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fach war das Straßenpflaster aufgerissen, ganze U.erböschungen h..tte das Wasser weggespült, eine gelbe Kruste an den Häusern zeigte den Stand an, den das Wasser in den einzelnen Straßen erreicht hatte.
Es wird lange dauern, bis die letzten Spuren des furchtbaren Unwetters verwischt sind, das in seiner Größe dem von 1725 nahe kam, bei dem das Wasser bis zur Eisernen Hand an der Brücke und bis zu der in der Nikolauskirche angebrachten Gedächtnis- tefel stand. Fünf große Wassersluten haben Kreuznach bisher heimgesucht. 1458, am 13. Mai 1725, 27. Juli 1784, 26. Februar 1844 und 16. Januar 1918.
18. Januar 1918:
Mittwoch nachmittag von 2.40 Uhr an fiel das Wasser der Nahe in der Kirner Gegend. Um 4 Uhr begann es auch in Kreuznach zu sinken. Abends 8 Uhr konnte man die Mannheimer Straße teilweise wieder passieren.
Jetzt, wo man die Wirkungen des Unwetters bei Tag besehen kann, läßt sich erst die ganze Größe des Schadens erkennen, den das wütende Element unserer Bevölkerung zugefügt hat. Werte, die in die Millionen gehen, sind vernichtet worden. Ein jeder Beschreibung spottendes Bild der Zerstörung bietet die Kurhausstraße. Metertiefe Löcher wühlte das Wasser in den Fahrdamm, dessen Decke völlig ausgewaschen wurde. Fußhoch liegt der angeschwemmte Schlamm umher. Tie Trottoirplatten wurden vom Wasser ausgehoben, die schweren Bordsteine wirr umhergeworfen. Tie Mauern und Zäune vieler Vorgärten sind umgerissen worden, gewaltige Löcher wühlte das Wasser in den Gärten auf und spülte Erde und Pflanzen fort. Drei der schönen großen Platanen stürzten um, Laternenpfähle liegen guer über die Straße. In allen Kellern steht noch zu dieser Stunde das Wasser bis zur Decke. Die Küchen und Vorratsräume der Hotels sind samt allen Vorräten völlig verschlammt, ein wüstes Chaos bildet der Inhalt der Läden in der Kolonnade des Bäderhauses. Große und kostbare Warenvorräte gingen dort zugrunde. An den Häuserwänden und Zäunen klebt bis zu einem Meter hoch der gelbe Schlamm, untermischt mit Pflanzenresten. Tie meisten unteren Wohnungen mußten geräumt werden. Wo cs nicht mehr gelang, die Möbel zu bergen, Nt alles verschlammt und vieles verdorben. Gleich übel spielte die Wasserslut vielen Be- wohneren der Luisenpromena.de, Luisenstraße und der bereits gestern erwähnten anderen Straßen mit.
Erfreulicherweise stellte die um Hilfe an- gerufenc Militärverwaltung sofort die nötigen Hilfskräfte zur Verfügung. Aus Mainz ; traf ein großes Pionierkommando ein. Die geschulten Truppen sind emsig damit beschäftigt, die Spuren der Zerstörung zu be-!
fettigen. Auf der Kurhausstraße wimmelt es wie in einem betriebsamen Ameisenhaufen von fleißigen Arbeitern, die erfolgreich den Kampf mit Wasser und Schlamm ausgenommen haben. Dazu durchziehen große Schwarme von Besichtigungsreisenden die beschädigten Straßen. Tie Landsturmbataillone stellten entgegenkommend alle verfügbaren Mannscha.ten zur Hilfeleistung zur Verfügung.
Erschwert werden die Uebelstände für die Bevölkerung durch die Störung der Gaszufuhr und die stellenweise Beschädigung der elektrischen Anlagen. Viele Bewohner der beschädigten Straßen sitzen daher abends völlig im Dunkeln.
Soviel bisher bekannt geworden ist, hat die Ueberschwemmung erfreulicherweise keine Menschenleben gefordert. Alle vom Wasser anget iebeuen Personen konnten gerettet werden, wenn auch oft unter großen Schwierigkeiten. Mehrfach mußten Kinder, die sich auf Zäune geflüchtet hatten, beim Steigen des Wassers durch Fuhrwerke geholt werden. In mehreren Bureaus in der Kurhausstraße saßen die Koiitoristinnen Tag und Nacht fest, ohne daß man ihnen Nahrung reichen konnte. Tie Schülerinnen des Lyzeums blieben mit den Lehrerinnen nachts im Schulgebäude.
19. Januar 1918:
Ein jammervolles Bild der Zerstörung bieten die Mittwoch von der Ueberschwemmung heimgesuchten Straßen der Stadt. Tie Mannheimer Straße ist vom Bismarckplatz bis zur Kreuzstraße, heute, nach 3 Tagen, noch immer gesperrt, da dem Stern'schen Geschäftshaus der Einsturz droht. Es ist von seinen Bewohnern verlassen worden. Mit ihrer Habe mußten sie von dannen ziehen, um nicht unter den Trümmern begraben zu werden. In den anderen Läden hat ein Großreinemachen begonnen, bei dem mit Schippe und ungezählten Kübeln Wasser der fußhoch den Boden bedeckende Schlamm entfernt werden muß. Ganze Wagenladungen verdorbener Vertaufswaren müssen fortgeworfen werden. Aus dem Lehm vor dem großen Rothschild'schen Geschäft lugt mit anderem eine Bluse hervor, die noch in weithin sichtbarer Aufschrift den Preis anzeigt: 80 Mark.- Tie Verkäuferinnen dieses arg mitgenommenen Geschäftes wurden, als die Flut im Laden stieg, von mehreren Soldaten ins Trockene getragen. Jetzt umgibt den ganzen Bismarckplatz ein hoher Wall von Schlamm und angeschwommenem Gerümpel. Vor vielen. Häu- lern stehen Pumpen, um mit menschlicher oder Maschinentrast das Wasser aus den Kellern zu heben. Wo das Wasser die großen Fensterscheiben eindrückte, sind die Schaufenster radikal geleert, die Flut hat alle ausgestellten Waren mitgenommen.
(Fortsetzung folgt.)


