Grobherzoglich Hessische Hofgericht der Provinz Oberhessen, dessen Präsident im Jahre 1840 von Preuschen und dessen Direktor der Gcheimerat Dien war. Bon Den 11 Räten werden den alten Gießenern noch von Schmalkalder und Buss bekannt sein, zwei in ihrer äußeren Erscheinung und auch in ihrem Wesen grundverschiedene Herren. Während der erstere ein hagerer, hochgewach« jener Mann war und namentlich in seinen letzten Lebensjahren einen etwas verschlossenen und leidenden Eindruck machte und in der Regel mit hochgestelltem Mantelkragen, die Hände in den Taschen und die Schultern zusammengezogen, vom Amt oder aus dem „Klub" kommend, seiner in der Westanlage gelegenen Wohnung zustreüte, kam es dem korpulenten, auf einen Stock sich stützenden, langsam und bedächtig daherschreitenden, freundlichen Hofgerichtsrat Bufs nicht daraus an, sich unterwegs auch einmal mit einem Nichtjuristen über einen interessanten Fall aus der Praxis zu unterhalten. Man sah ihn öfters Dor seiner Wohnung, jetzt Gasthof Hindenburg, in eifrigem Gespräche mit einem der Nachbarn, auf hundert Meter
dessen Grundmauern auf den Fundamenten der alten Bürg „„zu den Gyzzen" errichtet sind, die Wohnräume des Großherzogs und die wohlgeordneten, reichhaltigen und, was die lokalen prähistorischen Funde anlangt, in ihrer fast lückenlosen Abgeschlossenheit einzigartigen Sammlungen des Oberhessischen Ge- schichtsvereins u nter g ebrächt.
Tie Geistlichkeit im Anfang der 40er Jahre des vorigen Jahrhunderts setzte sich aus dem Superintendenten Simon, den: Kirchenrat Engel als erstem, dem Pfarrer Bonbard als zweitem Stadtpfarrer, dem Freiprediger Lips und dem katholischen Pfarrer Hartnagel zusammen. Der erstere ist als Ehrenbürger der Stadt Gießen im Jahre 1881 gestorben. Diesem sowohl wie auch deni Freiprediger Lips, beide bis in das Alter hrnein rüstige, menschenfreundliche unb wohltätige Herren, werden viele Alt-Gießener ein freundliches und baulbareo Andenken bewahrt haben. Auch der Kirchenrat Gugel war ein um seine Gemeinde treu besorgter Hirte, der sich, von mir inzwischen angestellten Erkundigungen zufolge, in seiner Würde nie- inals etwas vergab und den: man die. ini
mehr oder weniger kam es damals mit der > Laufe der Zeit gewissermaßen zum eisernen Nachbarschaft nicht an. Dabei bewahrte sich Bestand der Gießeuer Lokalwitze gewordenen der alte Herr bei aller Leutseligkeit eine vor- > Schalkereien zu Unrecht angedichtet hat. Bei nehme Würde, die dem Gießener Durch- | Taufen, Hochzeiten und anderen Familienschnittsbürger eine hohe Achtung einflößte. j festen, zu denen er als gern gesehener Gast Wie er über seine richterliche Verantwortlich-; gebeten wurde, drang sein angeborener Hju-
keit, sich selbst gegenüber, dachte, geht aus einer Bemerkung hervor, die ich bei einer Unterhaltung des Genannten mit meinem Vater zu hören Gelegenheit hatte. Er sagte:
mor wohl durch, aber niemals mehr, wie es die Würde seines Amtes zuließ. Wie mir einer seiner Konfirmanden, ein jetzt nahezu Achtzigjähriger, versicherte, wurden all die
„Wenn ich bei der Bilanz meiner juristischen j. bekannten Engel-Witze von losen Spöttern. -*- !i ... ^jr.r-.rr. ^ ----- ^ " a n Wirtshaustischen ausgeheckt, unter die
Leute getragen und belacht; denn damals nachn man es nicht so genau mit der Achtung seiner Mitmenschen; heute würde man sich dafür bedanken und einen Riegel vorschieben. (Fortsetzung folgt.)
Tätigkeit zu dem Schlüsse käme, ein Dutzend Spitzbuben lausen gelassen zu haben, so würde ich die Gewissensbisse hierüber ertragen können. Aber jemand verurteilt zu haben, an dessen Schuld ein, wenn auch noch so leiser Zweifel' in mir zurückgeblieben wäre, das würde, mir einen unruhigen Lebensabend bereiten." Dieser kurze Ausspruch gewährt einen weiten Einblick in das Gemütsleben dieses Mannes.
T-as Hofgericht war in einem schmucklosen Bau untergebracht, an der Stelle, auf welcher heute das im Volksmund mit „Gnauths- kirche" benannte, die Feuerwache und die Kunstausstellung bergende Gebäude auf den: Brandplatz steht. Das noch vorhandene Hinterhaus^ gehörte dazu. Das Landgericht hatte seine Amtsräume in der König'scheu Brauerei (jetzt Denninghoff); an seiner Spitze stand Landrichter Ploch.
. Das Kreisamt und das Stadtgericht sowie die Polizei befanden sich in dem alten Schloß am Kanzleiberg. Tort walteten der Provinzialkommissär Geheimerat Knorr, der Stadtrichter Müller und der bereits erwähnte Polizeirat Zulehner ihres Amtes. Später wurde aus diesem Tempel der Justiz ein solcher des Mars, eine Kaserne, und jetzt sind in dem ehrwürdigen, alten Gebäude,
Die Kernfrage des ganzen Krieges.
Eine ernste Mahnung zum Nachdenken sind die Worte, die ein Student, der 14 Tage später siel, von der Front an seine Mutter schrieb.
„Wenn wir nun mit unfern Waffen den Sieg erfochten, was wird aus all den guten Kräften, die diese Zeit aus uns herausgearbeitet hat? Sieh Mutter, das ist für mich die Kernfrage des ganzen Krieges. Können wir sie mit Zuversicht bejahen, dann können wir alle Opfer verschmerzen. Werden wir Männer und Frauen haben, die für ihre Ueberzeu- gung eintreten, denen die innere Stimme ihres Gewissens mehr sagt, als äußere Anerkennung? Oder wird es wieder so werden wie vor dem Kriege? Aengstliche Scheu vor Leuten von Rang und Geld, brutaler Kampf der Parteiinteressen, Schelten von oben und Schelten von unten, kleinliche Sorgen, leichtfertiger Tanz über alles hinweg? O Mutter,


