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Gemeindeblatt für die evangelische Birchengemeinde Gießen
Vir- 14- Giesien, Sonntag (Huasnnodogeniti, den 7. April 1918 7. Iahrg:
Lin heiliges Gesetz.
Erangelium des Johannes 12, 24. Es sei denn, daß das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibt es allein. Wenn es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte.
Es ist ein heiliges Gesetz, daß wir im kleinen und im großen bestätigt finden, daß mit dem Leben zugleich auch der $ob auf- tritt. Leben kann sich nur entfalten, indem es Leben tötet. In unserem kleinen Einzelleben bewahrheitet sich dieses Gesetz. Nur, wenn der alte Mensch zerstäubet, wird der! neue wach, nur wenn das zerschmetternde „stirb" vorangegangen, kann das neuschaffende „werde" folgen. Tas Alte muß vergehen, damit das Neue erstehen kann. In unserer Zeit kommt uns dieser geheimnisvolle Zusammenhang zwischen Tod und Leben so recht zum Bewußtsein. Draußen auf den Schlachtfeldern senken wir die Blüte unseres Volkes, das vor sacrum, als Tränensaat in blutige Furchen und hoffen, daß aus dieser Saat ein Neues erstehe, eine Freudenernte reife. Tas Weizenkorn muß ersterben, um Frucht hervorzubringen. In dem Leben unseres Heilandes aber wirkt sich dieses Gesetz vor allem aus. Er mußte den Weg bea ; Todes gehen, um einer ganzen Welt Leben zu schenken. Tas ewige Leben einer schuldbeladenen Welt forderte den höchsten Preis, den Tod des Sohnes Gottes. Mußte nicht ' Christus solches leiden? Mußte er nicht als Wcizenkorn in die Erde fallen und ersterben, damit er Frucht schaffe für die Ewigkeit? Er ist der Lebensfürst, der kraft seines Todes Leben spenden kann. Aber er ist auch die einzige Lebensquelle, deshalb müssen wir allein auf den Mann schauen, der in blutigem Schweiß und Todesgraucn auf sein Antlitz niedersank und den Kelch des Vaters trank. Sein Tod ist unser Leben, deshalb soll unser Leben zu dem Bekenntnis werden: Tausend, tausendmal sei Tir, Liebster Jesu, Tank dafür!
vom Gustav-Adois-verein.
In dieser Woche ist der Bericht des Zentralvorstandes des genannten Vereins über seine Tätigkeit im dritten Kriegsjahr der Oeffentlichkeit übergeben worden. Tie Zwecke und Ziele dieses Vereins sind bekannt und bedürsen vor der Leserschaft eines evangeli- schen Gemeindeblattes weder der Auseinandersetzung noch, der Rechtfertigung. Um
so mehr wird er auf Entgegenkommen und teilnehmendes Verständnis rechnen dürfen, wenn er mit der Absicht vor sie hintritt, ihr über seine Arbeit und die babei gemachten Erfahrungen Aufschluß zu geben.
Ter Gustav-Mdolf-Verein darf mit Dank und Freude bekennen, daß diese Erfahrungen in der letzten Zeit vorwiegend erfreuliche gewesen sind und daß seine Arbeit, trotzdem auch sie unter dem schweren Drucke des Krieges vor sich gehen mußte, eine reichgesegnete gewesen ist. Ties gilt allerdings nur sür die Gebiete seines Wirkens, zu deren Erreichung ihm die Möglichkeit geblieben ist, das sind die Gebiete Europas. Mit den darüber hinaus liegenden wesentlichen Teilen seines ehemaligen Arbeitsfeldes ist ihm leider unter der Ungunst der Verhältnisse jegliche Fühlung verloren gegangen.
Was der Gustav-Adols-Verein in jahrzehntelanger, liebevoller Arbeit in Amerika,. Afrika, Asien gebaut hat, über dessen Schicksal ist selbst der Vorstand des Vereins völlig im Unklaren. Ein einziges Schreiben hat im vorvergangenen Dezember der Vorsitzende von dem Vorsteher der evangelischen Gemeinden inSüdbrasilien erhaltep, das bereits im März 1916 geschrieben war urib nach monatelanger Reise auf abenteuerlichen Wegen den Ort seiner Bestimmung erreichte. Daß über den Inhalt dieses Schreibens nichts Weiteres bekannt geworden ist, hoffen wir als ein gutes Zeichen werten zu dürfen. Sonst aber ist für uns über das einst so froh- bewegte, vor Hoffnungsfreudc strahlende Arbeitsfeld dumpfes, bedrückendes Schweigen ausgegossen. Und eine schwere Svrgenwolkc lastet'auf dem Ausblick in seine Zukunft. Ter Truck dieser Sorge wäre unerträglich, wenn er nicht durch das Vertrauen gemildert würde, das wir zu dem Lenker der Weltgeschicke haben dürfen, daß er über dem schwer angefochtenen Glaubensleben der ^überseeischen Gebiete seine schützende Hand j halten werde. Wir dürfen sogar die feste j Gewißheit haben, daß das in so treuer Liebe gesäte und mit so unendlicher Geduld gepflegte Samenkorn des evangelischen Glaubens zu seiner Zeit Widder, wenn es Gott gefällt, mit neuer Triebkraft erfüllt und zu neuem Leben erweckt, in verjüngter Siegesgestalt auf dem Kampsesboden der Welt erscheinen und eine neue Wirksamkeit entfalten wird. Diese Hoffnung auszusprechen, fühlen wir uns berechtigt, wenn wir auf die Erfahrungen Hinblicken, die der Gustav-Adolf- Berein im Laufe seiner dreieinhalb jährigen


