Heute noch oer Schrecken aller Redakteure smch wurden veröffentlicht. Im nachfolgenden geben wtr einiges wieder, das sich in den Jahrgängen 1794, 1817 und 1842 fandet.
1794.
Am, 14. Mai gab die „Fürstl. Hess. Po- lMr^Trvektron^ zu Gießen folgende Nach- 2$damaligen Charakter der Staat schließen läßt: „Nachdeme abermalen durch dre Schweine, welche des Wends nach- der Zuruckkunft der Heerde nicht gleich in den Stall gethan werden, in den Hintergarten hiesiger Stadt und auf dem Wall Schaden geschiehet, auch der Paradeplatz verunstaltet wird, so wird hierdurch jedermann 9 >bivarnt, daß er seine Schweine sogleich nach Zuruckkunft der Heerde in den Stall bringe, gegenfalls aber wo Schweine in den Hintergarten, auf dem Wall oder auf dem Paradeplatz erne Viertelstunde nach der Zurückkunft der Heerde angetroffen werden, der Eigen- chnwer von jedem Stück in einem Gulden Strafe genommen werde."
Daß es schon in der alten Zeit böse Bu-! den gab, dre ihren Eltern Sorge machten, offenbart folgende, kurz mit „Krach" unter-, Mrchnete Warnung: „Meinem jüngsten Sohn Ernst Christian, einem Knaben von 14 Jah- ven, fallen so viele unüberlegte Jugendfehler baß ttur für dessen Ausartung und üblen Folgen bange wird. Ich bin daher genothrget. Jedermann zu warnen, sich mit demselben rn ein Negoz auf irgend eine Werse ernzulassen, indeme ich mich- hiermit
a ^, em!aIe und öffentlich für unver brndlrchl erkläre."
„ An Gießener Gasthäusern werden in die- sem ^ahrgange erwähnt: Einhorn, Goldener Hrrsch (Beicher Johann Baptist Müller), Ad-
Zu den drei schwedischen Kronm (Be- Uer Johann Henrich Müller) und Post. Tie Bevölkerung von Gießen wird auf 5720, die von Grvßen-Linoen auf 614 angegeben.
Die katholische Gemeinde war damals ini Entstehen begriffen. Am 14. September 1794 hrelt der katholische Geistliche Labroise seine Antrrttspredrgt, nachdem er vorher „auf den: Fürstlichen Consistorio vorgestellt und verbuchtet worden wlar. Daß der katholische Pfarrer von erner evangelischen Kirchenbe- hord>e verpflichtet wurde, war eigenartig In fernen Freistunden betätigte er sich mit dem Erteilen von Zeichenunterricht, wozu ihm wre es >n der Zeitung heißt, die Universität dre Erlaubnis gegeben hatte. Seine Wirksamkeit scheint nicht von langer Tauer gewesen zu sein; denn am 14. September 1795 wird gemeldet, daß der Kanonikus Schlosser ''der von Hier abzieht", auf dem Kolleg la- thollscheu Gottesdienst halte.
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Professor und Superintendent Bechtold, der seitherige Rektor, habe eine lateinische Rede gehalten, rn der er einige Angriffe Kants auf dre Religion widerlegt habe. Hoffentlich E, diese Widerlegung dem Königsberger Philosophen kerne schlaflosen Nächte gebracht Mit der Universität war es übrigens damals k^-kummerlich bestellt, die Theologische Fa- kultat zahlte 3, die Juristische 4, die Medi- zimsche 3 und bk Philosophische Fakultät 9 ordentliche Professoren.
1817.
In früheren Zeiten wurden in Stadt und Land weit mehr Märkte abgehalten als in der Gegenwart, in der sich der Handel auf andere Werse vollzieht. Tie Frucht-, Bieh- und Kramermärkte wurden von vielen Landbewohnern, dre zum Teil von weither kämm, besucht. Ueber einen Gießener Markt werden wir durch eine schlecht stilisierte Bekannt- nmchung des hiesigen Stadtamtes vom m ^a"uar 1817 unterrichtet, sie lautet: „Nachdem der hiesige Petriinarkt herkömmlich in hiesiger Stadt selbsten gehalten wird weil der sonst gewöhnliche Marktplatz vor dem Thor, durch das Austretm der Lahn mcht immer gebraucht werden kann, wes- halben aber wegen Mangel des Raums, der Viehmarkt m Abgang gerathen ist. Um jedoch solchen wiederum herzustellen, ist von höheren Orten verordnet worden, daß der Viehmarkt mit Pferden, Hornvieh und Schweinen den Dag vorher, als dm 26ten und znmr, w'enn es die Witterung erlaubt, vor der Stadt, gegenfalls aber in der Stadt, an den gewöhnlichen Plätzen, der Kramermarkt aber den folgenden Donners- tag, den 27ten Februar, gehalten werdm solle: so wird dieses den Handelsleuten mit dem Verfügen bekannt gemacht, daß für die erforderliche Stallung zu Unterbringimg der Pferde und deren Fütterung in einem billigen Preis gesorgt werde "
. Seltsamer Lesestoff scheint damals bei ernein gewissen Teil der Bevölkerung beliebt gewesen zu sein. So macht der Buchbinder ludwig Stroh die Anzeige, daß bei ihm zu Haben ser: „Des Gatten-, Kinder- und Selbstmörders Gottlieb Moog grausmvolles Denkmal nebst der wahrhaften Beschreibung des siebenfachen Mordes, welchen derselbe am 21ten August 1817 in Frankfurt am Main an fef ^Haaattin, fünf Kindern und an Hm selbst verübte. Mit einem Kupfer. Geheftet 6 kr."
(Fortsetzung folgt.)
Interessant ist eine „akademische Neuig- „Jntelligenzblatt" gelegent- i nn i'H Pcktoratswechsels am 29. September 1794 bringt. Es wird da mitgeteilt, der
vor sechzig Jahren nach Paris.
Erinnerungen eines Gießener Bürgers. (Fortsetzung.)
Um auf kürzestem Wege nach meiner Wohnung zu gelangen, mußte ich beit Boulevard an der Stelle überschreiten, wo nicht weit davon das Attentat stattgefundeu hatte.
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