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noch Mnter dem verpönten Gießener Tünn- Xiier. Er ist denn auch der Mitverursach-er der Studenten-auswanderung nach dem Stau­fenberg (7.11. August 1846) geworden und hat sich damit in den Erinnerungen der Beteiligten ein -entsprechendes Denkmal ge­setzt. Mein Schwiegervater, der iin 84. Le­bensjahre verstorbene Kanzleirat D., hat mir in früheren Jahren -den Vorgang wiederholt geschildert. Beranlaßt würde die damals viel Staub aufwirbelnde Tragikomödie durch einen stark betrunkenen Studenten, der spät in der Nacht zu einem von den Gießener Honoratioren veranstalteten Kinderball im damals Bnsch'schen, jetzt Steins' Garten Einlaß begehrte und mit dem an der Saal­türe postierten Polizeidiener, der ihm selbst­verständlich den Einlaß verwehrte, Händel ansing. Ratlos, was er mit dem um sich schlagenden, rabiaten jungen Mann anfan­gen solle, holte er sich bei dem anwesenden Polizeirat Zulehner Instruktion, die dahin lautete, von der W-affe Gebrauch zu machen. Tie Folge itot, daß der Tüpw-ächter mit sei­nem Polizeisäbel dem Studenten einen übri­gens ungefährlichen Hieb gncr üb-er das Ge­sicht versetzte, i»r den Ruhestörer veranl-aßtc, sich fortan mehr um sich- zu bekümmern. Als länderen Tags die Tat ruchbar tvnrde, be­mächtigte sich der gesamten Studentenschaft jeine ungeheure Aufregung, die einen d-er-< artigen Umf-ang -annahm, daß man außer­gewöhnliche Maßnahmen treffen zu müssen glaubte und eine Schwadron Chev-auxlegers -aus Butzbach zur Aufrechterhaltung der Ord­nung herbeiri-ef, und zwar geschah dies auf Ersuchen des Senats durch das Kreisamt. Das plötzliche Ersch-einen der Soldaten, die im Universitä-tshof-e Aufstellung nahmen, steigerte die Aufregung der mit freiheitlichen Gedanken vollgepfropften Brauseköpfe aus das höchste. Tie sonst zwischen den Korps­studenten, den Burschenschaftern und zweifel­los -auch ünter den übrigen Verbindungen verschiedener Prinzipienrichtungen bestan­denen offenen Feindseligkeiten waren mit einem Schlage verschwunden. Alle.kannten nur das eine: Front zu machen gegen die Vergewaltigung! In eine Protestliste tru­gen sich von 500 Studenten 400 ein: den übrigen mangelte -es an Mut, oder sie fürch­teten für ihr späteres Fortkommen. Reden wurden auf den Straßen und aus den Knei­pen gehalten und Ausschüsse gewählt. Man zog vor das Haus des von den Studenten verehrten Professors C r e d n c r und hielt an ihn eine Ansprache, die dieser beantwor­tete und seiner Mißbilligung über die be­hördlichen Maßnahmen Ausdruck verlieh, je­doch zur Besonnenheit mahnte. Aber man hatte sich schon zu sehr -an dem Oppositions­taumel berauscht, um cinzulenken, und so hieß -es:Auszug, bis das Militär ent­fernt und Uns Genugtuung gegeben ist!" Tie Soldaten wurden verhöhnt, und -es war nur dem überaus taktvollen Verhalten des mit

richtigem Verständnis die ganze Sache über­blickenden Rittmeisters der Dragoner, eines Herrn von Jungenfeld, z-u danken, daß ee- militärischerseits zu keinen Weiterungen kam. Schließlich wurde der von dem Hauptaus- 8 schuß beschlossene Auszug nach, Staufenberg proklamiert und jubelnd angenommen. So kam denn der denkwürdige 7. August des Jahres 1846 herbei, -an welchem die ganze Gesellschaft, allen voran einer mit einer - Kinvcrtrommel, nach Staufenberg aus' rückte, nachdem sich die Quartiermacher vor­her auf die Beine gemacht h-atten. Tie Bauersleute waren auf einen solchen Massen­besuch natürlich nicht vorgesehen Und woll­ten anfangs nichts von ihm wissen. Aber als man -alles bar zu bezahlen versprach, wurde bald Rat geschaffen und alle untergebracht. Ter Ausschuß, vor dessen Geschästsstnbe eine Wache auf- und- -abspazierte, tagte permanent und zwischen ihm ltnd Gießen fanden nun die Verhandlungen statt. Im übrigen be­stand die Beschäftigung derEmigranten" in ununterbrochenen Schmausereien und Trinkgelagen. Eine wahrhaft rührende Für­sorge für ihre Studenten legten die Gießener Bürger -an den Tag. Ganze Ladungen Bier und Eßw-aren brachten sie schon anderen Tags persönliche hin, und- nicht nur das, auch mit barem Geld- griffen sie ihren jungen Freunden unter die Arme. Man sieht hier so recht, wie dem Gießener sein unruhiger akademischer Mitbürger doch ans Herz ge­wachsen ist, und wie dies zum Ausdruck kommt, wenn Not -an den M-ann geht. Ich bin überzeugt, daß man auch heute noch ge­nau so denken und handeln iv-ürde, wie vor 72 Jahren. Durch vermittelndes Eintreten des Gießener Gemeinderats, der sich für die Ausrechterh-altung der Ordnung in der Stadt bei dem Senat verbürgt und von diesem die sofortige Rücksendung der Dragoner, sowie die Zusicherung erwirkt hatte, beim Mini- steriunr für eine -allgemeine Straffreiheit der Beteiligten einzutreten, gelang die Bei­legung der wie ein wüster Traum -anmuten- den Angelegenheit. Nach viertägiger Ab­wesenheit marschierten die Vierhundert in wohlgeordneten: Zuge, mit wehenden Fah­nen in Gießen wieder ein, von der gesam­ten Bürgerschaft, insbesondere aber von den Wirten, Bäckern und Metzgern, herzlichst in Empfang genommen. Aber auch die Stu­denten freuten sich, wieder in geordnete Ver- hättnisse zu kommen: denn sie waren das Zigeunerleben -auf dem Staufenberg satt bis oben hin. Ihre Dankbarkeit den braven Gießener durch einen Festakt im Buschsch-en Garten zu bezeugen, wurde ihnen vom Senat untersagt. Es blieb ihnen daher nichts -anderes übrig, -als diese in einem an den Stadtrat gerichteten Schreiben zu versichern und der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß das freundliche Verhältnis zwischen Bürgern und Studierenden nngetrübtsortbesteh-enmög-c. Auch den Professoren Credner, Hillebrand