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zu leibe, ich, glaubte, baß ich nie mehr Blumen rot sah, aus grüner Herbe. Ein andermal klagt er: Schmerzlich bedrängte ber Winter uns all, Felder und Wälder betrübt ihr Verfall, und er wünscht: Könnt' ich im Winter verschlafen die Zeit! Was ber jahtende Sänger vor 700 Iahten empfand-,_ bas ist uns jetzt wieber kun-b geworben. Tie Tage der KoUennot ivaren doch zu schwer, nnd mit Granen denken wir an den vorigen Winter, da Wochenlang -alles zu Stein und Bein gefroren war. . .
Tanwetter hat so -etwas Frühlingsmäßr- ges. Bor J-atzren — es mar gerade der 13. Januar — ging ich in einer rheinischen Stabt -an einigen Männern, -die vom Holzfällen ans dem Walde kamen, vorüber und hörte einen Alten unter ihnen sagen: „Von der Kall sein m-er noch, net befreit, aber kaan schlimme Winter kriege mer net mehr." Der Frühling ist jetzt freilich, noch weit, aber es ist doch anzunetzmen, baß die strengste Kälte gebrochen ist. Unsere Herzen schöpfen neuen Lebensmut, -es geht der guten Jahreszeit entgegen. Und zaghaft -wagen wir auch, zu hoffen, baß -auf bas tausendfache Leib dieses Krieges bald bessere Tage folgen.
Eichener ZeriMgsmserttte vor 80 Jahren.
(Fortsetzung statt Schluß.-
Jn ber Zeit, die wir hier im Auge haben, war der Wohlstand ber deutschen Bevölkerung im Aufsteigen. Man begann in Deutschland sich, von den Verheerungen der napoleouischen Zeit wieder zu erholen, langsanr heilten die Wunden dieser unseligen Zeit aus, allmäh-- licr- wurden die Kriegsschulden getilgt, Hand- *werk unb S'rxbuftrie gingen aus den engen Zuständen der alten Zeit heraus, unb der Landmann fand für seine Erzeugnisse neue Absatzgebiete. Tie Folge war, baß bas Vergnügungsleben sich allenthalben regte; denn es ist einmal in der Welt so, baß gute Zeiten
ker (so wurde -der Name damals geschrieben) aus vein S-chisfenberg macht in beur genannten Jahre bekannt: „Zu dem Samstag, den 4., Sonntag, den 5., unb Montag, den 6. August, -au, dem Sch-iffenberg sta.t.indenden H-aupt-Gaben-Schieß-en labe ich hiermit hos lich-st zur Theimahme -ein, mit ber Bemerkung, baß Herr Schierhvlz und Eomp. mit Harmonie- und Tanzmusik an beir beiden letzten Tagen -aufwarten werben." Louis Ostw-cno kündigt an: „Wenn es die Witte rung erlaubt, wirb morgen, den 16. -sep tember, zum erstenm,al aus dem Hardthofe in dem unteren Wirttchaftslokale gute Tanzmusik Statt finden — Zugleich, bemerke ich, daß zur Ausn-ahme der Gäste auch- die oberen Zimmer, die wegen Kürze ber Zeit noch nrcht eingerichtet waren, bestimmt sind. Gut abgelagertes Bairisches Bier, welches ich wreber erhalten habe, verzapfe ich sch-oppen- unb % maas,laschen,veis-e." Daß die Gieße- ner, die damals nach Klein-Linden ihre Spaziergänge -einrichteten, gerade nicht anspruchslos waren, geht aus einer Anzeige hervor, die -ber Gastwirt Ludwig Reuschling bortselbst im J-ahre 1837 erlassen hat: er schreibt: „Dem Wunsche meiner verehrten Gäste zu entsprechen, habe ich die Einrichtung getroffen, baß Montags und Donnerstags Abends, wenn die Witterung gut ist, verschiedene warme Braten serviert werben, wozu ich mit reinen preiswürdigen Weinsorten aufwarten werbe, und um gütigen Zuspruch bitte."
Direktor des Gieß-ener Theaters war in diesen Jahren Friedrich! August Friese. Er führte zumeist gute Stücke auf, so Dramen von Schiller, Körners Raupach, Bauernfeld, Raimund und Beneoix, brachte aber auch die leichte Ware von Angelt), Kvtzebue, Nestrov auf seine Bühne, j-ed-enf-alls, weil die'e Sachen von dem Publikum gewünscht wurden. Ta m-als wollte man sich int Theater eigentlich nur auf gute und bequeme Art unterhalten, darum wurden so oft Possen und Lustspiele
ein Änschw-ell-en ber Vergnügungen unb - -aufgeführt, diese waren -aber alle sittlich nu-
Volksbelustigungen anfweifen. Um das Jahr 1840 fehlte es in und um Gießen nicht an Vergnügungen. Das merkt m-an, wenn man die damaligen Z-eitungsinser-ate durch- stubiert; zum Teil vergnügte man sich ba- mäls -auf -andere Art als heute. Im allgemeinen kann Mian sagen, baß die Menschen vor 80 Jahren in dieser Hinsicht noch- harmloser und naiver w-aren, als -es.heute ihre Rach-komMen sind. Ilm Juni 1838 macht der Gastwirt Hornivius zum goldenen Löwen in Hohensolms bekannt: „Montag, den 18. d. M., wirb der berühmte Wollmar kt dahier abgehalten, und soll -an diesein Tage, wie gewöhnlich-, wenn eine zahlreiche Gesellsch-aft hierzu Lust zeigt, in meiner Behausung ein Ball Statt finden, wozu unter der Zusicherung einer reellen Bedienung alle Freunde der Musik und gesellschaftlichen Unterhaltung ergebenst ieingelaben w-erben." Friedrich Lin-
anstößig. Heute wird dem Publikum im Theater viel schwerere Speise geboten, die Dramen von Ibsen, Schönherr, Sndermami. Gerhart Hauptmann, Eulenberg und von vielen anderen rollen bedeutende Probleme v-or uns auf unb stellen -an die Fassungs kraft des Besuchers keine kleine Anforderung. Beliebt w-aren vor 80 Jahren die Stücke, die Doppelnamen trugen. So führte Friese ans: Ter Ritter von Saint Georges oder: Der Mulatte, Die S-chm-ester von Prag oder: Ter Schneider Kakadu, Schloß Grevenstein oder: Ter SamMthandschnh (Ritterschauspiel und Gemälde aus der Vorzeit in 5 Akten nebst einem Vorspiel), sowie Das Turnier zu Kronstein ober: die drei Wahrzeichen. Ritterstücke waren mithin danials noch- sehr beliebt. Das Gießener Publikum scheint in dieser Zeit noch nicht in allen seinen Schichten bei den Theateranfführungen das rick


