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ist seine Kraft in unserer Schwachheit mäch­tig.Wenn mein Können, mein Vermögen nichts vermag, nichts helfen kann, kommt mein Gott und hebt mir an, sein Vermögen beizulegen."

Darum laßt uns recht beten lernen, das tut uns heute not. Wer nur betet, um Got­tes Hilfe zu erzwingen, der betet noch nicht recht. Gottes Stunde verzieht oft, er sagt oft nein, auch dem Frommen. Sondern das ist das Kennzeichen des rechten Gebetes, daß der Mensch weiß, er steht der höchsten Maje­stät selbst gegenüber. Dem rechten Gebet muß immer etwas von dem Wert Nachfolgen: Ich habe den Herrn von Angesicht zu An­gesicht gesehen, und meine Seele ist genesen." Ein rechtes Gebet schafft Trost und Er­quickung, wie sie die Welt nicht geben und nicht nehmen kann. Wenn wir darum heute fragen: Was kann den Trauernden Trost geben und was kann uns alle stark machen^ wir finden sogleich die Antwort: allein das Gebet, das rechte, gläubige Gebet der Seele, die dem Herrn vertraut, wie sie auch ge­führt werden mag. Darum wollen wir den himmlischen Vater in aller Demut bitten, wie einst die Jünger den Herrn Jesum: Herr, lehre uns beten! W. R.

Line deutsche 5tadt in der Wassersnot.

(Fortsetzung.)

Wer außerhalb seiner vier Wände von dem Wasser überrascht wurde, konnte nicht heim. So ging es Tausenden von arbeiten­den Frauen und Männern, sowie zahlreichen Schülern. Bei Freunden,' Bekannten und menschenfreundlichen Bürgern fanden sie freundliche Ausnahme, Obdach und Nahrung.

Aus den Kellern konnte bei der Schnellig­keit des treibenden Wassers kaum etwas ge­rettet werden, große Wintervorräte sind dort zugrunde gegangen und fortgespült worden. Als dann das Wasser in die unteren Wohn- räunre der Häuser drang, wurden die niedri­gen Stockwerke wenn genügend Hilfs­kräfte zur Hand waren geräumt, die Be- twohner -zogen sich in die höheren Etagen zurück. In vielen Häusern stand das Wasser bis zur Zimmerdecke, die Möbel schwammen umher. Zahlreiche Läden standen unter Wasser, in anderen wateien die Besitzer knie­tief im Wasser umher, um noch zu retten, was zu retten war. In den Gärten wurden fast alle Pflanzen entwurzelt. Eingesperrtes Vieh kam um, anderes konnte in die Woh­nungen gerettet werden. Manches junge Schweinchen tummelte sich in der Stube um­her. Wer Telephonanschluß hatte, konnte we­nigstens durch den Draht mit der Außenwelt in Verbindung treten, denn unsere Telephon- beamtinnen haben wacker auf ihrem wichtigen Posten ausgehalten, ohne Ablösung und ohne Speisung vom Morgen bis zum Abend. Aus einigen besonders gefährdeten Häusern rettete man die Bewohner mit Leitern und Kähnen,

aber in den meisten Straßen schloß die rei­ßende Strömung diesen Weg aus. Kaum eine Handbreit unter den Bohlen schoß das Wasser durch die Eisenbahnbrücke. An der alten Brücke blieb es etwa 20 Zentimeter unter der eisernen Hand, die den Stand des Hochwassers von 1725 anzeigt. Auf Automo­bilen und Lastwagen suchten einige Bürger ihr Haus zu erreiche::, ganze Wagenladungen verängstigter Menschen nahmen so ihren Weg durch das Wasser. D,t ging den Pferden die Flut bis an den Hals. Stabsarzt Tr. Hessel, der von der Hilfeleistung t bei dem großen Eisenbahnunglück bei Kirn zurücklehrte, konnte seine Wohnung nur noch zu Pferd erreichen. Auch Frauen und Kinder brachte man auf diese Weise in Sicherheit. Andere Leute versuchten es mit Kähnen, mußten aber bei der gefährlichen Strömung die hals­brecherische Fahrt bald aufgeben. EckeKreuz- und Mannheimer Straße geriet ein mit neun Personen besetzter Nachen in den Strudel und wurde gegen ein Haus geschleudert. Alle nerm Insassen des Kahnes stürzten in das mehr als niannshohe Wasser, konnten aber gerettet werden. Gegen 12 Uhr hörte man in der ganzen Stadt eine furchtbare De­tonation. In dem Geschäck von Stern, in der Mannheimer Straße, hatte das Wasser im Keller lagernde Karbidvorräte erreicht und bildete Azetylengase, die sich entzünde­ten und in heuiger Explosion fast das ganze Haus zerstörten, das sich schräg nach vorn neigte. Menschen sind erfreulicherweise die­sem Unglück nicht zum Opfer gefallen. In der Kurhausstraße drückte das Wasser das Schaufenster der Musikalieflhandlung Wolsf ein. Ter Kurgarten stand bis zur Höhe der Terrasse des Kurhauses unter Wasser, an der Kaiserau riß her Strom die große Hängebrücke fort, von der nur noch traurige Reste des Eisengerippes über dem Wasser hängen. Tie Roseninsel bildete mit der Luifcnpromenade von der Salinenbrücke ab einen gewaltigen See, aus dem nur die obe­ren Stockwerke der Häuser und die Kuppe des Trinkbrunnendaches hervorragtcn.

Einen gigantischen Anblick bot die zum reißenden Strom angeschwollene Nahe von der neuen Brücke aus. Da sah inan die gelbe:: Wassermassen in mehr als 100 Meter Breite in sich wild überstürzenden Wellen alles Land bis zur Volksbank überfluten, eine gewaltige Symphonie der Kraft der Na­tur. An der neuen Brücke gelang cs einem Schlauen mit seinem Regenschirm einen da­herschwimmenden Korbsessel aufzusangen. Tie elektrische Bahn konnte nur auf einigen Außen-Teilstrecken den Verkehr aufrecht­erhalten. Abends boten ihre auf den Straßen stehenden Wagen Obdachlosen Unterkunft. Erst abends gegen 9 Uhr gingen die Fluten zurück, um 12 Uhr nachts konnte man einen Teil der Mannheimer Straße wieder passie­ren. Ticker, zäher Schlamm lag auf den. in Grund und Boden zerstörten Straßen, viel-