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zum Beginn der Feldarbeiten und am Abend zu deren Beendigung. Tie Kinder gehen nach der alten Zeit' um? Uhr morgens und 1 Uhr nachmittags zur Schule, so daß damit der Forderung der Schulbehörde, den Unterricht Nicht vor 8 Uhr (nach der neuen Zeit) zu beginnen, doch entsprochen ist. So wickelt sich alles Leben auf den Landorten ohne besondere Störung nach der alten Zeiteinteilung lab, Nur die Uhren der öffentlichen Anstalten, wie der Post und der Bahn, stehen mit der Torsuhr nicht im Einklang, und gar manchem spielte dieser Umstand schon -einen unliebsamen Streich."
Es ist merkwürdig, wie in der Geschichte alles wiederkehrt. Im Jahre 1801 war das linksrheinische deutsche Gebiet dem französischen Reiche rechtlich einverleibt worden, nachdem es tatsächlich schon seit 1792 dazu Gehört und seine Selbständigkeit verloren hatte. Infolgedessen wurden die Bewohner des linken Rheinuf-ers auch mit dem republikanischen Kalender beglückt. Dieser Kalender stellte den seitherigen, wissenschaftlich w-ohlbegrmrdeten und seit Jahrhunderten gebräuchlichen Kalender auf den Kopf. Statt der Woche mit sieben Tagen wurden Wochen mit zehn Tagen, die sogenannten „Dekaden", eingeführt. Tie Monate bekamen andere Namen, die mit Rücksicht auf die Witterung gewählt waren, die Zeitrechnung begann nicht mehr mit Christi Geburt, sondern mit dem -ersten Tage der französischen Republik, als welchen man den 22. September 1792 ansah. In großen Städten, wie in Mainz, Köln und Bonn, richtete man Kirchen zu sogenannten „T-ekad-entcmpeln" ein. Dort versammelten sich an den neuen Feiertagen die Beamten und die Bürger, die den Franzosen zugetan waren, um Reden über Politik oder'Fragen der Moral anzuhören. Die Redner waren mit der großen, dreifarbigen französischen Schärpe geschmückt. Aber das Volk lehnte -einmütig diese Neuerung ab, der alte Kalender war so sehr mit seinem Denken und Fühlen, mit seinen Lebensgewvh-nhieiten, seinen geschäftlichen Gepflogenheiten, namentlich mit seinen kirchlichen Sitten verwachsen, daß es sich den republikanischen Kalender nicht aufzwingen ließ. Nach wie vor ging man -an den christlichen Sonn- und Feiertagen in die Kirche, nach wie vor trug man die Taten in alter Form ein.
Ter Widerstand, den unsere Landbevölkerung — Und nicht nur in Hessen — der sogenannten „Sommerzeit" entgegenbringt, sagt gerade genug. Diese Neuordnung wirkt in vieler Beziehung schädlich. So ist sic der Volksgesundheit nachteilig. Wenn man auch die Stunden vorrücken läßt, so kann doch niemand den Stand der Sonne vorrücken. Jetzt, rm Frühling, ist es -abends um 9 Uhr und demnächst, im Sommer, ist es abends um 10 Uhr noch völlig hell.. Weder Erwachsene noch Kinder können um die -angegebenein Stunden zu Bett gehen, man sieht ja jetzt
die kleinen Kinder abends nach. 9 Uhr noch fröhlich -auf der Straße spielen. Natürlich fällt das Aussteh-en am nächsten Tage schwer. Man bedenke doch, daß für viele Männer der Arbeitstag nicht mit dem Beginn der Arbeit in der Fabrik oder in der Werkstatt anfängt, sondern, um zu ihrer Arbeitsstätte zu kg-elangen, haben sie erhebliche Reisen und weite Wanderungen zurückzulegen. Früher -arbeiteten Männer jaus dem Hunsrück in Mainz. Sie gingen morgens eine Stunde bis.-mach Bingen und fuhren dann eine Stunde mit der Eisenbahn. Sie mußten, wenn ihre Arbeit um 7 Uhr ihren Anfang Nahm, um 4 Uhr aufstehen. Nun ist ihr Schlaf um 3 zu Ende. Alle diese Arbeiter iwer-den Tag für Tag um ihre Nachtruhe verkürzt, -dadurch leidet die Gesundheit, Widerstandsfähigkeit und ' Arbeitsenergie, und von den von der ,,Sommerzeit" erhofften günstigen Folgen ist nichts zu merken. Daß das kirchliche Leben durch die Vorverlegung -der Stunden Schaden leidet, beobachten wir seit zwei Jahren. Aber auch oer Nutzen für die Industrie ist nicht einzusehen. jJn der Guten Jahreszeit ist es hell von 6 bis 8 Uhr, inan hat also Zeit genug, um ohne künstliche Beleuchtung zu arbeiten.
Wenn über die „Sommerzeit" durch die einzelst-aatlichen Parlamente beschlossen worden wäre, so wäre sie sicher abg-elehnt worden. Weder in Bayern noch in Hessen hätten sich die Regierungen z!u ihrer Einführung entschlossen. Hoffentlich führt die Abneigung der Bevölkerung gegen diese Einrichtung dazu, daß sie im nächsten Jahre von der Bildfläche verschwindet. Am allerwenigsten sollte man dem Erfinder der „Sommerzeit" — es ist dies ein Herr in der Provinz Hannover — als einen genialen Mann feierst, sonst beschert er uns eines Tages' noch einen völlig neuen Kalender.
Sietzen im Jahrhundert vor dem Dreißigjährigen Urieg.
In unserem Gemeindeblatte haben wir schon mehrfach NoUzen wiedergegeben, die alten Jahrgängen des „Gießener Anzeigers" entnommen waren. Um das Fahr 1800 hat dieses Blatt, das am Ende des 18. Jahrhunderts „Gießener Jntelligenzblatt" hieß und sich -am Anfang des 19. Jahrhunderts „Gieser Anzeigungsblättchen" nannte, wiederholt interessante, chronikartige Aufzeichnungen über -die Geschichte -unserer Stadt gebracht. Wer der sachkundige Chronist gewesen ist, haben wir noch nicht ermitteln können, wir vermuten, daß -es der Gießener Professor der Medizin Or. Nebel gewesen ist. Was wir im nachfolgenden bringen, ist eine Zusammenstellung -aus drei verschiedenen Aufsätzen, -die sich im Jahrgang 1795 des genannten Blattes finden. Bon dem einen heißt es, er sei einem Steinberger Hausbuche entnommen. Notizen, die weniger inter-


