Ausgabe 
5.5.1918
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Der Gömeinderat setzte sich aus dem Bürgermeister Schneider, einem ersten Bei­geordneten dieses Amt war 1840 unbe­setzt, einem zweiten Beigeordneten, Buchbinder Rühl, und neun Räten zusam­men: Wirt Becker, Schlosser Burkhardt, Kappenmacher Ferber, Bierbrauer nno Wirt .Herbert, Kaufmann Höstreich, Metzger Mölst, Kaufmann Noll (zum Ritter), Rentner Rei­ber (später Bürgermeister), Kaufmann Stein, Kaufmann Oeser, Weinhändler Aßmus, des­sen Sohn der Dichter der bekannten Gießcner LokalposseMeister Bimbächer" war, und Lederhändler Labroise. Man sieht, die Uni­versität war im Stadtparlament noch nicht vertreten; offenbar lag, mangels zu lösender wissenschaftlicher Probleme, no'ch snicht das Bedürfnis vor, Männer der Hochschule an den, wohl zumeist sich um Ackerbau, Vieh­zucht und das Handwerk drehenden Bera­tungen teilnehMM zu lassen. Auch hat es, nach allem, was man aus der damalige» Zeit hört, den Anschein, als wenn zwischen denKernbürgern" und den Gelehrten eine ziemlich breite Kluft gestanden hätte, die auch reich und arm voneinander trennte, wenn man nach dem zum geflügelten Wort gewor­denen Ausspruch des weiland GießenerOeko- Nomen Schwan urteilen will:Reich bei Reich »and Beall bei Beall (Bettel), die Schwane schwimme owe." Außer dem Stadtrechner Nern, dem Rathausdiener Grüneberg, welcher im Rathaus wohnte, Marktmeister war und unter den Marktwei­bern mit einem spanischen Rohr Ordnung schaffte, wenn diese nicht parieren wollten, und dem AusruferMoll wird vonAngestellten und Verwaltungspersonen niemand genannt. Moll war der Großvater des nun 79jähri- gen Rentners,unseres alten Kclrl Moll", des Veteranen der Stadtbeamten, der zuni Verwaltungsapparat gehörte, wie der Teckel zum Topf und ohne den man sich vor noch gar nicht zu langer Zeit das Gießener Ge- meinwesen überhaupt nicht vorstellen konnte. Er besorgte die Gänge, war eine Hilfe auf den Bureaus, unentbehrlich bei den Holz- und Grasversteigerungen, auf den Wochen- und Jahrmärkten, beim Einquartierungs­und Meldewesen, bei der Feuerwehr und namentlich auch als Auskunftsperson beim Ortsgericht,, das heute noch nicht ganz ohne ihn auskommen kann; mit eurem Wort, in städtischen Angelegenheiten Mädchen für alles und lebendes Jnformationsbureau. Mit Ausnahme vonHöstreich,Aßmus und Labroise sind die vorerwähnten Namen jetzt noch in der Bürgerschaft vertreten, wenngleich deren heutige Träger zu denen der damaligen Zeit wohl nur zum Teil in verwandtschaftlichen Beziehungen stehen. (Fortsetzung folgt.)

Japanische Urteile über die Reformation und Luther.

Das Resormationsjubiläum ist auch in japanischen Missionskreisen festlich begangen

und dabei manch tüchtiges Wort gesprochen worden. DasEvangelische Missions-Ma­gazin" bringt eine Blütenlese bemerkens­werter Urteile über die Reformation und Lu­ther, oon denen folgende hier festgehalteni seien. Professor Hino erklärte u. a.:Indi­rekt' wurde der Einfluß der Reformation in Japan verspürt zur Zeit der Gründung der Tckugawa-Dynastie, als die europäische Ge­genreformation sich in unserem Lande tätig zeigte. In einer Hinsicht hat das Werk der Reformation auf die japanische Geschichte eingewirkt; der Satz von der Religionsfrei­heit, der in der japanischen Reichsverfassung steht, hat seinen Ursprung in Luthers Refor­mation. Von diesem Gesichtspunkte ans wird es offenbar, wie angemessen die Vorbereitun­gen sind, um einen Gedenktag zu Ehren Lu­thers uno seines Werkes zu feiern." Pro­fessor Askwa äußerte sich u. a. folgender­maßen:Eine Persönlichkeit wie Luther sollte nicht von einer einzig'en Nation mono­polisiert werden. Er war ein Mann, der >alles, was er fjatte, der Menschheit und der geistlichen Freiheit opferte. Seine Lehren und sein Werk bezeichnen den Höhepunkt in der Geschichte des menschlichen Gewissens. Er pflegte einen neuen Herzensglaubertz der wirklich war in seinem eigenen Innenleben und sein eigenes Gewissen züsriedenstellte... Tre Reformation brachte die purilanisch>e Be­wegung in England hervor ünd mündete aus im 18. Jahrhundert in die französische Re- pvliuiou. Tank der Reformation hat das Christentum der modernen Geschichte einen großen Dienst geleistet durch Unterstützung der Freiheit des Glaubens und der Ideen." Und eine Kundgebung des Christlichen Vereins junger Männer in Tokio am 31. Ok­tober 1917 beginnt mit den Worten:Nie hat man sich brünstiger nach einer geistlichen Reformation gesehnt als jetzt. Den Christen bietet die Feier des 400. Jahrestages den Reformation eine Gelegenheit, mit Eifer die Ideale der Reformation zu verbreiten, ihren grundlegenden Prinzipien Anerkennung zu verschaffen, die Flamme der Ehrfurcht für die Autorität ünd den geisUgen Wert dev Bibel zu entzünden."

DieSommerzeit".

Das Organ der Großherzoglich Hessischen Regierung, dieDarmst. Ztg.", bringt in der Nummer vom 26. April d. I. aus Mainz folgende Notiz:

Tie Nichtanerkennung der neuen Sommerzeit macht gegenwärtig in zahl­reichen Landgemeinden Rheinhessens, sowie auch in anderen Teilen Hessens weitere Fort­schritte. Wie im Kreise Worms, so ist man auch in anderen Kreisen vielerorts zur alten Zeit, als der dem Landleben weit besser an­gepaßten, zurückgekehrt. Tie Uhren gehen >nach der alten Zeit, und die Kirchenglocken läuten wie früher niorgens und nachmittags