Einzelbild herunterladen

als man ihr nichts abkaufen wollte, sehr er­regt und ertlärte: Hier wohnt der Teufel. Man. ist es ja von derartigenfrommen" Buchhändlern gewöhnt, daß sie mit Schimpfreden gar nicht wählerisch sind und hinterher erklären, sie hättenZeugnis ab­gelegt" Daß die Agentin um eine solche handelt es sich zweifellos gegen die be­stehenden Kirchengemeinschaften Front macht, geht daraus hervor, daß sie Aeiißernügen tut, die gegen die katholische Kirche gerichtet find, und daß sie in einem Hause, ans oem ein Kind den Konfirmandenunterricht be­sucht, .gesagt hat, die Konfirmation sei ein richtiger Blödsinn. Seltsam zum mindesten klingt die in demselben Hause gemachte Be- nterfinrg, sie, bie Agentin, sei an diesem Tage besonders mit demHerrn verbunden" ge­wesen. Auch läßt sie Einladungen zu einer Versammlung, die angeblich in Klein-Linden stattfinden soll, ergehen. .

Offenbar handelt es sich hier um die Agr» tation einer Sekte, über die neulich irnGre- ßener Anzeiger" zu lesen war. Diesem Blatte wurde am 5. Februar aus Wetzlar folgendes geschrieben:Das Königliche Konsistorium macht bekannt, Pressemeldungen zufolge treibe schon seit längerer Zeit in Deutschland eine aus Amerika stammende, möglicherwepe aus .amerikanischen Geldquellen schöpfende Religionsgesellschaft unter dem Namen Ernste Bibel'o scher" undWachtturm-Bi- bel- und Traktatgesellschaft" durch Verkauf von Schriften, Hausbesuche und Vereins­versammlungen ihre Werbearbeit Nach den Pressenachrichten soll sich die Gesellschaft nicht nur zu den bestehenden Kirchengerneui- schafteu in Gegensatz stellen, sondern auch zu den Staatsordnungen, namentlich durch ent­mutigende Urteile und Voraussagen über den Krieg. Weiin auch bisher von einem Auf- Ireten dieser Sektierer im Aufsichtsbezirke nichts bekannt geworden sei, so wird doch den kirchlichen Behörden enipfohlen, für den Fall, daß .es dazu kommen sollte, auf sie ein wachsames Auge zu haben und ihnen, mit Nachdruck entgegenzutreten "

Daß es sich in Gießen um dieselbe Agi­tation handelt, geht aus den Büchern hervor, die oiese Agentin verkanft bzw. den F-aucn, die sich mit ihr in ein Gespräch einlassen, ausnötigt. In den meisten , Fällen hat man ihr etwas abgekauft, um die lästige Person möglichst rasch loszuwerden. Eins der ver­kauften Bücher trägt den TitelWeissagung und Weltgeschichte" und ist von einem angeb­lichenMissionsdirektor" Conradi verfaßt Tiefes Buch behandelt das biblische Buch Daniel und sucht die darin enthaltenen Weis­sagungen zu deuten. Angeblich sind in dem Buche Daniel schon Voraussagen auf dre französische Revolution, auf Napoleon I. und auf das moderne Tist keureich enthalten. Im­mer und immer wieder taucht die Bemerkung auf, daß das Buch Daniel auf das Jahr 1843/44 abziele. Eine kleinere, durch die­

selbe Kolporteurin vertriebene SchriftWas ist die gegenwärtige Wahrheit für unfere t jetzige Zeit?" (angeblich schon im 500. Tau- I send verbreitet) stellt das Kommen des jüng­sten Gerichtes schon für die allernächste Zerr in Aussicht und schließt mit der Mahnung: ! Der Herr kommt, Zeichen erscheinen über­all Die Warnung erschallt durch die ganze Welt, ein Volk wird erwählt, welches auf sein Kommen wartet; die schrecklichen Vor- j fälle des Gerichtes und die Plagen der letzten Tage sind bereit, über uns hereinzubrechen: > die Welt schläft, eine weltliche Kirche und ! weltliche Prediger verkündigen ihnen von - einem goldenen Zeitalter, welches bald kom- 3 men soll. Wenn diese Dinge wahr sind, was ist dann deine Pflicht? Solltest du nrcht dre Zeichen beachten, die Warnungsstimme an- ] nehmen und dich denen, welche versuchen, dre Welt hinsichtlich des über ihr hängenden Schicksales aufzuwecken, anschlreßen? Mein .

Sit (ntKrfrriheft. diese Bot- I

___

Gebet ^st^daß du dich entscheidest, diese Bot- . . schüft anzunehmen nnd für ihre Verbreitung zu arbeiten." Dieser Schlußsatz sprecht von ; weltlichen" Predigern. Deshalb werden dre , Geistlichen der Landeskirchen mit diesem Prädikate bedacht, weil sie um unseres Vol­kes willen den Wahnideen, der Sektierer ent- gegentrcteu. Die Schimpf- und Drohredcn, die fallen, wenn man denen nichts abkaust, ; die die Weltaufzuwccken" suchen, snw na­türlich eitel geistlichen Charakters. ,

Fassen wir das alles zusammen, io kou- i nen wir nur zu dem Schlüsse kommen, daß es sich hier um die Agitation der ans Ame­rika kommenden Sekte derAdventisten' handelt. Diese Sekte geht auf den Farmer William Miller zurück. Der war ursprüng­lich Baptist, und wie es bei den Sektierern in der Regel geht, daß sie, wenn sie nicht die beanspruchte Rolle spielen können, sich von her seitherigen Bruderschaft loslosen und selbst eine Sekte gründen, so ging es auch mit ihm. Ungefähr seit dem Jahre 1833 predigte Miller, daß Christus in der aller­nächsten Zeit wiederkommen werde, und setzte dieses Kommen auf das Jahr 1843/44 an. Er gab vor, sich hierbei auf das Buch Daniel zu gründen. Natürlich spaltete sich auch diese Sekte schon recht bald, und die getrenntenl Brüder bekämpften sich in der unhöflichsten Weise. Tie Hauptgruppc der Adventisten sind dieAdventisten vom siebenten Tage . Eine Frau White, die schon seit ihrem sieb­zehnten JahreTraumzustände" hatte, hat für diese RichtungOffenbarungen" ausge- geben Leider ist diese Gesellschaft auch nach Deutschland herübergekommen und hat ihren Sitz in Hamburg. Tort besteht eineInter­nationale Traktatgescllschaft", dre Bücher und Schriften adventistischer Art vertreibt, von ihr stammen auch die in Gießen ver­kauften Sachen. Die Lehren dieser «ektierer sind äußerst. merkwürdig: Man erklärt tn ihrem Kreise die christliche Sonntags, eier für heidnisch und feiert den siebenten Tag m der