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Horns in sein Instrument blies, da bekam mein Töchterchen einen so furchtbaren Schreck, daß es seine Blümchen fallen ließ und mir laut entgegenweinte, was die Umgebung, die dafür kein Verständnis hatte, sichtlich amüsierte. Heute ist diese meine Tochter die aufopfernde Pflegerin unseres Alters. Gott segne sie dafür!
Mein Sohn steht seit Kriegsbeginn als -Oberstabs- und Regimentsarzt*) im Felde. Meine jüngste Tochter hat sich verheiratet und mich vor drei Jahren zum Großvater eines Enkels werden lassen, dessen immer heitere Stimmung manch Hellen Sonnenstrahl in die trüben Tage meines Wters sendet. Da unser beider Geburtstage (4. und 6. Juni) nur durch einen Tag voneinander getrennt sind, so haben wir solche in diesem Jahre gemeinsam, er seinen dritten, ich meinen 87. gefeiert.
Noch füllt die Luft der RvseudUft,
Dock Maieuhauch erstarb im Strauch,
Des Vogels Sang im Busch verklang.
Bald deckt den Erdeustaub das fallende Laub. Aber heute doch danke ich's dem lieben Gott, Ter so treu mich geführt durch die Erdennot Und mir aus des Enkels Frohgesicht Vom wiederkehrenden Frühling spricht. — Jetzt fühle ich mich selbst nur noch wie eru vom Sturm entblätterter, knorriger, ol-l ter Stamm, der trauernd herabsieht auf die! rings aufblühende junge Saat, in der die j unersättliche Sichel des Todes die jungen Halme mäht. Bon manchem dieser so früh Tahingegangenen heißt es:
Ich hatte nichts, als grad mein junges
Leben,
^ Und das Hab ich idem Vaterland gegeben, och selbst aber höre im Brausen des .Herbststurmes die Worte:
Herbstblätter fallen im fahlen Schein,
In Allvaters Hanse bald kehrest du ein; Nach rauhen Stürmen deckt süße Ruh' Mit weißer Hülle den Müden zu.
von der Zreude.
Es steht mein Geist vor Ehrfurcht still Und betet an, und er ermißt.
Daß Gottes Lieb' unendlich ist.
Jetzt von Freude zu sprechen, erscheint uns fast wie ein Widerspruch unseres Emp- 'indens angesichts der Fluten von Jammer und Elend, von denen fast die gesamte Erden- welt beherrscht wird. Wir wollen auch nicht von de? l'Luten Freiude ireben, die oftmals als erhebend wirkt und meist den Namen Freude nicht 'verdient, wir wollen uns lrebm mit der stillen, inneren Freude des Herzens beschäftigen, das sich eins weiß mit Dem himmlischen Vater.
Wenn wir es recht bedenken, so sollen und können nicht immer nur große, herrliche
Anmerkung der Redaktion. Jetzt Divisionsarzt.
: Tinge zu uns kommen. Sind die leisen, feinen, schlichten Glücksspendcn nicht die wertvolleren nnb am meisten fördernden? Auch lernen wir wohl alle mit der Zeit, daß die schönste Freude für uns die ist, anderen Freude zu bereiten: nicht in aufdringlicher Werse, aber im sorglichen Erforschen dessen, was ein kummerbeschwertes, cinsanres Gemüt erheitern, seine Sorgenlast zu erleichtern vermag. Tazn sind gar nicht große Mittel nötig; ein liebewarmes Herz nnd ein offenes Auge finden meist das Richtige.
Wen bekümmert es nicht oftmals, zu sehen, wie gleichgültig viele Menschen aneinander vorübcrgehen. Wie beglückend ist es andererseits wieder, zu erfahren, mit wie wenigem mir ein Anfleuchten der Frende in einem bekümmerten Gesichte Hervorrufen können. Wollen wir uns nicht alle zu einem Bunde zusammcnschließen und Frendenbrin- ger sein?
Ich bitte nicht:
Herr, schenk mir Sonnenschein Ans meineni Lebensweg;
Doch gib mir Licht,
Wenn deine Hand mich führt Ten schmalen Leidenssteg.
Baronin R.
Geschichten und Bilder aus Alt-Giehen.
4. Einige Anmerkungen zu in ersten Gieße ner Adreß buche.
In Nr. 10 des „Sountagsgrußes" war von dem ersten Gießeuer Adreßbuch aus dem Jahre 1840 die Rede. Ich bin zufällig > im Besitz eines ebensolchen Buches, oder- richtiger „Büchleins"; denn es ist nur 13 mal 8 Zentimeter groß und einen ganzen Zentimeter dick; es stammt wohl aus dem gleichen Jahre, hat aber nicht nur 4, sondern 10 Abteilungen, und zwar besteht die Erweiterung des Inhalts in:
einem „alphabetischen Namenverzeichnis j der Hausbesitzer", einem „Verzeichnis der zünftigen und unzünftigen Gewerbe", einer „Ucbersicht der Dn Gießen aukommendeu und'abgehenden Posten", einem „Tarif der Personengelder bei den Eilwagen und Briefpost-Conrieren", einem „Fahrplan der Familienwagen und Frachtfnhren" und schließlich in „Angaben über die Mikunft der auswärtigen Boten".
. Das erste Adreßbuch mit den nur 4 Ab-, teilungen war offenbar nur ein Versuch, bei welchem der Verleger seine Hoffnung auf das Universitätsperfonal nnd die Hausbesitzer als demienigen Publikum setzte, bei welchem er mehr Verständnis für die Neuerung mutmaßte.. In erster Linie galt bei ihm iaber zweifellos das erstere als voraussichtlicher Hauptabnehmer: denn der dieses betreffende Teil erfreut sich, im Gegensatz zu dem übrigen Inhalt, eines in die Augen springenden Fettdrucks. Dadurch wurde der Unterschied zwischen den Angehörigen deck


