Woche, also den Samstag, als göttlichen! Ruhetag. Allenthalb-N predigt man das nahe bevorstehende Kommen des Heilandes und das damit zusammenhängende Weltende, wenn man auch, wie weiland Miller im Jahre 1843/44, oft enttäuscht wird. Ein besonders grober Irrwahn der Adventisten ist, daß sie die Unsterblichkeit der Seele leugnen. Die einen unter ihnen sagen, das; die Seele nach dem Tode schlafe, bis sie geweckt werde, die anderen bestreiten, daß es überhaupt eine Seele gibt.
Das Gesagte genügt, um ans das Gemein-. gefährliche dieser Sekte hinzuweisen. Ihre Lehren sind unbiblisch und im höchsten Grade geeignet, die Gewissen der Christen zu verwirren. Man hat den Eindruck, daß dieser Sekte nur solche zulaufen, die nicht geistig normal sind. Auf alle Fälle ist die Agitation dieser Leute sehr gefährljKi. Leichtgläubige, reizbare Menschen werden hierdurch ganz verwirrt und verstört. Am allerbedenklichsten ist jedoch, daß es sich hier um eine Sekte handelt, die aus Amerika herübergekommen ist und vielleicht von amerikanischem Gelde unterhalten wird. Ganz im Sinne unseren Feinde ist es jedenfalls, unsere deutsche Bevölkerung du'ch Bemerkungen über den Fortgang des Krieges zu entmutigen. Sekten — und nicht bloß die Adventisten — haben seit Kriegsbeginn mit Vorliebe solche zu umgarnen versucht, die durch den Krieg herbe Verluste erfahren hatten, sich mithin in einem Zustande der Depression befanden und aufregenden Lehren nur geringe Widerstandskraft entgegensetzten. Daß die Agenten, auf die wir hier Hinweisen, gern Frauen aufsuchen, deren Männer im Felde stehen und daß iie gerade diesen Frauen durch Reden über die noch lange Dauer des Krieges und über die Gefahren, die von neuen Feinden drohen, Furcht einzujagcn suchen, ist ein Gegenstand von großer Wichtigkeit. Deshalb sei vor dieser Agitation gewarnt. Möge jeder, dem diese ungebetenen Gäste in das Haus kommen, der Polizei und der Militärbehörde Anzeige erstatten.
Geschichten und Bilder aus Alt-Gietzen.
1. Kammacher Schäfer.
Aus meiner Jugendzeit ist mir u. n auch noch der alte Kammacher Schäfer in der Erinnerung, ein weißhaariger Siebziger, der sein Geschäft in der „Weidgaß" betrieb. Damals, vor ungefähr 40 Jahren, hatten die Gießener Kammacher mit keiner großen Konkurrenz zu kämpfen; denn es gab hier nur drei dieses Handwerks, und jeder hatte seinen bestimmten „Zulaus". Was man von ihnen für billiges Geld erstand, war unverwüstlich, denn man erhielt gediegene Handarbeit, und es war berechtigt, was der alte Schäfer beim Verkauf eines Kammes mit auf den Weg gab: „Sag deiner Mutter, mit dem Kamm könnt'se en Baam durchjage".
— Als die Frau gestorben und die beiden Söhne in die Welt hinausgegangen waren
— sie leben m. W. als angesehene Leute im Ausland — , gab Schäfer sein Geschäft auf und siedelte auf die Pulvermühle über, die damals der Familie Noll gehörte. Manch frohe Stunde habe ich dort an der Lahn, im Sommer unter der großen Linde im Garten und im Winter in dem behaglichen Wirtszimmer, mit meinen Freunden verbracht und ich bewundere heute noch die Riesengeduld, die unser lieber väterlicher Freund- Herr Noll, un!d seine stets freundliche und gutherzige Frau wie überhaupt die ganze Familie mit uns jungen Brauseköpfen hatte. Dort kam auch zuweilen der alte Schäfer zu uns herunter. In der Regel saß er auf der an der Wand ringsum entlang ziehenden Bank zwischen zwei Tischen, auf deren Kopfenden er die Arme links und rechts auflegte; die Schnupftabaksdose hatte er vor sich und das rote Taschentuch in den Händen. Er hatte eine kurze, gedrungene Figur, war durch das Alter etwas unbeholfen geworden und mußte daher, wenn er einen neben ihm Sitzenden ansehen wollte, den ganzen Körper nach ihm zudrehen. Die Sprache hatte etwas Eigentümliches, was wohl damit zu- sammenhing, daß er bei der Unterhaltung die Zähne nicht auseinandermachte. Das „r" sprach er als Gaumenlaut wie ein „ch", ähnlich wie die Marburger. Wir hatten uns mit dem lieben Alten bald angesreundet; da ging er aus sich heraus und erzählte, immer vor sich hinsehend, seine Erlebnisse aus Amerika, welches er während- eines einjährigen Besuches bei seinem Sohne kennen gelernt hatte. Die kleinen Episoden, die er zum besten gab und in denen er in ironischer Weise mit blutigernster Miene die Ueber- legenheit alles .Amerikanischen über das Deutsche hinstellte, waren daher immer spaßhaft. So schilderte er -auch eines Abends 'eine Präriefahrt. Eine ganze Gesellschaft Herren und Damen war frühmorgens in einem Sommerwagen hinausgefahren. Schäfer freute sich des herrlichen Tages undj dachte, wie er sagte, gerade an gar nichts, als „dersch uff einmal en Knall daht, wie wenn einer e Kanon losgebrennt hält!" Er war entsetzt und halb ohnmächtig vor Schrecken und hielt sich krampfhaft hüben und drüben an den Nachbarn fest. D'e taten aber, als wenn gar nichts passiert wäre, und lachten ihn aus. Der Knall kam von einer „Kentucky-Büchse" her, die ein bei der Gesellschaft befindlicher Jäger auf einen Hasen losgedrückt hatte. Und nun erzählte der Alte, was so eine Kentucky-Büchse für ein fürchterliches Instrument fei. Ein Deutscher könne sie allein nicht tragen; es müßten mindestens zwei sein, so schwer sei sie. Aber der Amerikaner gehe mit ihr um, wie mit einer Feder. Schießen könne man damit, wer weiß wie weit. Mit einem solchen Gewehr könne man 100 nebeneinander liegende „Aelligätters"


