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In diesem Jahre ist die Lahn so groß ge­wesen, daß das Wasser allenthalben in die Stadt gedrungen ist, -also daß die Leute ihr Vieh ans die Böden der Häuser bringen muß­ten. Es that auch sonst an der Frucht auf dem Felde großen Schaden und hat die Brücken und Steege z-erbroch!en und hinweg­geführt. Ten 8ten und 9ten Januar kamen so große Regen, daß. dergleichen nie gehört wurde und das Wasser hat zu Marburg die steinerne Brücke umgeworfen und 24 Men­schen ersäuft, auch hat es zu Gießen und Wetzlar die Brücken niedergelegt.

1560 wurden die Festungswerke wieder von neuem aufgeführt von Landgraf Philipp. Ten 27ten Merz schlug der Blitz in die Stadt, so daß eine große Fcuersbrunst ent­stand und innerhalb 3 Stunden 168 Ge­bäude ohne die Scheuern und Stallungen ab- brannten. Davon sind in hiesiger Stadtkirche neben der Kanzel auf einer Tafel lateinische und deutsche Verse zu lesen. Es entstand da- von ein freier Platz, welcher noch jetzt der Brand heißt.

1582 wurde die große Brücke von Quader­steinen über die Lahn erbaut. Tie Namen der Baumeister finden sich unter einem Schwibbogen ausgehauen.

1585 wurde der Grundstein zu dem neuen Zeughaus gelegt, welches schon im folgen­den Jahr vollendet wurde. Auch sind die Hauptthore, das Wallthor und Selzerthor, von Quadersteinen neu aufgeführt und mit lateinischen Inschriften von Peter Paganus versehen worden.

1597 grassirte die Pest in Gießen und es starben daran 300 und etliche Personen.

1598 hielt Peter Saur, Rathsverwand­ter rn Gießen, goldene Hochzeit.

_ den 3ten September ist ein großes Erdbeben verspüret worden.

1603 den 8ten Juni schlug das Wetter in den Tretzsthurm ein, that aber keinen der drer darinn sitzenden Gefangenen Schaden,: den 28ten Juli schlug es in der Ruebmühle vom Grebel e,ncn Sparren hinweg, daß mau dre Stücke auf dem Selzersberg funde.

1606 den 17ten Merz, war ein solcher Sturmwind, daß man meynte, Himmel und Erde würden über einen Haufen zusammen- fallen. that an Dächern und in Gärten gro­ßen Schaden und in Wäldern an den Bäu­men, w>arf etliche Häuser und Scheuern um.

ife d^st stürben 30 Personen.

1611 den ersten Mai war ein so harter rr Korn mit den Weinstöcken

und allen Baumfrüchten erfror. Selbst das Gras war, als wenn es mit Feuer gesengt ioare. Dies verursachte eine große Theue- rung, daß das Korn 4 fl. und der Waitzen o fl. galt Menschen und Vieh litten großen Hunger. > 5 N der Erndte gab es eine solche Menge Mause, daß das, was vom Frost U icio Cn: ' öon den Mäusen verzehrt wurde.

161 ^ war dre große Theuerung. Diese wahrte von Ostern bis in die Erndte. Den

18ten Dezember ist ein solcher Wind gewesen, ! daß er an allen Bäumen und Dächern tu - Gärten und Wäldern großen Schaden gethan, warf etliche mit Wurzeln aus der Erden, daß man allein in dem Gleiberger Wald viertausend ganze Bäume gefunden hat, ohne ; dre mitten entzwei und sonsten beschädigt wa­ren, warf auch einem Fuhrmann seinen Wa­gen in der Langensteh,: auf dem gleichen um

1613 wollte der Landgraf die alte Stadt­kirche abbrechen und -eine neue erbauen lassen. Jedoch wurde die alte vorerst nur erweitert und -ausgebessert. Auch ist beim Graben tief unter der Erden ein aus starken Pfählen ge­pflasterter Steinweg vor dem Selzerthor ge­sunden worden.

1614 ist eine große Dörre den Sommer i gewesen, daß der Flachs ganz verdorben, kein

Grummet, -auch gar wenig Wein und doch! sauer, rngleichem wenig Hafer und w-enig Bohnen, aber nur Korri, Waitzen und Win­tergerste gewachsen, w-eilen es den Sommer hindurch bis -aus den Michaelistag nicht ge­regnet hat.. Acht Tage nach Michaelistag hat es angefangen zu regnen und damit an­gehalten bis nach Catharinentag, und ist das Gewässer so- groß geworden, d- man nicht in die Stadt Gießen kommen können; das Wasser hat alle Stege vor der Stadt hinweg- geslößt. In der Stadt haben die Leute vom Selzersthor bis aufs Kreuz mit Nachen ge­fahren, auch hat das Wasser den Einwohnern in den Stuben und Kellern großen Schaden gxthan.

Ten 21ten November ist ein solch großes Gewässer hier g-swefen, daß man an etlichen Orten mit Schiffen gefahren hat und an vie­len Orten bis an den Gürtel hat baden müssen. Tie Wieseck brach durch- die Schor in den Wallgraben und lief die ganze Nacht hinein. Des Morgens brach auch die Lahn m den Wallgraben. Man steuerte dem Un­glück, indem man beide Oeffnungen mit Mist und großen Hölzern verstopfte. T-er Schaden in Kellern, Häusern, Vieh und Früchten war unbeschreiblich groß.

1616 hat man 8 Tage vor Johannistag das Korn geschnitten, auch an etlichen Orten vor Johannistag neu Korn gebacken. Ten ganzen Winter hindurch ist gar kein Schnee gefallen,, und ein so warmer Winter gewesen, daß man keine Handschuhe anziehen dürfen. Auch ist im Feld -alles grün geblieben Und mchts erfroren.

1620 den 19ten Februar ist plötzlich ein Erdbeben verspürt worden. Ten 10ten April sind zwei Freibeuter, die ihren Gesellen in der Lindener Mark erschossen und beraubet hatten, enthauptet w-orden. Ter dritte, wel« cher noch jung und unverheiratet gewesen, rst von einer Weibsperson durch einen Fuß- ,all von dem peinlichen Gericht erbeten wor­den und mit dem Leben davon gekommen. Man hat beide zusammengegeben und darauf des Lands verwiesen, aber der Bösewicht hat die Weibsperson verlassen.