vor Mch selbsteil, sondern auch bey allen und jeden, in ewere Lnperintendentens und ln- spection gehörigen Pfarrern und Kirchendienern also bald die Verfügung und an- stellung thuet, daß ein jeder Pfarrer, wann gepredigt würd, nach gehaltener Predigt, jederzeit in dem gemeinen Gebet, vor Ihrer, unserer freundlichen geliebten Brüder L. Ld. bitten und gedencken solle, daß der Allmäch- llge Gott, Ihre L. Ld. uff solcher Rays in frembde Lande an guter, beständiger Leibsgesundheit und bey wülfährigem Aufwesen Und Zustand Vätterlich erhalten, dazu Glück, Segen und alle gedeyhliche Wohlfahrt verletzen und denselben seine heilige liebe Engel zu schütz und glaidsleuthen zugeben wolle, das; sie solche Rayß mit aller glückseliger wohlfährigkeit in direction des heiligen guten Geistes vollbringen und in Fried und Fremd wieder gesund und frisch anlangen mögen."
So zogen denn die jungen Prinzen, in die Ferne. Leider nahm ihre Reise einen traurigen Ausgang. Davon berichtet eine landgräfliche Verordnung, die am 20. November 1629 an „Stadthalter, Vice-Cantz- lar und Rähte zu Marpurg" erging. Sie hat folgenden Inhalt: „Beste und Hoch- gelärte Rähte und liebe gctrewe. Wir geben euch mit betrübtem Gemüth gnedig zu erkennen, welcher maßen Gott der Allmäch- llg nach seinem allein weisen Rath und Willen, weyland den Hochgebornen Fürsten. Herrn Henrichen, Landgrafen zu Hessen, Grafen zu Catzenelnbogen, Dietz, Ziegenhain Und Nidda, Unfern freundlichen geliebten Bruder zu Siena, nachdem seine Gottselige Ld. sich zuvor fast einen Monat an einein hitzigen Fieber übel auf befunden, Sonntags, den 11. nechst verwichenen Monats jOctobris alten Calenders, Mittags umb 12 Uhr, mitten unter embsigem und fleißigen! Gebet, des gantzen Verstands durch einen sanften und seligen Todt auß diesem Jammerthal zu sich in die ewige Himin- lische Freude und Herrlichkeit abgefordert, dessen Allmacht Sr. Gottseligen Ld. an jenem großen Tage eine selige und fröhliche Auferstehung Vätterlich zu verleihen geruhen wolle."
Der verstorbene Prinz war erst 18 Jahre alt, er scheint, nach den Mitteilungen über seine Krankheit zu urteilen, dem Typhus erlegen zu sein. Gleichzeitig mit der angeführten Mitteilung wurde angeordnet, daß „alle Freude und Seitenspiel und Täntze und der- I gleichen Anstalten" eingestellt werden soll-' tat, und die Superintendenten bekamen die Weisung, daß sobald die Leiche des verstorbenen Fürsten nach der Heimat gekommen sei, in allen Kirchen Leichenfeierlichkeiten gehalten werden sollten. Bei den damaligen Verkehrsverhältnissen dauerte es lange, bis diese Bestattungsfeiern veranstaltet werden konnten. Sonntag, der 14. Februar 1630 wurde hierzu ausersehen. Die Predigten, die j
in den Städten Darmstadt, Gießen, Marburg, St. Goar (damals hessisch) und Groß- Gerau gehalten worden sind, sowie die lateinischen Reden und Gedichte, die Professoren der Universität Marburg aus dem gleichen Anlaß in die Oeffentlichkeit gebracht haben (die Universität Gießen war in dieser Zeit nach Marburg verlegt bzw. mit der dortigen Universität vereinigt worden), wurden in einem starken Bande gesammelt und im Lande verbreitet. Die bei den Leichenfeier- lichkciten gehaltenen Predigten zeichnen sich durch eine kräftige totb edle Volkstümlichkeit aus, man liest sie heute noch mit Interesse, während unzählige Predigtbände, die im 19. Jahrhundert gedruckt worden sind, eine entsetzlich langweilige Lektüre sind.
Der Marburger Pfarrer und Superintendent Georg Hedenius hat sich damals in der Einleitung seiner Predigt über den Wert des Reifens ausgelassen. Wie wohl wir jetzt im Kriege keine Möglichkeit vor Augen sehen, interessante und bildende Reisen zu machen — das Ausland ist uns so gut wie verschlossen —, so seien diese Ausführungen des althessischen Pfarrers wegen ihres treffenden und witzigen Inhaltes doch hier wiedergegeben. Vielleicht erleben wir es doch noch später einmal, daß wir eine „Rays und Peregrination" machen oder unsere Kinder zu diesem Zwecke in „frembde Länder verschicken" können.
Herdenius hat damals in der Pfarrkirche zu Marburg gesagt: „Es ist von verständigen Leuten zu jeden Zeiten wohl angesehen gewesen, daß sie ihre Jugend nicht wie die Schnecken immer zu Hause ligen, sondern, da sie die Mittel darzu haben, hinauß in die Welt reysen, die Wercke Gottes, der Natur ünd Künsten besichtigen, etwas erfahren, ünnd sich hiedurch also habilittren lassen, daß sie hernach wackere, Gott unb der Welt anständige und gebräuchliche Leute geben möchten.
Es ist aber diß beginnen nicht eben damit verrichtet, daß man draußen die Thüren und Kirchenspitzcn allein mit den Augen messe, umb ein ausländisches Kleidt und eine Handvoll frenrbder, offlmahls ohngestelter inorum sich bewerbe, auch von diesen oder jenen, offt- mahls liederlichen und ungebürlichen Dingen Erzehlung thun könne, in externis snim lo- cis, sagt Cicero, minor est verecundia, das ist, an frembden Orten scheut man sich weniger der Untugendt als zu Hause und bey . den Bekandten, in dem übrigen aber einen in studiis, auch der Erfahrung schlecht berittenen mit sich bringe, unnd es also endlich mit diesen! Gewanderten, wenig aber gebesserten Gesellen, auß Horatio heißt: Coelum non animam mutant, qui trans mare currunt, es flöge eine Ganß über den Rhein, und kam eine Ganß wider.
O nein, sondern sie müssen sich dahin in bedacht halten, daß sie beneben ihren Studiis, viel observieren, ausfschreiben unndt also in


