Kriegsarbeit auf dem ihm verbliebenen Arbeitsfelde hat machen dürfen, auf dem er wahrlich nicht untätig gewesen ist. Ja, späteren Geschlechtern wird es geradezu als ein Wunder erscheinen, wenn sie die Art und Weise überschauen, in der trotz der Hemmungen des Krieges die Kräfte des Vereins mit den an sie gestellten Anforderungen, wir dürfen es ohne Uebertreibung sagen, urplötzlich und mit elementarer Gewalt in die Höhe gei schnellt sind.
Selbstverständlich war angesichts der Anforderungen, die die Nöte des Krieges,im engeren Sinne an die Leistungsfähigkeit der Bevölkerung in geldlicher Hinsicht stellten, die Besorgnis groß, für Zwecke wie die unseres Vereins werde nun kaum etwas Nennenswertes übrigbleiben. Um so größer aber war das Staunen der unmittelbar beteiligten Kreise, aU sich im Gegenteile herausstellte, daß gerade das erste Kriegsjahr für unsere Sache eine Ernte abwarf, wie keines seiner Vorgänger. Und das will etwas heißen. Hatte doch der Gustao-Adolf-Vereiu während seines 82jährigen Bestehens die runde ! Summe von 82 Millionen Mark für seine Zwecke umsetzen dürfen. Aber nun w>ar es, als ob sich ihm die Herzen mit ganz besonderer Hingabe und Freudigkeit zuwcndeten. Tie Gesamtheit der Einnahmen ging um rund 18 v. H. in die Höhe. Tie Hauskollekte unseres Zweigvereins Gießen z. B. stieg ge- ven das Vorjahr sogar um 19 v. H. Tie auf das Reformationssest 1914 erhobene Kirchenkollekte machte einen noch größeren! Sprung, indem sie eine Steigerung von über 40 v. H. erfuhr und mit 6067,66 Mk. fast das Doppelte des Vorjahres einbrachte. Auch in den folgenden Jahren hat der Gang der Einnahmen im wesentlichen die gleiche Richtung beibehalten, wenn auch selbstverständlich in weniger schroffer Steigung.
Als das eigentlich Wertvolle muß aber angesehen werden, daß auch in den durch den Verein unterstützten Gemeinden unseres Landes der Eifer namentlich uni die Abwälzung der oft sehr drückenden Schuldenlast nicht nachgelassen hat, sondern sogar gestiegen ist. Bei einzelnen Gemeinden finb die diesbezüglichen Leistungen gegen früher um bis zu 67 v. H. in die Höhe gegangen. Aus unliebsamen Erfahrungen, die in früheren Zeiten gemacht worden waren, indem Gemeinden Lasten auf sich nahmen, zu deren Tragen sie nicht die Kräfte hatten, hat der Vorstand des Landesvereins bie Einsicht geschöpft, daß es notwendig ist, nach Möglichkeit daraus zu dringen, daß die Schuldenlast im ebenmäßigen Verhältnis zu den Kräften der Gemeinde stehe. Unter den Gemeinden, die mit besonderem Nachdruck durch eigene Aufwendungen ihre Lage zu verbessern suchen, ist in erster Reihe Heusenstamm im Rodgau zu nennen. Auch 5>a.§ Glück hat sich hier und da günstig gezeigt. So ist die sehr kleine Gemeinde Dietesheim bei Offenbach auf unver
hoffte Weise und um ein billiges Geld zu einem Gotteshause gekommen. Tie dortige, katholische Kirchengemeinde hatte sich nämlich ein stattliches Gotteshaus zugelegt, das lallen Anforderungen entsprach, an dessen Stelle die alte unzweckmäßig gewordene Kirche in den Besitz der bürgerlichen Gemeinde überging, um von dieser zu dein prosaischen Dienste eines Spritzenhauses in Gebrauch genommen zu werden. Auf Vorstellung der evangelischen Gemeinde Dietesheim ließ sich nun die neue Besitzerin bereit finden, jener das alte Gotteshaus um einen .Kaufpreis zu überlassen, der sic zur Erbauung eines Spritzenhauses instandsetztc. Gewiß ein schöner Beweis konfessioneller Verträglichkeit, der beiden Teilen zu hoher Ehre gereicht..
Tie eigentliche Bautätigkeit, die in früheren Zeiten die Hauptarbeit des Vereins ausmachte und die ihm den Vorwurf eintrug, seine Hauptstärke bestehe in dem Setzen „steinerner" Denkmäler, ist so gut wie völlig zum Stillstand gekommen. Um so mehr kommen dann die vorhandenen Mittel der Aufgabe zugute, das, was sterben will, am Leben zn erhalten. Wie segensreich das Eintreten des Vereins in den vergangenen Schreckensjahren für viele zerstreute Gemeinden >var, davon geben Hunderte von Tankes- und An- . erkennungsschreiben Zeugnis, die dem Bor- I stand zugegangen sind. Wenn je, so ist jetzt der Beweis geliefert, daß es ein Gottcswcrk | ist, dem der Verein seine Dienste geweiht hat. Möge dies auch von denen, an deren Türen in diesen Tagen der Gustav-Adolf-Verein mit der Bitte uni eine Gabe tritt, beherzigt werden. K. G.
Geschichten und Bilder aus Alt-Gießen.
4. Einige Anmerkungen zu in
ersten G i e ß e n e r A d r e ß b u ch e.
(Fortsetzung.)
Unter den akademischen Lehrern befinden! sich berühmte Namen: Hillebraud, Literaturhistoriker, Nationalökonom und philosophischer Schriftsteller, ein Gießener Kind, dem man an seinem Geburtshausc, Westanlage 7, »eilte Gedenktafel angebracht hat! Wernher, Sohn des 1827 zu Darmstadt verstorbenen Geheimen Staatsrats Johann Wilhelm Wernher, Mediziner! Sintenis, Rechtsgelehrter; der Theologe Credner, an welchen eine Marmortasel am Hause Frankfurter Straße 11, in dem er von 1832 bis 1857 wohnte, erinnert; der Geheime Baurat Tr. Hugo von Ritgen und, last not least, der große Chemiker Justus von Liebig, dem die Nachwelt das schöne Marmordenkmal in der Ostanlage errichtet hat.
Einige der damaligen Professoren und Universitätsbeamten stehen den alten Gieße-, nern gewiß noch in persönlicher Erinnerung, z. B. der Physiker Tr. H. Buff, ein stattlicher, starker Mann mit dem großen weichen Filzhute und dem braunen „Valentin",


