lichen Tod, in Nacht und Oede ein. Gott allein ist die Quelle des Lebens, und nur in seinem Lichte sehen wir das Licht. H. B.
Gietzen in der Dichtung.
(Schluß.)
Sehr „poetisch" ist ein Gedicht, überschrieben „Die Schur". Der Verfasser macht hierzu die Randbemerkung: „So heißt die chauffierte Straße nebst dem fast in jeder Jahreszeit >angenehmen Fußwege, w-elcher zwischen einer Doppelreihe von Bäumen rings um die alte Stadt läuft und von dem sogenannten Glacis der Vestung herrührt." Einige Verse aus diesem Gedichte verdienen es, der Vergessenheit entrissen zu werden: „Unter deiner Bäume Schlotten Wall ichl gern, o kühle Schur!
Deine Gärten, deine Matten Sind die segensreichste Flur.
Lieblich! rauscht des Baches Welle,
Ter im Kreise dich umfließt,
Und Gedanken lernst und Helle,
In des Wallers Busen gießt.
Frauen wallen auf und nieder Laben sich in deinem Kühl',
Hören deiner Säng!er Lieder Ferne von dem Stadtgewühl.
Und die Musensöhne treiben Hier ihr Jugendwesen froh;
Tenn wie lange wird's so bleiben,
Und die goldne Zeit entfloh!"
Unfreiwillig komisch ist der erste Vers eines Gedichtes, in dem Alois den Philosophenwald besingt. Er reimt da folgendes zusammen:
„Stiller Wald der Philosophen Kühler, trauter Schattengang, Lieblingsaufenthalt der Zofen,
Dir auch weiht sich mein Gesang.
Und ihr zürnt wohl nich.t, ihr Bäume, Tiefe Denker nur gewöhnt,
Daß ein Sänger bunter Träume,
Hier einmal ein Liedchlen stöhnt!"
Alois der Taunide hat eine rege Phantasie, wenn er von den Zofen spricht, die zu seiner Zeit in Gießen lebten, das „Anzei- gunes Blatt" spricht nur von Dienstmädchen, die Mitunter gesucht wurden. Sicher haben sich! die Bäume des Philosophenwaldes vor Entsetzen geschüttelt, als der Dichter dort sein Liedchen „stöhnte".
Voll von zarter Empfindung ist ein Gedicht, überschrieben „Lahnfahrt". Also läßt der Sänger sich vernehmen:
„Ich saß ihr gegenüber Iw leicht bewegten Kahn,
Wir flogen rasch vorüber Auf glatter Wellenbahn."
Tie, die ihm damals gegenüber saß, so behaupteter, habe Adelma geheißen: es muß ein schönes Bild gewesen sein, wie Alois der Ta'mid' und Adelma im leichtbewegten Kahn vorüberflogen. Aber Alois scheint ein pe
dantischer und langweiliger Jüngling gewesen zu sein; denn so berichtet er:
„Viel mußt' ich ihr zu sagen Von Burgen, alt und grau,
Tie hoch herunter ragen Wohl über Strom und Au."
Man sollte meinen, daß Adelma für den Gleiberg, Vetzberg und Staufenberg wenig Interesse gehabt habe, aber Alois der Taunide versichert uns:
„Ich trug die alte Kunde Begeistrungsvoll ihr vor;
Sie hing an meinem Munde Mit aufmerksamem Ohr."
Aber der Sänger ist schüchtern, über den alten Burgen scheint es nicht zur Aussprache über den Gegenstand, der ihm am Herzen lag, gekommen zu sein; denn er berichtet: „Ich konnte ihr nicht sagen Das Wort: Ich liebe dich!
J>ch konnte sie nicht fragen:
Adelma, liebst du mich?"
Einige Tage später, als er gerade im Burggarten (heute der Botanische Garten) die Blümlein befragt, begegnet ihm Adelma wieder, aber auch hier findet er nicht das rechte Wort; denn er ruft pathetisch aus: „Ha! sie kommt, was soll ich sagen?
Mich erdrücket fast die Scham!
Doch ich will, ich will sie fragen:
Wie ihr unsre Fahrt bekam?"
Zaghafter Jüngling! - -
Noch viel minderwertiger ist eine Gieße- 1; ner Karnevalsreimerei, die im Jahre 1852 ohne Nennung d^s Namens des Verfassers erschien und den Titel trägt „Ausführliche Beschreibung der Stadt Krähwinkel im Lande der Narren, welches zwar gar nicht weit von hier liegt, aber doch ohne diese Beschreibung auf keiner Landkarte zu finden ist." Das Ganze ist so gedacht, daß der Verfasser einen Bilderkasten mit vierzehn ver- , schiedenen Bildern zeigt und dazu seine Bemerkungen Mlacht. Wir teilen folgendes dar- ans mit:
„Sechstes Bild.
Auf diesem leeren, weißen Schild Erblicket ihr ein Luftgebild,
Ihr Leute, seht das Bild euch! an:
Es ist die künftige Ei enbahn.
Siebentes Bild.
Ties Bild hier auizuwei en hat Die größte Zier von unserer Stadt:
Das schönste Slraßenpfla'"'er seht.
Auf dem man stie c'arm sich! geht.
Achtes Bild.
' Und dieses Bild hier gleich! dabei Zeigt, wie die dalige Stadtkirch sei:
Sie gleicht nicht ewem Gotteshaus;
Wie ein Theater sieht sie aus."
Tie Bemerkungen über das damalige Straße"p'la^er und die Stadtkfrche sind nicht
ganz unrichtig. 1 --
Aus den mitgeteilten Proben werden unsere Leser gesehen haben, daß es keine großen


