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trotzt hat, demnächst den Granaten der Eng­länder zum Opfer fallen sollte. Wie viel Kul­turwerte, namentlich wie viel feine, altfran­zösische Kunst hat doch dieser Krieg seither vernichtet!

Neben der Kathedrale steht das Stand­bild des Peter von Amiens, der den Anstoß zu einer der mächtigsten geschichtlichen Be­wegungen gegeben hat. In der Hand hält der Mönch das Kreuz, um zum Kampfe ge- genchie Ungläubigen und zur Befreiung des heiligen Grabes aus den .Händen der Musel­männer auszurufen. Es ist merkwürdig, daß dieser Krieg diese Befreiung gebracht hat, nachdem die abendländische Christenheit in Jahrhunderten nicht dazu imstande gewesen ist. Unsere Freude über diesen Erfolg ist allerdings aus bekannten Gründen sehr ge­mischt.

Wenig erfreulich ist der Eindruck, den man von der Stadt Amiens selber bekommt. Wer mit hochgespannten Erwartungen nach Frankreich kommt, findet sich bald enttäuscht. Es fehlt die deutsche Ordnung und Sauber­keit, man findet auf den Straßen viel zer­lumptes Publikum. In Paris, der Stadt der Eleganz, derLichtstadt", wie sie Viktor Hugo genannt hat, sah ich an einem Sonn­tagmorgen auf dem Boulevard Sebastopol, einer der Hauptverkehrsstraßen, Menschen in sehr abgerissener Kleidung auf den Bänken der Anlagen liegen. In Amiens lagern vor der Hauptfassade der Kathedrale fortwährend Bettler und Krüppel, die das Mitleid der Fremven anrufen. Namentlich die Seiten­straßen machen einen ungünstigen Eindruck. Tie Kaffeehäuser sind vielfach so, daß ein Deutscher sie nicht betreten mag. Kaffee wird in ihnen zumeist gar nickst getrunken, sondern Absinth, diese abscheuliche, grünliche Flüssig­keit. Aber der Franzose ist ein höflicher Mensch. Freundlich gibt er dem Fremden Auskunft, der Gepäckträger nimmt den Ge­päckschein nicht entgegen ohne ein höfliches Merei, monsieur!" Daß dieselben Men­schen gegen gefangene Gegner so unritterlich sind, ist allerdings auch eine französische! Rasseneigentümlichkeit. Hier zeichnen sich die Frauen in unrühmlicher Weise aus, während der Soldat im allgemeinen im gefangenen Gegner den Kameraden sieht. Scharenweise sah ich die Soldaten von der hochgelegenen Zitaveile herunterkommen, der ich mich nickst näherte, um nicht in den^Verdacht eines Spions zu kommen. Diese Soldaten wir haben sie nun zu Tausenden in unserem Lande gesehen machten einen guten Ein­druck, aber sie hatten eine schlappe Haltung, es fehlte ihnen das Militärische, das Auf­rechte, das dem deutschen Soldaten während seiner aktiven Dienstzeit anerzogen wird. Auch von den Offizieren, die im Hotel Cen­tral aus-und cingingen, kanir ich nur sagen, daß sie sich betrugen wie Männer, die eine gute Erziehung gehabt haben. Im allgemei­nen führt der Franzose ein einfaches Leben.

Morgens um 10 Uhr sah ich, wie die Kell­ner, die vorher im Hofe Gemüse geputzt hat­ten, um große Näpfe, die mit Brotsuppe ge­füllt waren, zusammensaßen. Mancher Deut­sche hätte vor dem Kriege gewaltig gescholten, wenn man ihm zum Frühstücke Brotsuppe sängeboten hätte. Den eigentlichen französi- schen Gesichtstypus findet man in Nord- frankrcich kaum, es fehlen die tiefschwarzen Bärte und der stechende Blick. Die Bewoh­ner dieser Städte machen denselben Eindruck wie die Bewohner deutscher Städte. Berühmt sind die Garten- und Gemüseanlagen, die man in Amiens an der Somme findet. Ich habe sie mir angesehen. Wie oft, wenn ich von der furchtbaren Sonimeschlackst hörte, dachte ich daran, wie friedlich damals der Fluß zwischen denHortillonages", so nennt Man diese Gemüsegärten, hinsloß.

Schmutz und Unordnung sind in Rouen, wohin ich mich nach meinein Aufenthalte in Amiens begab, noch in verstärktem Maße zu finden. Die engen Straßen, die auf die Seine stoßen, sind mit unbeschreiblichen Gerüchen' angcfüllt. Aber auch hier entschädigt die Ka­thedrale für alles. Sie steht allerdings in einer engen Straße, die Apostel- und Heili­genfiguren an der Hauptfassade sind vielfach zerstört, wie >es scheint, ist der Stein verwit­tert. Daß dieses herrliche Bauwerk nicht aus­gebessert wird, ist eine Folge der in Frank­reich vollzogenen Auslieferung des früher kirchlichen Eigentums an den Staat. Der französische Staat, der sich mit der Pflege des religiösen Lebens nicht befaßt, läßt die kirchlichen Bauwerke ruhig ihrem Unter­gänge entgegengehen. Franzosen sind es, die in diesen Tagen die Kirchen von Reims, Laon und Nohen rücksichtslos beschießen.

H.B.

Geschichten und Bilder aus Alt-Gietzen.

4. Einige Anmerkungen zum

er st en Gieß enerAdreß buche.

(Fortsetzung.)

Ganzohne Sühne" blieb übrigens der Aufruhr nicht; denn als sich die Gemüter wieder etwas beruhigt hatten, verhall der Kanzler von Linde den zwölf Rädelsführern wegen eines den Polizeirat Zulchner beleidigenden Artikels in einer Frankfurter Zeitung zu einer drei­wöchentlichen Karzerstrafe, die man mit gu­tem Humor wird in dem erhebenden Bewußt­sein, alles in allem einen Sieg davongetra- gen zu haben, iir dem schon erwähnten Dach­lokal auf dem Landgraf-Philipps-Platz bei Bier., langer Pfeife^und sonstiger Unter­haltung verbüßte.

Kehren wir nach dieser Abschweifung wie­der zu unserem Adreßbüchlein zurück! Am Schlüsse der Universitätsabteilimg befindet sich eine summarische Uebersickst der Studie­renden. Im Wintersemester waren insge-