis zur Rue Lepeletier schieben, an der sich die Auffahrt zur großen Oper besano. Ta hörte ich, daß der Kaiser nur leicht verletzt sei und noch der Ausfüh­rung beiwohne. Ter geräumige Platz war durch Schutzleute und Militär abgesperrt und wurde durch Fackeln erleuchtet, da die Gas­leitung durch den gewaltigen Luftdruck dep explodierten Bomben geborsten war. Ebenso waren alle Fensterscheiben in den umliegen­den Häusern zertrümmert, das Zinkdach über der Auffahrt war ganz durchlöchert, und die Enden standen wie spitze Eiszapfen in die Höhe.

Während der erste Wagen, in welchem die Kaiserin angefahren war, unbehelligt ge­lassen worden war, hatte der Wagen des! Kaisers zwei Bombenwürfe auszuhalten. Ter Kutscher, die Lakaien -und die Pferde waren tot; der Wagenkasten war aus dem Räderge­stell gehoben, so daß, als der Kaiser mit - seinem Gaste, dem Herzog Ernst von Sach- fen-Koburg ausstrigen wollte, die Türen erst mit Brecheisen geöffnet werden muß^ ten. Außer einigen Verletzungen, die von zer­sprungenen Wagenscheiben herrührten, war den beiden Fürsten nichts passiert, so daß sie der Vorstellung bis znm Schluß beiwohnen konnten. Unterdessen waren die Toten weg- geschafft, den Verwundeten wurden in den- Nächstliegenden Apotheken Verbände angelegt und der Platz war von Wagentrümmern Und toten Pferoen wieder gesäubert.

Als die Fürstlichkeiten die Oper verließen, wurden sie mit unbeschreiblichem Jubel emp­fangen. da die Bevölkerung das Attentat, dem so viele harmlose Menschen znm Opfer gefallen waren, -einmütig als ein scheußliches Verbrechen verdammte.

Wie aus den nachfolgenden Gerichtsver­handlungen, die ich mir mitgebracht habe, hervorging, wollten die Urheber des Anschla­ges, zwei Italiener, ein Graf Orsini und -einer namens Pieri, durch die Ermordung des Kaisers eine Revolution Hervorrufen, um ihre politischen Ziele -alsdann leichter errei­chen zu können. Zudem mag es -auch rin Racheakt gewesen sein. Ter Kaiser soll näm­lich vor seiner Thronbesteigung zu dem Ge- heimbund der Carbonari, dem die beiden an- geh-örten, in Beziehungen gestanden haben, und soll seine Versprechungen, die er diesem gemacht hatte, nicht gehalten, ja sogar ge­gen dessen Bestrebungen im Kirchenstaat Waffengewalt angewandt haben. Tie beiden Hauptschuldigen wurden zum Tode und drei ihrer Mithelfer zu lebenslänglicher Galeeren- str-ase verurteilt. T-as Todesurteil wurde kurz darauf in voller Oeffentlichkeit auf dem

Platze La Roquette vdllstr-eckt. Nach damäli- geni französischen Gesetz wurden Parriziden (Mörder leiblicher Eltern oder des Ober­hauptes -des Staates und der Kirche) vor der Hinrichtung -a-uf der Richtstätte, zu der sie in weißem Büßerhemde mit schwarzen Schlei­fen und barfuß geführt wurden, mit einem Beile die rechte Hand -abgeschlagen. In gleicher Weife wurde kurz vorher rin Priester, der den Erzbischof von Paris beim Segen- sp-end-en -aus Rachsucht ermordet hatte, hin- g-erichtet.

Bon einer interessanten Bekanntschaft, die ich zufällig gemacht habe, möchte ich noch- er­zählen. Ich kam -eines Abends zur Familie W .. z und traf dort einen Herrn aus Gie­ßen, der schon längere Zeit in Südamerika gelebt und -auf der Reise in die Heimat be­griffen war, um in Gießen seine Angehörigen zu besuchen. Er hatte noch einen Amerikaner mitgebracht, den er -auf der Ueberfahrt von Nenyork nach Le Havre kennen gelernt und den -er unserer Fürsorge anempfahl, weil er sich nicht länger in Paris aufhalten und sich nicht weiter um ihn kümmern könne. Bei meinem nächsten Besuche war der Amerikaner -allein da, doch konnte -er sich- an keiner Un­terhaltung beteiligen, die entweder deutsch, oder wenn Frau W.. z zugegen war, fran­zösisch geführt wurde, und er die beiden Sprachen nicht verstand.

Nun hatte bei!uns in Gießen ein Lehrer gewöhnt, der in den Schulen englischen Un­terricht -erteilte. Bei diesem hatte ich- Pri­vatunterricht gehabt, iund auch- an den in seinem Familienkreise eingeführten -englischen Leseabenden trilgenommen. Dabei hatte ich so viel geliernt, d- ich mich mit dem Ameri­kaner ganz gut v-erständigen konnte. Tiefer war darüber sehr -erfreutund bat mich, ihm bodt öfter Gesellschaft zu leisten. Diesem Wunsche bin ich denn auch-, soweit es nieine freie Zeit -erlaubte, nach-gekommen. Nach Geschäftsschluß und -an Sonntagen waren wir sehr oft zusammen. Ich- diente ihm als Führer durch Paris !und als Dolmetscher und tat -es gern; denn durch den Umgang mit ihm fand ich manche gute Anregung, und meine englischen Sp-r-achkenntnisse konnte ich wesentlich. erweitern. Doch fiel es mir auf, daß -er sich -ohne jede Beschäftigung Und ohne -einen -ausgesprochenen Zweck so lange in Paris aufhielt. Da -erhielt ich eines Tages -ein Briefchen, in dem er mich bat, ich möge doch zu -einer bestimmten Stunde -an den Westb-ahnhof kommen; er müsse plötzlich ab- rrisen und möchte gern noch persönlich. Ab­schied- von mir nehmen. Ich traf ihn in Be­gleitung zweier Herren, die sich- darauf etwas zurückhielten, so d- wir uns ungestört un­terhalten konnten. Da sagte-er mir, er sei rin Blutsverwandter von Lo-uis Napoleon und sei im Auftrag seiner Familie nach Paris gekommen, um gerechte Ansprüche für diese geltend- zu machen. Sein Auftrag sei jedoch