Ausgabe 
20.1.1918
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tige Verhalten beobachtet zu haben; baut, Kreis rat Knorr wirb nicht ohne Grund beim Wiederbeginn der theatralischen Vorstellun­gen inr September 1838 folgendes bekannt gemacht haben:Während der Vorstellung dars^Niemand einem Tritten durch! seine Stellung oder sein Betragen beschwerlich fal­len und müssen Kopfbedeckungen, wenn solche die freie Aussicht auf die Bühne hindern, abgenommen werden. Das Betreten der Bühne und der GarteroLenzimmer sowie auch das Besuchen der Proben ist allen zu der Schausprelergesellschaft und deren Bedienung nicht gehörigen Personen untersagt. In allen zum Theater gehörigen Räumen darf weder Tabak geraucht, noch jemand, auch ohne zu rauchen, die Pfeife oder Zigarre im Munde führen. Das Mitbringen von Hunden ist untersagt." Friese war nicht nur ein künstlerisch gebildeter, sondern auch ein ordentlicher und vor­sichtiger Mann; denn 1840 gab er bekannt: Ta meine Mitglieder und ich alle unsere Bedürfnisse gleich bar bezahlen, so bitte ich ergebenst, Niemandem auf unsere Minen et­was zu borgen, ohne mir vorher eine An­zeige davon zu machen, widrigenfalls ich un­ter keinem Vorwände für meine Mitglieder Zahlung leisten werde."

(Schluß folgt.)

Ern Erlebnis.

Von Wilhelm Barthel- Gießen.

Im Jahre 1849 kani ich! am 1. Oktober mit einem Bremer Segelschiff nach sechs- wöchiger Fahrt in Nenhork an. Mein jün­gerer Bruder wurde nnr ein Jahr später nachgeschickt.

Sechs Jahre befand ich mich nun säum daselbst und hatte mich vollständig in die dortigen Verhältnisse eingelebt, da übte der Krimkrieg einen lähnrenden Einfluß aus das Geschäftsleben an meinem Wohnorte aus, und ieS wurde immer schwerer, Beschäfti­gung zu erhalten. Ein guter Freund von mir war kürzlich nach Rochester inr Staate Neuhork mit seiner Familie übcrgesiedelt und schrieb mir nun, daß ich mit nreinem Bru­der dorthin kommen solle, da sich dort für uns beide gute Gelegenheit zum Fortkommen brete. So brachen chir denn im Jahre 1855 unser Zelt lab, jund ich verließ schweren Verzens, nur der Notwendigkeit ge­horchend, mit meinem Bruder die mir lieb gewordenen Kreise. In Rochester angekom- »ren, fand mein Bruder bald lohnende Be­schäftigung, während sich für mich die Ver­hältnisse weniger günstig herausstellten, und als nach einem etwa vierteljährigen Aufent­halt daselbst ein großes Turnfest in Cin­cinnati stattfindcn sollte, an welchen! sich auch der Turnverein von Rochester beteiligen wollte, benutzte ich die günstige Gelegenheit und fuhr mit ihnen nach Cincinnati. Ties hatte ich nicht zu bereuen, da ich hier reiche:

Gelegenheit, Mein Können zu verwerten, fand. Nachdem ich hier drei Jahre zuge bracht hatte, brach die sogenannte Cincinnati Krisis aus. Banken brachen, und es trat eine Stockung der Geschäfte ein, dessen Ende vor erst nicht abzusehen war. Wohl war ick,! noch immer beschäftigt, doch mußte auch hier mit einer Stockung gerechnet werden. Meine El­tern, deren ältestes Kind ichl war, hatten mick schon wiederholt zur Rückkehr in die Heimat aufgefordert, 'unb so entschloß ich mich end­lich dazu, ihrem Rufe zu folgen. Einen guten Freund in Nenhork beauftragte ich, mir einen Platz auf dem nächstabgehenden Dampf schiff nach Hamburg zu belegen, und ich machte mich nach Abwicklung meiner Ge­schäfte und nachdem ich Abschied von lieb­gewonnenen Freunden genommen Hütte, aus die Reise nachl Nenhork. Da ich auf dieser Nv.hr t Rochester berührte, so suchte ich meinen Bruder, um von ihm Abschied zu nehmen, auf. Am Wend nach meiner Ankunft sollte mr Turnverein ein kleines Fest, für das Tyearer und nachfolgender Ball vorgesehen waren, statt, indem Tie,ein Fest sollte ich! bei­wohnen: da alle meine Bekannten und auch ein früherer Schulkamerad von mir anwesend sein würden, so leistete ich! auch dieser Ein­ladung Folge, !nnd wir waren noch, recht ver­gnügt beieinander. Meinen Koffer hatte tcty schon nach Neuhork ausgegeoen und hatte vor. etoa nach Schluß der Theatervorstellung, was ungefähr in die Zeit des Abgangs meines Zuges fallen würde, ausznbrechen So machte ich mich denn nach Schluß der Vorstellung, lueit es die richtige Zeit für meinen Zug war, in Begleitung meines Bruders, eines Schulfreundes und noch einiger Bekannten auf den Weg nach dem Bahnhof, wo mein Zug schon zur Abfahrt bereit stand. Ich setzte mich in ein noch leere- Abteil, wo Meine Begleiter neben mir Platz nahmen, die mich! nun eindringlich berede­ten, wieder ausznsteigen und den nächsten Zug, der in etwa anderthalb Stunden ab gehen würde, zu benutzen, da es ja gleich­gültig sei, ob ich die kurze Zeit früher oder später dort ankäme. Jetzt würde es ja erst schön werden, und wir könnten noch ein Stündchen gemütlich beieinander bleiben. Ick bttev levoch fest bei meinem Vorsatz. Ein mir selbst unverständlicher Zwang beherrschte wich ganz. Einen Grund für Meine Dick­köpfigkeit, wie sie es nannten, konnte ich, nicht angeben. Ich bin sonst nie ein Spielver­derber gewesen und ließ mich nnr allzuleicht zum Dableiben bereden, an diesem Tage aber blieb ich, fest bei meinem Vorsatz bestehen, und so verließ mich, endlich! verstimmt meine Begleitung, 'als das Signal zur Abfahrt ge­geben wurde. Der Abschied war frostiger, als er unter 'anderen Umständen gewesen wäre.

. . Mein Zug fuhr in die Nacht hinaus: Ich selbst befand mich in einer recht gedrückten.