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klar vor sich liegen. Es gibt jetzt Trauernde, die sind ganz verbittert, nehmen an anderer Menschen Ergehen keinen Anteil mehr, denken im Geheimen: möge sie das Schicksal nun auch treffen, wie es mich getroffen hat! Tie Gießener Witwe ivar von anderem Schlag«. „Ich wünsche von Herzen, daß Gott sämtliche für (vor) dergleichen harte Trauerfälle bis in die spateste Zeit bewahren möge." Das ist im Leide echte Menschenliebe. Vier kleinere Kinder hatte die Frau noch. Indem fie diese Kinder der Freundschaft und Gewogenheit ihrer Bekannten empfahl, tat sie kund, daß ihr die Sorge für diese Kinder am Herzen lag und daß sie auch ohne den Ehemann ihre .Kinder zu tüchtigen Menschen erziehen wollte. Ter Gott, der nach der Schrift ein Vater der Waisen und Richter der Witwen ist, wird der tapferen Frau zu ihrem Wollen auch das Vollbringen gegeben haben und ihr und ihren Kindern ein freundlicher Führer und guter Hirte gewesen sein. H. B.
Geschichte der Stiftung -er hiesigen Burgkirche.
lieber die Entstehung der Burgkirche haben wir bereits im Jahrgang 1915_ des „Sonntagsgrußes" berichtet. Der hier mitgeteilte Bericht findet sich im „Gießener Jn- telligenzblatt" von 1795. Ta er unsere vor drei Jahren gemachten Angaben in einigen Punkten ergänzt, so lassen wir ihn hier unverändert folgen.
Als im Jahve 1607 die hiesige Universität gestiftet wukde, so beschloß man, eine neue Kirche, und Mar in 'den Äurggarten, welcher damals zu Wohnhäusern angewiesen war, und jetzt die Neuen Baue benannt wird, zu erbauen, und die Zünfte der Stadt hatten bereits eine ansehnliche Summe dazu zusammengeschossen. Ta aber auf den Vorschlag des damaligen Kommandanten und Amtmanns Herrn von Schvautenbach eine Quelle von Rödgen bis in die Stadt geleitet und >aus dem Markt ein Springbrunnen errichtet werden sollte, so fielen beide Unternehmungen zugleich der Bürgerschaft zu schwer, und beide unterblieben.
Es wurde aber auf das Angeben eines italienischen Baumeisters Peter DoUtier auf diese Stelle ein Ballhaus, d. L ein öffentlicher Vergnügungsort für Studierende, welcher hauptsächlich zu Leibesübungen bestimmt war, nach dem Beispiel anderer Universitäten auf herrschaftliche Kosten erbaut. Ta aber dieses Ballhaus, hauptsächlich durch die 1625 geschehene Verlegung der Universität nach Marburg leer und unbesucht stand und man den Mangel einer anderen Kirche für die Volksmenge von Gießen lebhaft zu fühlen anfing, so geschah höchstens Ortes der Auftrag, es zu einer Kirche umzuformen. Ter Fürstliche Baumeister Christoph Helfrich Müller machte das Modell dazu, und der
Generalwachtmeister Hans Günther von und zu Brennhausen betrieb vorzüglich das Bauwesen, welches meist aus Festungsbaumitteln bestritten wurde.
Tie erste Predigt wurde 1645 auf Betreiben des damaligen Oberkommandantei« und Generalleutnants Ernst Albrecht von Eberstein von dem Regimentsprediger Stephan Schüßler gehalten. Nachher wurde öfters den wegen Kriegsunruhen geflüchteten Landleuten von ihren Pfarrern darin gepredigt, nachdem das Kvlkeggebäude, welches vorher dazu gebraucht worden war, zu enge war. 1651 hielt I). Feuerborn bei Wiederherstellung der Universität einen feierlichen Gottesdienst darin, und nachher predigte le- den Sonntag ein Kandidat, wobei die Studenten eine Kirchenmusik aufführten und nach der Predigt ein Städtpfarrer Kinderlehre hielt. D. Haberkorn verrichtete endlich 1658 die feierliche Einweihung, und von dieser Zeit an wurde jedesmal Sonntags, vormittags um 9 und nachmittags um 1 Uhr, und Tonnerstag vormittag Gottesdienst darin gehalten. Tie Tonnerstags- kirche ging nach der Zeit ein, und da die Zeit den Soldaten, welche aut die Wache ziehen sollten, zu spät Ivar, so wurde der Gottesdienst lauf die noch jetzt bestehenden Stunden festgesetzt und ein Zeichen mit der Trommel gegeben.
Der erste Prediger bei der Kirche, welcher zugleich Regimentsprediger war, war M. Justus Geilfuß, der zweyte M. Hartmann Mögen, auf diesen folgte Johann Nicolaus Misler, nachmaliger Professor und Superintendent, .auf diesen U. Ernst Müller, auf diesen I). Michael Siricius, nach diesem Johann Kvnrad Gebhard. Tie ersten Stühle ließen, sich darin -errichten der Generallieutenant von Eberstein, der Leibmedicus und Professor Horst und der Regierungsrat Dieterich. —
Ein schönes Kirchengebäude kann die Burgkirche nicht gewesen sein, da sie aus einem für ganz andere Zwecke bestimmten und augenscheinlich flüchtig und nicht gerade solid aufgeführten Bauwerk entstanden ist. Sie hat auch nur etwlas über 200 Jahre bestanden, da sie im Jahre 1824, wohl wegen Baufälligkeit, labgebrochen wurde. Als man die alte Stadtkirche 1809 niedergelegt hatte und der Neubau sich bis 1821 hinzog, diente die Burgkirche der Gießener Gemeinde allein zum Gottesdienst. Sie war im wesentlichen Garnisonkirche und stand da, wo der Botanische Garten an die Hosreite der Frau Adam (Sonnenstraße 1) angrenzt.
Geschichten und Bilder aus Alt-Gietzen.
4. Einige Anmerkungen zum
erstenGießenerAöreßbuche.
(Fortsetzung.)
In der Folge der' staatlichen Behörden reiht sich an das Provinzialkommissariat das


