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der Concierge (Hausbesorger) meiner an. Er versorgte mich mit etwas warmem Essen nnd bereitete mir aus seinem Schlafsessel ein be- guemes Ruheplätzchen, wo ich mich von der anstrengenden Fahrt und der durchwachten Nacht wieder erholte. Für diesen Liebes- üienst habe ich dem braven Manne, so lange ich in Paris war, eine dankbare Freundschaft bewahrt.
Nun wollte ich mir unseren Stadtteil ein wenrg ansehen. Tie Eigenart des Pariser Straßenlebens, das geschäftige Drängen, das Geschrei der Obst- und Gemüsehändler mit ihren Handkarren, der Glaser, Althändler, Kaminfeger und Wasserträger, die sich alle- damit bemerkbar machen wollten, nahm sogleich meine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch. Als ich aber nachher die großen Boulevards betrat, war ich von deni eindrucksvollen Anblick ganz überrascht. Der riesige Fuhrwerksverkehr, die zweistöckigen Omnibusse, die Masse Fiaker und Privatwagen, die in endlosem Zuge und dicht aneinander auf dem Straßendamm dahinjagten, das Menschengewühl auf den breiten Bürgersteigen, die mächtig hohen Häuser nrit deu prachtdollen Schaufenstern fesselten mich un- gcmeiH. Ich schlenoerte vom Boulevard Poissonisre bis zur Madeleinekirche. Ten reizenden Blick, der sich von den Stufen dieser Kirche zum erstenmal meinem Auge bot, kann ich nie vergesseü. Man übersieht von dort die Boulevards, die Rue Royale und den Konkordienplatz bis zum anderen Seineufer. Ich kam mir vor wie in eine fremde Welt vlersetzt und muß meinem Entzücken wohl etwas lebhaften Ausdruck verliehen haben, da mich die Leute so ansahen. Den Weg nach Hause habe ich nachher wieder glücklich gefunden und konnte jetzt meine,- Vetter begrüßen, der mich freundlich aufnahm. . Er hatte schon für mich gesorgt und mir ein nettes Zimmerchen hergerichtet, welches ganz meinen Wünschen entsprach.
Am nächsten Tag führte er mich in das Geschäft, das sich ausschließlich mit dem Einrichten und mit der Ausschmückung von Woh- nungen befaßte. Er selbst hatte sich bereits crne Vertrauensstellung darin erworben, die er ferner Geschicklichkeit, seiireni Schönhcits- srnn und seiner Begabung im Zeichnen verdankte. Als Contremaitre hatte er Entwürfe zu machen, manche Anordnungen zu treffen und in gewissem Sinne den Betrieb zu lerten. Unter seiner Anleitung sollte ich mich nun mit den vorkommenden Arbeiten vertraut machen, was mir auch in verhält- msmaßrg kurzer Zeit gelang. Tie Art und Werse des Geschäftsbetriebes brachte es mit srch, daß wir zumeist außerhalb beschäftigt waren, und da unsere Kundschaft über ganz Parrs verstreut wohnte und wir sie auf- stichen müßten, lernte ich bald die riesige Staat in allen Teilen so weit kennen, daß ich mich in dem .Häusermeer überall zurecht- ftnoett konnte. Ich hatte aber dadurch auch
Gelegenheit, in das häusliche Leben der Pariser mitunter recht interessante Einblicke zu tun. (Forts, folgt.)
Geschichten und Bilder aus Alt-Giehen.
4. Einige Anmerkungen zum ersten Gießener Adreßbuche.
(Fortsetzung.)
Und nun zu den Städtischen Schulen! Zur päd tischen Knabenschule, für Jungen von 10 — 14 Jahren, diente das im Adreß- büchlein mit „städtisches Haus" bezeichnete Gebäude Neustadt 66, mit dem bereits erwähnten Freiprediger Lips als erstem und E. Braun aB zweitem Lehrer. Die Elementarschule, für Buben und Mädchen von 6—10 Jahren, befand sich in dem jetzt nicht mehr vorhandenen, von den Gießeneru „die Stadtschul"_ bezeichneten Gebäude in der Schulgasse, jetzt Schulstraße, an dessen Stelle sich zur Zeit die Stadtpost befindet. Mit der Knabenschule war 1840 im oberen Stockwerke die Mädchenschule verbunden. Etwa zehn Jahve später siedelte sie in das eigens für sie erbaute Haus auf dem „Schulberg" am Oswaldsgarten (jetzt Alice-, vorher höhere Töchterschule) über. Tie Stadtmädchenschule war 1840 ohne Lehrer. Ob der Unterricht aushilfsweise von den Lehrern der anderen Stadtschulen mit übernommen wurde, oder ob man die Mädchen und Jungen gemeinsam unterrichtete, läßt sich nicht feststellen. Anzunehmen ist wohl das erstere. Als Gegenüber hatte die Stadtschule das sogenannte „Elefantenplätzchen". Dieses war so benannt, weil ans ihm einmal eine Menagerie aufgeschlagen war, die unter ihren Sehenswürdigkeiten auch das bekannte Rüsseltier aufwies, dessen trauriges Schicksal den Gießeneru eine Zeitlang Unter- haltungsstoff und schließlich den Anlaß gab, den Platz, da man es zum letztenmal gesehen hatte, nach! ihm zu benennen. Ter Dickhäuter würde nämlich auf dem Wege der Truppe nach Marburg tobsüchtrg uno mußte dort unschädlich gemacht werden, was durch Vergütung geschah. Das Elesantenplätzchen war ein ungepslasterter, durch die Entfernung des alten städtischen Schlachthauses entstandener freier Platz, welcher nach der .Neuen Baue zu von einem etwa vier Meter hohen uno einen Meter dicken Mauerüberrest des Schlachthauses, nach dem Marktplatz zu von der Wagengasse und hinten von alten Scheuern mit Lehmfachwerkwänden begrenzt, mit Steinüberresten und sonstigen unnützen Dingen bestreut und von Vertiefungen durchsetzt war. Bei Regenwetter trug daher der Platz einen ausgesprochen ländlichen Charakter, der einen Stich ins Trostlose durch die auf das Gemüt nichts weniger wie aufheiternd wirkende unschöne Umrahmung erhielt. Das Schlachthaus war ein ziemlich großer, schmuckloser Bau, in welchem sich auch ein Raum für die Laternenanzünder


