Einzelbild herunterladen

Dichter waren, die um die Mitte des vorigen Jahrhunderts unsere Stadt besungen haben. Wir müssen also auf den kommenden großen Lokaldichter in Geduld noch ararten.

Eine deutsche Stadt in der Wassersnot.

Am 16. und 17. Januar ist das ganze mitteldeutsche Gebiet von großen Ueber- schwemmungen heimgesucht worden. Auch unsere Lahn stieg über ihre User, und die Be­wohner der Schützenstraße waren von dem Verkehre abgeschnitten. Doch ist uns größeres Unheil ferngeblieben. Man hat schon oft be­mängelt, daß man einst die Main-Weser- Bahn auf dem hohen Damm an der Westseite der Stadt vorbeigeführt hat. Kein Gerin­gerer als Justus von Liebig soll die An­regung zu dieser Führung der Eisenbahn­linie gegeben haben. Man hat mit vollem Rechte gesagt, daß das Gießener Stadtbild sich weit schöner gestaltet hätte, wenn man die Bahn an der Ostseite der Stadt vorbei- geführt hätte. Aller Wahrscheinlichkeit nach «wäre dann die moderne Entwicklung nach. Westen in der Richtung nach Heuchelheim ge­gangen. Gießen würde heute auf beiden Ufern der Lahn liegen, die beiden Stadtteile, der alte und der neue, wären jetzt durch! eine Reihe von Brücken miteinander verbunden, was zweifellos ein schönes- Bild geworden wäre. Vielleicht war es doch gut, daß es -anders, gekommen ist; denn sonst wäre unsere Stadt in jedem Jahre bei der Schneeschmelze von Ueberschwemmungen betroffen worden Wie schrecklich das Wasser, das über den Rand der Flußufer hinaussteigt, werden kann, zeigt uns eine anschauliche Schilde­rung, die uns aus Kreuznach! zugegangen ist. Sie beweist wieder aufs neue, daß Wassers­not viel.gefährlicher ist als Feuersnot. Gegen das Feuer kann man sich wehren, gegen das unheimlich gurgelnde Wasser nicht. Der Äreuznacher Chronist hat seinen Bericht für icden Tag der Uebcrschwemmung ausge­zeichnet. Ta seine Schilderungen auch- für die interessant sind, die die Stadt an der Nahe nicht aus eigener Anschauung kennen, so seien sie in unserem Gemeindeblattc wieder­gegeben.

^ 16. Januar 1918:

. zufolge des heftigen Regenwetters, das wir, seit ewigen Tagen im ganzen Nahe- gebret haben, und der bei der milden Tem­peratur außerordentlich schnellen Schnee­schmelze iw Gebirge ist die Nahe seit gestern abend rapid angeschwollen. Schäumend tosen ihre lehniig-gelbcn Wogen zu Tal, an vielen MEkN dre Ufer überschwemmend. In der Kreuznach stehen zahlreiche Keller der an der Nahe liegenden Häuser unter Wasser, ch^oer Karlsstraße können mehrere Häuser mchlt benutzt werden, da die Zugänge über­schwemmt smd. Das reißende Wasser führt große Mengen Stroh, Holz und ganze Ställe mit Hühnern und Kaninchen mit sich.

17. Januar 1918:

Eine furchtbare Wasserflut suchte gestern Kreuznach heim. Reiche Schneefälle im Ge­birge der. oberen Nahe, plötzlich einsetzeudes Tauwetter und he tige Regengüsse ließen in öcr Nacht zum Mittwoch die Nahe aus ihrem ojinzen Lauf .rapid anschwellen. Gestern morgen, schoß das Hochwasser brausend unter den Brucken dahin. Von Stunde zu Stunde stieg die reißende Flut. Morgens 9 Uhr waren alle Keller .an Nahe und Mühlenteich überschwemmt, eine Stunde später standen schon die Uferstraßen unter Wasser, das bis gegen 2 Uhr mittags stieg. Tie Häl te der ganzen Stadt stand unter Wasser, in den Hauptverkehrsstraßen stand das Wasser bis zu 1.50 Meter hoch. Aller Verkehr war unterbrochen. In reißendem Strom schossen die Wasser dahin, alles, was nicht festge­kettet war, mit sich fortreißend. Auf den hoher gelegenen Straßen und Brücken sam- melten sich, große Menschenmengen an, denen bald reder Schritt vorwärts und auch der Rückweg von den Wassermassen abgeschnitten wurde. Ter Bismarckplatz glich, einem großen See. Von der Hardt bis zur Salinenstraße, vom Eiermarkt bis jurn städtischen Lyzeum, Es eine Wasserflut, die mit dämonischer Gewalt ihr Zerstörungswerk vollbrachte und zahlreiche Beutestücke auf den zu Tal stür­zenden Wellen davontrug. Da schwammen Baume und Sträucher, Kartoffeln, Gemüse Flasch.en, Fässer, Balken, Bretter, Hunde­hütten, Viehställe und tote Tiere vorbei, Haus- und Küchengeräte aller Art, Eimer, Stühle, Tische, Sofa, Handwagen, Schlitten, Leitern, ganze Bretterwände und sogar Menschenleichen wollen einige Bewohiier ge­sehen haben. Mit unheimlicher Geschwindig­keit wälzte sich, das grausige Sch.auspiel an den Augen vorüber, hochauf spritzte die Gischt der Wellen.

Machtlos standen die Menschen der Riesenkraft, des entfesselten Elementes gegen- lüber. Tie Bewohner der überflutete» Straßen waren Gefangene in ihren rings von der Flut eingeschlossenen Häusern. (Fortsetzung folgt.)

Leiden.

Alle Leiden dieser Zeit Schlagen zu der Herrlich keit Eine seh'ge Brücke.

Ist!es nicht eine Zeit des Leidens ohne- gleichm, die der .größte Teil der ganzen Menschheit auf dem Erdenrund nun zu tra­gen hat, ja schon seit Jahren trägt ? I Blicken wir um uns und schauen wir in uns, , stets kommt die Sorge zum Vor­schein, sei es um die Schwierigkeiten des täg­lichen Lebens, sei es viel mehr noch um die Not, das Elend und die Trauer ungezählter Scharen unter allen Völkern. Wir können uns nicht ausschließen aus dem Kreis der Trauernden, die ihr Liebstes Hingaben für