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Tiefe Aufzeichnungen führen uns das für Deutschland so bedeutungsvolle 16. Jahr­hundert vor, das die Reformation gebracht hat. Im Anfang lesen wir noch, daß man in Gießen den heiligen Sebastian jum Not­helfer erwählt hat, dann aber ist die Rede von der Einführung der Reformation in un­serer Stadt. Von Pest und Teuerung ist viel die Rede, ebenso von Ueberschwemmnng und Sturm. Es scheint, daß Gießen und Um­gebung besonders häufig von Stürmen heim- gesucht werden: nach dem großen Sturnte des Jahres 1876 haben wir im Mai 1911 einen äußerst heftigen Sturm erlebt. Daß die alte Stadtkirche schon 1613 baufällig war, ist sehr interessant, trotzdem ist sie noch 200 Jahre stehengeblieben, nachdem an ihr viel­fache Reparaturen vorgenommen worden sind, wahrlich nicht zur Verschönerung des Gebäudes. Wohin die Tafel gekommen ist, die in der -alten Stadtkirche über den großen Brand des Jahres 1560 Künde gebracht hat, wissen wir nicht, jedenfalls ist sie in der jetzigen Stadtkirche nicht mehr zu finden.

vom Areuz.

Und er trug sein Kreuz." Eo. Foh. 19,17.

Wer von uns hätte nicht schon von den Passionsspielen in Oberammergau gehört Und von Anton Lang, dem vor mehreren Jahren verstorbenen, einst sehr bekannten Tarsteller des Heilands? Irre ich nicht, so h-at er vrese Gestalt an drei, in -einem Zwi­schenraum von je zehn Jahren einander fol­genden Aufführungen dargestellt. Und alle, die ihn sahen, Haben davon einen erschüt­ternd tiefen Eindruck -erhalten. Tiefer Anton Lang wurde einst gefragt, ob das Kreuz, das er -auf -dem Wege zur Kreuzigung trage, nicht sehr schwer sei. Gewiß, antwortete er, es sei sehr schwer, es müßte aber auch schwer sein, um das Leiden des Heilandes zum Ausdruck bringen zu können.

Müssen wir uns nicht auch sagen, daß das Kreuz, das uns auferlegt ist, schwer sein muß, um seinen Zweck zu -erfüllen, um den Segen uns bringen zu können, der von dem gläubig und geduldig getragenen Kreuze -ans- geht?

Ein tiefdenkender Mann sagte einst: T-as sind die fröhlichsten Menschen, die es gelernt haben, nicht fröhlich zu leben, sondern gut zu leiden: denn das Kreuz zu tragen ist das Beste.

Ich bin durch die Welt gegangen.

Und die Welt ist schön und groß.

Doch zieht mich- mein Verlangen Weit von der Erde los!

Es ist -eine Rnh-e gefunden Für alle fern und nah,

In des G-ott-eslammes Wunden,

In dem Kreuz -auf Golgatha.

Baronin R.

Uleine Mitteilungen.

Zu unserem in der letzten Numnrer ent­haltenen Artikel über dieSommerzeit" wird uns folgendes geschrieben:Tie Einführung der Sommerzeit ist nicht nur aus wirtschaft­lichen Gründen (z. B. Lichtersparnis) eine Notwendigkeit, sondern es spricht auch sonst lehr viel für sie. Welchen Vorteil bietet sie allein den vielen, vielen Menschen, die nach ihren Bureau- und ähnlichen Stunden noch ihren Garten bestellen oder wie die Arbeiter auf die Dörfer fahren und dort noch stunden­lang landwirtschaftlich-tätig sein können! Und wie viel gesunder ist es, die Früh-stunden recht gründlich auszunutzen. Ich- beginne je­den Morgen um 7 Uhr mit meiner Tätig­keit und weiß, was der Vorteil der Sommer­zeit bedeutet. Und totaiim soll man denn nicht, w-ie wir -es regelmäßig tun, Um 10 im Bett sein? Wegen Helligkeit? Mer es gibt doch Vorhänge, und müde ist der Mensch doch -einfach auf Grund seines Tagewerkes, -das sich ruhig um -eine Stunde verschieben kann. Tie Kinder werden/ sofern die Eltern nur vernünftig sind, sich sicherlich gewöhnen. Und das Land? Tas hat ganz gewiß keinen Schaden von der Neueinrichtung, wenn auch der greifbare Nutzen fehlt. Dem ein­zigen Einwand von sachlicher Bedeutung, der sich, so viel mir bekannt ist, im Inter­esse der ländlichen, aber überhaupt der Ju­gend mache,: läßt, nämlich- dem zu frühen Schulanfang, ist ja die Behörde bereits ent­gegengekommen."

Nach dem Grundsätze, daß man auch an­dere Meinungen beachten muß, geben wir diese Ausführungen hier wieder.

ttirchliche Anzeigen.

Sonntag -den 12. Mai (Exaudi).

Gottesdien st.

ln der »tadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier- ten aus der Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. Vormittags 9y 2 Uhr: Pfarrer Mahr. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche sür die Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr. Am 2. Pfingstseiertag findet Beichte und Feier des heiligen Abendmahls für Matth. - und Markusg-emeinde im tzauptgo-ttesdienst statt.

In der Zohannerkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier- ten -aus der Johannesgeineinde. Pfarrer Ausfeld. Vormittags 9V- Uhr: Pfarr- assistent Liz. Reuning. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeindie. Pfarrer Bechtolsheimer. Abends 8 Uhr: Bibelbesprechung im Johannessaal. Am 1. Pfingstseiertag findet Beichte und Feier des heiligen Abendmahls für Lukas- und Johannesgemeinde im Haup-tgottesdienst statt.

v-ranrwartlich : Pfarrer Bechtolsheims r Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei

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