Ausgabe 
7.4.1918
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Kriegsarbeit auf dem ihm verbliebenen Ar­beitsfelde hat machen dürfen, auf dem er wahrlich nicht untätig gewesen ist. Ja, spä­teren Geschlechtern wird es geradezu als ein Wunder erscheinen, wenn sie die Art und Weise überschauen, in der trotz der Hemmun­gen des Krieges die Kräfte des Vereins mit den an sie gestellten Anforderungen, wir dür­fen es ohne Uebertreibung sagen, urplötzlich und mit elementarer Gewalt in die Höhe gei schnellt sind.

Selbstverständlich war angesichts der An­forderungen, die die Nöte des Krieges,im engeren Sinne an die Leistungsfähigkeit der Bevölkerung in geldlicher Hinsicht stellten, die Besorgnis groß, für Zwecke wie die un­seres Vereins werde nun kaum etwas Nen­nenswertes übrigbleiben. Um so größer aber war das Staunen der unmittelbar beteiligten Kreise, aU sich im Gegenteile herausstellte, daß gerade das erste Kriegsjahr für unsere Sache eine Ernte abwarf, wie keines seiner Vorgänger. Und das will etwas heißen. Hatte doch der Gustao-Adolf-Vereiu während seines 82jährigen Bestehens die runde ! Summe von 82 Millionen Mark für seine Zwecke umsetzen dürfen. Aber nun w>ar es, als ob sich ihm die Herzen mit ganz besonde­rer Hingabe und Freudigkeit zuwcndeten. Tie Gesamtheit der Einnahmen ging um rund 18 v. H. in die Höhe. Tie Hauskollekte unseres Zweigvereins Gießen z. B. stieg ge- ven das Vorjahr sogar um 19 v. H. Tie auf das Reformationssest 1914 erhobene Kirchenkollekte machte einen noch größeren! Sprung, indem sie eine Steigerung von über 40 v. H. erfuhr und mit 6067,66 Mk. fast das Doppelte des Vorjahres einbrachte. Auch in den folgenden Jahren hat der Gang der Einnahmen im wesentlichen die gleiche Rich­tung beibehalten, wenn auch selbstverständlich in weniger schroffer Steigung.

Als das eigentlich Wertvolle muß aber angesehen werden, daß auch in den durch den Verein unterstützten Gemeinden unseres Lan­des der Eifer namentlich uni die Abwälzung der oft sehr drückenden Schuldenlast nicht nachgelassen hat, sondern sogar gestiegen ist. Bei einzelnen Gemeinden finb die diesbezüg­lichen Leistungen gegen früher um bis zu 67 v. H. in die Höhe gegangen. Aus unlieb­samen Erfahrungen, die in früheren Zeiten gemacht worden waren, indem Gemeinden Lasten auf sich nahmen, zu deren Tragen sie nicht die Kräfte hatten, hat der Vorstand des Landesvereins bie Einsicht geschöpft, daß es notwendig ist, nach Möglichkeit daraus zu dringen, daß die Schuldenlast im ebenmäßi­gen Verhältnis zu den Kräften der Gemeinde stehe. Unter den Gemeinden, die mit be­sonderem Nachdruck durch eigene Aufwendun­gen ihre Lage zu verbessern suchen, ist in erster Reihe Heusenstamm im Rodgau zu nennen. Auch 5>a.§ Glück hat sich hier und da günstig gezeigt. So ist die sehr kleine Ge­meinde Dietesheim bei Offenbach auf unver­

hoffte Weise und um ein billiges Geld zu einem Gotteshause gekommen. Tie dortige, katholische Kirchengemeinde hatte sich näm­lich ein stattliches Gotteshaus zugelegt, das lallen Anforderungen entsprach, an dessen Stelle die alte unzweckmäßig gewordene Kirche in den Besitz der bürgerlichen Ge­meinde überging, um von dieser zu dein pro­saischen Dienste eines Spritzenhauses in Ge­brauch genommen zu werden. Auf Vorstel­lung der evangelischen Gemeinde Dietesheim ließ sich nun die neue Besitzerin bereit finden, jener das alte Gotteshaus um einen .Kauf­preis zu überlassen, der sic zur Erbauung eines Spritzenhauses instandsetztc. Gewiß ein schöner Beweis konfessioneller Verträglich­keit, der beiden Teilen zu hoher Ehre gereicht..

Tie eigentliche Bautätigkeit, die in frühe­ren Zeiten die Hauptarbeit des Vereins aus­machte und die ihm den Vorwurf eintrug, seine Hauptstärke bestehe in dem Setzenstei­nerner" Denkmäler, ist so gut wie völlig zum Stillstand gekommen. Um so mehr kommen dann die vorhandenen Mittel der Aufgabe zugute, das, was sterben will, am Leben zn erhalten. Wie segensreich das Eintreten des Vereins in den vergangenen Schreckensjah­ren für viele zerstreute Gemeinden >var, da­von geben Hunderte von Tankes- und An- . erkennungsschreiben Zeugnis, die dem Bor- I stand zugegangen sind. Wenn je, so ist jetzt der Beweis geliefert, daß es ein Gottcswcrk | ist, dem der Verein seine Dienste geweiht hat. Möge dies auch von denen, an deren Türen in diesen Tagen der Gustav-Adolf-Verein mit der Bitte uni eine Gabe tritt, beherzigt werden. K. G.

Geschichten und Bilder aus Alt-Gießen.

4. Einige Anmerkungen zu in

ersten G i e ß e n e r A d r e ß b u ch e.

(Fortsetzung.)

Unter den akademischen Lehrern befinden! sich berühmte Namen: Hillebraud, Literatur­historiker, Nationalökonom und philosophi­scher Schriftsteller, ein Gießener Kind, dem man an seinem Geburtshausc, Westan­lage 7, »eilte Gedenktafel angebracht hat! Wernher, Sohn des 1827 zu Darmstadt ver­storbenen Geheimen Staatsrats Johann Wilhelm Wernher, Mediziner! Sintenis, Rechtsgelehrter; der Theologe Credner, an welchen eine Marmortasel am Hause Frank­furter Straße 11, in dem er von 1832 bis 1857 wohnte, erinnert; der Geheime Bau­rat Tr. Hugo von Ritgen und, last not least, der große Chemiker Justus von Liebig, dem die Nachwelt das schöne Marmordenkmal in der Ostanlage errichtet hat.

Einige der damaligen Professoren und Universitätsbeamten stehen den alten Gieße-, nern gewiß noch in persönlicher Erinnerung, z. B. der Physiker Tr. H. Buff, ein statt­licher, starker Mann mit dem großen wei­chen Filzhute und dem braunenValentin",