hatte ich auch einmal Gelegenheit, ihn als Schlittschuhläufer auf dem zugefrorenen See zu sehen; seine Leistungen waren indessen! recht mittelmäßig. Zu Pferd war er jedoch eine ganz stattliche Erscheinung, obgleich sein Wuchs kaum die Mittelgröße eines Mannes erreichte. Ich sah ihn zum letztenmale am Bahnhof in Gießen, als er im September 1870 als Gefangener nach Wilhelmshöhe gebracht wurde. Tie Kaiserin fuhr selten aus, .aber dann mit dem größten Pomp, sechsspännig und mit Stallbedienten auf den Pferden. Ter kaiserliche Prinz w!ar damals noch ein kleiner Junge. Tie Pariser nannten ihn Loulou und waren ihm recht zugetan. In einer Kinderkarosse mit einem Gespann von Ziegenböcken, einem Zwerg als Kutscher und -einem solchen als Bedienten, fuhr er mit seinem gleichalterigen Spielgenossen, dem kleinen Mvrreau, -einem Sohne des Leibarztes des Kaisers, im Tuil-eriengarten spazieren. Das Gefolge bildete dann*stets eine große Zahl P>ariser Kinder.
Es war am 14. Januar 1858, als wir einige junge Deutsche des Abends in oer Brasseri-e Landolt zusammensahen. Das Haus, in der Rue Montmartre gelegen, war gewissermaßen unser Treffpunkt; aber auch von vielen -anderen Deutschen wurde es besucht, da dort ein gutes Münchener Bier, und zwar nach deutscher Art, direkt vom Fasse, verzapft wurde. Wir waren gerade in einer eifrigen Unterhaltung begriffen, als ein Onkel von meinem Freunde L. W.... das Lokal betrat, ganz erregt auf uns zukam und uns ansprach: „Eben sind an der gwßen! Oper Bomben auf den Kaiser geworfen worden. Biele Leute sind tot und verwundet. Auf dem Boulevard ist alles in größter Aufregung; jedenfalls bricht eine Revolution aus" und zn seinem Neffen gewandt: „Louis, du gehst gleich mit mir nach Hause; die andern mögen es auch so machen." Unter diesen Umständen hielten wir dieses auch für das Ratsamste, und wir trennten uns bald daraus nach verschiedenen Richtungen.
(Fortsetzung folgt.)
Kleine Mitteilungen.
Die interessante Schrift des Pfarrers Wilhelm Hosfmann, auf die wir neulich aufmerksam machten und die den Titel trägt „Vierhundert Jahre evangelischen Lebens in Unseren rheinhessischen Gemeinden" ist bereits in der zweiten Auflage (4. und 5. Tausend) erschienen.
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In Nr. 18 unseres Gemeindeblattes hatten wir mitgeteilt, daß die französische Schweiz unter britischer Flagge den Anteil der Basler Mission in Indien und an der Goldküste zu übernehmen gewillt sei. Die Krisis der Basler Mission beschäftigt immer noch die kirchlichen und Missionskreise in der
Schweiz auf das lebhafteste. Bei der am 8. April in Uverdon gehaltenen Konferenz waadtländischer Pastoren wurden mannigfache Bedenken gegen die in Lausanne Ke- . schlossene neue Schweizerische Missionsgesellschaft erhoben. Man erkannte, wie die „Se- maine Religieuse" vom 11. Mai schreibt, die ‘ guten Absichten der Urheber dieses Planes ian, betonte aber, daß die neue Gesellschaft durchaus als ein vorläufiges Unternehmen organisiert werden müsse, ohne sich für die . 'Zukunft irgendwie festzulegen. Aus einem ' ivon dem Komitee der Basler Mission in Heinrichsbad vom 6. — 9. d. Mts. gehaltenen Missionskursus mit 150 Teilnehmern wurde die Frage an zwei Tagen ausgiebig erörtert. Gegenüber den Vertretern des Basler Komitees verteidigten Männer wie Professor von Orclli-Basel, Pastor W. Schlatter-St. Gallen, der bekannte Geschichtsschreiber der Basler Mission, die neue Gesellschaft. Abschließend faßte Missionsinspektör Octli seine Persönliche Meinung dahin zusammen, daß. falls das Komitee in Lausanne darauf verzichte, eine neue Missionsgesellschaft zur Ausbildung und Aussendung von Missiona- lren zu bilden, sich vielm.ehr auf eine vorläufige und zeitweilige Hilfstätigkeit be- ß schränke und jede Entscheidung über die Zukunft der indischen Mission bis nach dem Kriege verschiebe, das Basler Komitee diese - Neubildung wahrscheinlich anerkennen würde, ohne jedoch seinerseits sie irgendwie zu fördern. Die deutschen Befürworter des Lau- > sanner Unternehmens versprachen ihren Ein- ''' fluß nach dieser Richtung hin zur Beilegung des Konfliktes geltend m machen. Eine dem- - entsprechende Lösung wird wahrscheinlich sein, da das vorläufige Komitee des Lau- sanner Unternehmens, um dessen Zweck deutlicher zu bezeichnen, als Namen vorschlägt: „Hilfsgesellschaft für die schweizerische Mission in Indien."
Kirchliche Anzeigen.
Sonntag den 2. Juni (1. nach Trinitatis).
Gottesdienst.
3n der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Markusgemeinde. Pfarrer ,,
Schwabe. — Vormittags 9pz Uhr: Pfarr- assistent Liz. Reuning. — Vormittags 11 K Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. , Pfarrer Mahr. — Mittwoch den 5. Juni, v abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrassi- / 1 st ent Liz. Reuning.
3n der Iohanneskirche. Vormittags 8 Uhr, .■ *
zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Johannesgemeinde. Pfarrer Ausfeld. — Vormittags 9st? Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. — Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer.
D-rantwortlich : Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühl'fchrn Univerfitätr-Buch- und Strindruckerei
R. Lange, Bietzen.


