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VOM Gietzener Geschastsleben in früherer Zeit.
In Nr. 3 und 4 unseres Gemeindeblattes batten wir einen Artikel „Gießener Zei- tungsinserate vor 80 Jahren" veröffentlicht und darin auch einige Bemerkungen über das frühere Gießener Geschastsleben gemacht. Wir hatten von einem Gießener Geschästs- mann berichtet, der Zahnkitt in der Zeitung anbot, mit dem sich jeder selbst die schadhaften Zähne plombieren könne. Ein Gned unserer Kirchengemeinde, dem,wir den Namen dieses, wunderlichen Geschäftsmannes mitgeteilt hatten, schickt uns hierzu einige wertvolle, interessante Ergänzungen. Obwohl der Mann mit dem unfehlbar werkenden Zahnkitt heute keine Nachkommen mehr hier hat — sein Name ist allerdings in Gießen noch vertreten — , so liegt doch kein Grund vor, daß wir seinen Namen hier nennen. Unser Gewährsmann schreibt:
„Den Kam mann C. F. habe ich noch gekannt. Er steht mir in der Erinnerung als ein weißköpsiger und griesgrämiger Herr, der seinen Laden in einer belebten Straße, der Altstadt hatte. Bor 50 Jahren bestanden die Erkerscheiben noch nichft, wie das jetzt der Fall ist, aus einer großen Glasplatte sondern aus einer Anzahl kleiner, etwa fußhoher Scheiben, die in einem großen, ganz aus Holz bestehenden, in Felder eingeteilten Rahmen eingesetzt waren. Biel Licht fiel somit nicht in die Läden, zudem wurde das Licht noch durch die vielfach als Warenlager benutzten Erker ausgehalten. Deshalb stan- d-en die Läden, selbst bei Hellem Sonneit- schein, stets in einem magischen Halbdunkel, welches dem Laden des C. F. insofern zustatten kam, als man dann nicht so genau: sehen konnte, was alles darin aufgestapelt war. Ich mußte für meinen Onkel, der ein eifriger Spatzenjäger war, die Zündhütchen, Pulver und Schrot bei F. holen und jedesmal meinen Legitimationszettel mitbringen, der dann an der ossenen Ladentür gelesen' wurde, an welcher sich auch die Bezahlung abwickelte. F. handelte mit allen möglichen und unmöglichen Dingen, u. a. auch mit Bartzwiebeln, die er, wenn ich nicht irre, im Gießener Wochenblatt unter „Garantie der Wirkung, im anderen Falle Geld zurück" anpries. Die Wirkung bestand aber bei den jungen Leuten, die die Sache einer Probe wert hielten, zumeist in einem grindigen Backen. Eine Reklamation soll dann stets mit der Behauptung abgelehnt worden sein, daß die Zwiebel infolge zu starker Anwendung „zu rapid" gewirkt habe. — Die alten Gießener „Spießer", wie die Bürger von den Studenten genannt wurden, waren durchweg Originale, und wenn ich in Ihren Mitteilungen aus vergangenen Zeiten aus bekannte Persönlichkeiten stoße, so fallen mir
allerlei Erlebnisse, die sich aus diese beziehen und die Leute der jüngeren Generation ku- rios anmuten würden, ein. Der alte Gicßc- ,.rer war derb, das brachte sein Beruf als Landwirt mit sich, aber er war ein guter Kerl, ein getreuer und hilfsbereiter Nachbar und Freund. C. F. galt als ein Knicker und da, wo man bei geselligen Ausflügen oder dergleichen die Gießener traf, fand man ihn nicht. Er war aber ein reeller Kaufmann und, was man bei ihm erhielt, war gut — mit Ausnahme des Zahnkittes und der Bartzwiebeln."
Kleine Mitteilungen.
Man hört zuweilen unwillige Bemerkung gen über den langsamen Gang der Friedensverhandlungen zu Brest-Litowsk. Wer die Geschichte kennt, der weiß, daß der Kriegs über Nacht kommt, daß aber Frredensver-: Handlungen sehr viel Zeit brauchen. Eins Bismarck brauchte bei relativ klaren Ber-! hältnissen 1871 über vier Monate, um mit. Frankreich sich zu einigen. Bei den Friedensschlüssen von Nymwcgen (16 < 9) und Rus- wik (1697), soivie bei dem Wiener Kongreß (1815) zogen sich die Verhandlungen eben-: falls viele Monate hin; auch der Hubertus- burger Friede (1,63) kam trotz der Erschop-f fung der Beteiligten erst nach Monaten zu-i stände, über den Westfälischen Frieden wurde > vier Jahre lang (1644—48) verhandelt.
Kirchliche Anzeigen.
Sonntag den 10. Februar.
E st o m i h i. Gottesdienst.
In der Stadtkirche. Vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Schwabe. — Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche • für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. — Abends 6 Uhr: Pfar-. rer Mahr. — Abends 8 Uhr: Elternaüend7 der Konfirmanden-Vereinigung der Matth.- Gemeinde. — Dienstag den 12. Februar,; nachmittags 4 Uhr: Frauenmisfionsverein.— Abends 8 Uhr: Versammlung des Frauen- j Vereins der Markusgemeinde.
In der Iohanneskirche. Vormittags 9Vi Uhr: Pfarrer Ausfeld. — Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemcinde. Pfarrer Ausseld. — Abends 6 Uhr: Psar-! rer Bechtolsheimer. — Abends Vs8 Uhr: - Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Lukasgemeinde. — Abends »j Uhr: Bibelbesprechung im Johannessaal.
L-r-ntwörUich : -psarr-r Bechtolsheimer Druck und Verlnc, der Brühi'schen Uni»ersit«t».Buch. »nd Steindruck««
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