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die Oberrealschule über 40, das Realgymnasium über 20, die höhere und erweiterte Mädchenschule über 36, die Stadtschulen über 67 und das Pädagogium'über 14 Lehrkräfte verfügen, insgesamt 200, gegen 25 vor 78 Jahren.
Das alte Pädagogium war in dem Hause Neuen Baue 2 (Ecke Sonnenstraße), in dem sich jetzt die Ton- und Steinguthandlung der Frau Pfeiffer befindet, untergebracht und stand unter der Leitung des Direktors Dr. Geist, eines kleinen, rundlichen Herrn mit Vatermördern und mächtiger Konvexbrille, burd); die er aber anscheinend nicht viel sah, denn, seine Primaner gingen auf der Straße tief grüßend an ihm vorüber, ohne die damals streng verpönte Zigarre aus dem Munde zu nehmen. Er mochte wohl manchmal ahnen, mit wewi er es zu tun hatte, zumal wenn sich die übermütigen jungen Herren in Rotten mit 25 Schritten Abstand geordnet hatten und ad infinitum mit ausgesuchter Höflichkeit die Hüte zogen; aber er erkannte keinen und war ein viel zu. vor- nehiner Mann, um,auf der Straße den Versuch einer Feststellung zu machen, bei dem begreiflicherweise die iganze Gesellschaft ja doch ausgekniffen wäre.
Tie Realschule hatte oas Gebäude Weidengasse Nr. 5, in welchem sich jetzt das Polizeiamt befindet, inne und stand unter dem Direktorium des Professors Dr. Brau- bach, neben welchem sein durch, die Mitarbeiterschaft au dem deutschen Wörterbuch: der Gebrüder Grimni und die Fortsetzung desselben nach deren Tode berühmt gewordener Kollege, der Germanist Dr. Friedrich Ludwig Karl Weigand, wirkte. In Nieder-Florstadt geboren, betätigte er die Liebe und Anhänglichkeit an seine engere Heimat durch sein Werk „Untersuchungen über oberhessische Ortsnamen", sowie auch, durch Gedichte in Wetterauer Mundart, unter denen:
„Wollt ihr mal mei' Ami seh'?,
Tas Madche har sei' Mucke. —
litt wenn 'r glaubt, se war' nett schee,
Tann werd' 'r euch vergucke!"
Wohl d-as bekannteste ist. Tie Realschüler nannten ihn den „Tuda", >veil er bei den, Repetitionen auf den, welchen er „dranneh- men" wollte, mit dein Finger zeigte und: ihn mit „Tu da!" alufrief. Ging ihm die Geduld aus, was ja auch heute noch bei dem langmütigsten Lehrer vorkommt, so pflegte er mit der Frage zu drohen: „Soll ich braun Männchen holen?", womit das spanische Rohr, oder vielmehr, nach der Farbe zu urteilen, der tzaselstock gemeint war, der als Lehr- und Erziehungsmittel in früheren Jahren auf das Gefühlsleben der Faulen und Unartigen eine weit durchgreifendere Wirkung ausübte als die besten Worte. Auf der Straße achtete Professor Weigand wenig auf das, was Um ihn vorging. Mau sah ihn auf derselben in der Regel, wie. er seinen braungelben Spazierstock in der Mitte ge
faßt harte und utit dem weißen Knopf an den Mund oder die Wange drückte, wie dies die Gewohnheit mancher Leute ist, wenn sie über etwas Nachdenken. Sein Studierzintmer war überfüllt mit Büchern. Sie lagen, da sie die Regale nicht alle fassen konnten, überall, selbst auf dem Fußboden, angehäuft, für den Uneingeweihten ein Chaos, für ihn seine Bibliothek, in der er genau Bescheid wußte. Hier-fühlte er sich wohl und inmitten seiner Bände verbrachte er die Zeit, welche ihm sein Beruf als Lehrer übrigließ, in fleißiger Forscherarbeit. Daher kain:es auch, daß er Dingen des täglichen Lebens iv^iig Verständnis entgegenbrachte und in diesen etwas ^einseitig und unbeholfen war. So fruit' er eines Tags zu dem Vater eines meiner Freunde, um eine Rechnung zu bezahlen. Er kramte die Taschen aus und holte ein Päckchen hervor, in dem sich das Geld befand. Seine Frau hatte es abgezählt und ihm, in Papier eingewickelt, mitgegeben.' Lange Jahre wohnte der Gelehrte in der Sonnenstraßc in dem Tietz'schen Hause, jetzt Wirtschaft zum Burggraf- In den 70er Jahren siedelte er in das Seipp'sche Haus aus der Südanlage über, in welchem er im Jahre 1878, 74 Jahre alt, gestorben ist. Es erinnert keine steinerne Gedenktafel an den hervorragenden Gelehrten, aber seine Freunde, Schüler und alle, die den liebenswürdigen, herzensguten und verdienstvollen Mann näher gekannt haben, bewahren ihm, auch ohne eine solche, ein treues uns ehrendes Andenken.
(Fortsetzung folgt.)
Metzen im Jahrhundert vor dem Dreitziajcihrigen Krieg.
(Fortsetzung.)
1532 ist der erste evangelische Pfarrer, Daniel Greiser (auch Greser geschrieben), von Weilburg gebürtig, angestellt worden, welcher 1542 von Herzog Moritz zu Sachsen zum Superintendent nach Dresden berufen wurde, wo er 1591 starb. Es geschieht seiner und seiner Frau Creyngen (Katharina) in einem Kaufbrief von 1538 Erwähnung.
1540 ist Conrad Heß Amtmann zu Gießen gewesen, wie aus einem alten Kaufbrief zu ersehen, da der Stadtpfarrer Greiser sein Wohnhaus in der Braugasse für 110 fl. erkaufst.
1552 ist Landgraf Philipp zur großen Freude des ganzen Landes den 12ten September zu Gießen wieder angekommen. 1553 hat er Gelegenheit genommen, sich an dem Grafen von Solms zu rächen. Er rückte mit Reutern, Lanzknechten und den Gießer Bürgern vor Lich, nahm es ein, rasierte die Festung und führte die Kanonen weg, davon vier, worauf des Grafen Wappen stand, in d:as hiesige Zeughaus kamen. Auch nahmen die Bürger die große und schöne Glocke von dem Sicher Thurm und hiengen sie allhier auf. 1555 sind alle Svlmsisch!e Streitigkeiten verglichen und beigelegt worden.


