56 -
der geburtshilflichen, ferner der chirurgischen Instrumente, b-ag Kunst-, Münz- und An- tlkenkabinetl und der Marstall.
Ter Marstall, welcher sich> in einem langgestreckten, niederen Gebäude da befand-, wo lwutx die Senckenbergstraße in den Lartd- graf-PhiliPps-Platz einmündet, war stets tipp-topp ini Stande. Er wurde von manchen Studenten mehr besucht, wie das Kolleg, denn es gehörte bei einer „honorigen" Verbindung zürn guten Don, in der Knerchacke hoch zu Roß „Eindruck zu schinden", und so war es etwas Alltägliches, die Herren ihren Spazierritt machen zu sehen. Ob der Marstallarzt „für alle Fälle" auch daher war, ist mir nicht mehr erinnerlich. Aber daß ein auf dem, nach eigenem Gutdünken dahinsausenden Pferde sich krampfhaft festhaltender Reiter lauf die spöttische Frage der ihm draußen begegnenden Kommilitonen: „Ra, wohin denn so eilig?" nichts weiter zu antworten wußte, wie „weiß ich's?!" solt des öfteren vorgekommen sein.
Unter der ominösen Ziffer XIII ist das Unrvcrsitäts-Polizeipersonal aufgeführt: ein erster, zweiter und dritter Unterpedell, von den Studenten „Schnurr" genannt, und ein Karzerdiener. Ein Oberpedell war somit nrcht vorhanden. Ob das Zufall ist, oder ob die Herren Studwsi den Unterpedellen die Hölle so heiß gemacht haben, daß sie die Versetzung in die höhere Würde nicht abwarteten, soiidern sich vorher empfahlen; wer weiß es? Tie Pedelle hatteir die undankbare Aufgabe, die Mensuren, welche in der Regel ans der Pulvermühle, dem Windhof, dem Schiffenbcrg, Staufenberg und im Philosophenwald stattsanden, zu Hintertreiben. Sie waren gar gestrenge Herren ulld walteten rhres Amtes mit Geschicklichkeit und List. In allen möglichen Verkleidungen, als Bauer, Metzger usw. suchten sie sich zuiveileu von verschiedenen Seiten an den Ort der Paukerei heranzupürschen.
(Fortsetzung folgt.)
Martin Luther über Wucher, Kettenhandel und Betrug.
Wenn Man die Welt jetzt durch alle Stände ansiehet, so ist sic nichts anders beim ein großer, weiter Stall voll großer Diebe. Darum heißen sie auch Stuhlräuber, Land- und Straßendiebe, nicht Kastcnräuber noch Meucheldiebe, die aus der Barschaft zwacken, sondern die auf dem Stuhle sitzen, heißm große Junker und ehrsame, fromine Bürger und mit gutem Schein rauben und stehlen.
Es ist dieses Jahr das Korn also wohl geraten, als nicht viele Leute gedenken, und sie könnten das Korn wohl geben einen Scheffel wohlfeil, auf daß sie Gott für diesen Selzen dankbar wären. Aber ohne alle Not,
allein um des Geizes tuilteu steigert man das Getreide, und macht der Bauer jetzt aus einem Pfennig drei Pfennige und aus einem Sack drei Säcke. Dieses Stehlen und Rauben wird Gott strafen, und wenn dann die recht teuere Zeit kommt, so gedenke dann an mich und an das Wort Gottes und sammle nur jetzt viele Taler, die dann Bruder Veit (gemeint ist hier der Straßenräuber) könne wegnehmen und dir noch dazu einen Spieß durch den Leib stechen.
*
Es gibt solche, die verkaufen mit Worten im Sack die Ware, die sie selbst nicht Haben. Sie verkaufen sie auf zwei oder drei Tage zu liefern um' 10 oder II Gulden, gehen! daun hin und kaufen die Ware um 9 Gulden oder noch weniger und überreichen sie. Und so 'handeln sie mit dein eigenen Geld und Gut der anderen, ohne alle Gefahr, Mühe und Arbeit und werden reich.
*
Man hat auch gelernt, eine Ware oder Gut zu setzen oder zu legen, da es zunimmt, als Pfeffer, Ingwer, Safran in feuchte Gewölbe oder Keller, daß es am Gewicht schwer werde. Also auch wollene Gewände, Seide, Marder, Zobel in finsteren Gewölben seil zu haben und die Lust verstopfen. Auch ist keine Ware, man weiß einen besonderen Vorteil darauf, es sei mit Messen, Zählen mit Ellen, Maß oder Gewicht. Und daß man ihr eine Farbe macht, die sie von ihr selbst nicht hat. Oder mau legt das Hübscheste unten und oben und das Aergste mitten innen.
kirchliche Anzeigen.
Sonntag, 7. April (Quasimodogeniti).
G o t t e s d i e n st.
2n der Stadtkirche. Samstag 6. April, nachmittags 2 Uhr: Beichte für die Konfirmanden aus der Markus- und Militärgemeinde und deren Angehörige. Pfarrer Schwabe. — Sonntag 7. April, vormittags 9V» Uhr: Konfirmation der Kinder aus der Markus- und Militärgemeinde. Feier des heiligen Abendmahls. Pfarrer Schwabe. — Abends 6 Uhr: Pfarrer Mahr. — Mittwoch 10. April, abends 8 Uhr: Kriegsbetstundc. Pfarrer Mahr.
Zn der Zohannerkirche. Samstag 6 April, nachmittags 2 Uhr: Beichte für die Konfirmanden aus der Lukasgemcinde und deren Angehörige. Pfarrer Bechtolsheimer. — Sonntag 7. April, vormittags 9-/s Uhr: Konfirmation der Kinder laus der Lukasgemeinde. Feier des heiligen Mendmahls. Pfarrer Bechtolsheimer. — Slbends 6 Ufj-r: Pfarrer Ausfeld. — Samstag 13. April, abends 8 Uhr: Das Missionserlebuis der Leipziger Mission in Teutsch-Ostafrika. Missionsdirektor Prof. v. Paul-Leipzig.
Verantwortlich : Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch-und Steindruckerei
R. Lange. Gießen.


