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vertragen haben. Schon uni das Jahr 1800 wird darüber geklagt. Am 5. September 1838 muß der Kirchenoorstand bekanntgeben: Ta die beschwerende Anzeige geschehen ist, daß neben dem Platz, den die ersten Schüler der hiesigen Realschule ans der obersten Emporbühne in der Kirche, den Gym- na,lasten gegenüber, unter der Aufsicht eines Lehrers besuchen, schon öfters, hauptsächlich durch Lehrlinge, durch ein höchst unanstän­diges Betragen die Ruhe und Andacht gestört worden; so findet man sich veranlaßt, hier­durch zu erklären, daß, wenn etwas der Art rvieder Vorkommen sollte, man gegen solche Ruhestörung im Gotteshause die geeigneten Maasregeln zu ergreifen nicht säumen Werde." Indessen hat der Unfug hiermit nicht ein Ende genommen. Am 13. August muß der Kirchenvorstand aberinals bekannt- geben:Tie jungen Leute, welche am ver­gangenen Sonntage durch gewaltsames Ein­dringen in den Stuhl, welcher den Schülern der Realschule angewiesen ist und durch eine besondere Tür abgeschlossen ist, die Ruhe und die Andacht in dem Gotteshause gestört und überhaupt an heiliger Stätte sich sehr un­anständig betragen haben, sind auf eine des­halb erhobene Beschwerde Großherzogl. Kreisrath-e dahier angezeigt worden, welches man, um ähnliche Vorfälle zu verhüten, hier­mit zur Warnung bekannt macht."

Viele Anzeigen dieser Zeit beziehen sich auf Verkehrsgelegenheiten. Eine Eisenbahn, die zu bestimmten Zeitpunkten an- und ab- fuhr, gab es noch nicht, die erste Bahn, die hessifches Gebiet berührte, lwar die 1840 fertig gestellte Taunusbahn, die von Frank­furt über Kastel nach Wiesbaden ging. Man mußte also, wenn man reisen wollte, nach Fahrgelegenheit .ausschauen, wie sie in der Zeitung angezeigt war. Hierauf beziehen sich folgende Anzeigen:Kommenden Tonners­tag, den 5. Ocr. ist Gelegenheit, nach Frank­furt und Tarmstadt zu kommen. Näheres bei Weinhändler Hering."Es werden noch einige Theilnehmer zu einer gemein­schaftlichen Reise in einer Chaise nach Cob- lenz gesucht. Tas Nähere bei Ausgeber die­ses."Ich mache hierdurch bekannt, daß mein Familienwagen an folgenden Tagen von hier nach Frankfurt fährt: Sonntag den 9. September usw. Wer diese Gelegen­heit benützen will, beliebe sich bei mir zu melden. Magnus Schwan im Hirsch." Kutscher Keller aus Tarmstadt kommt näch­sten Sonntag den 25. d. Mts. mit einer be­quemen Chaise am Gasthaus zum Einhorn dahier an und fährt nach Wunsch von Passa­gieren den 26. oder 27. in einem Tag nach Tarmstadt zurück, wozu er Reisende sucht. Zur Mitreise kann man sich, vorläufig im Einhorn oder bei Frau Sekretär Stürz mel­den." In Nr. 52 des vorigen Jahrgangs haben wir schon berichtet, daß der Fuhr­unternehmer W. Rühl einen Wagen hatte, der die poetische Bezeichnungdas silberne

Roß" führte, es fehlti^ihm aber auch nicht dasgoldene Roß"; denn er macht im Jahre 1840 bekannt:Ta ich in der Kürze einen neuen Familienwagen erhalte, welcher den Namen das goldene Roß führen soll und mit mehreren Abteilungen versehen ist und bei welchen auch verschiedene Preise stattfinden sollen, so mache ich hierdurch einst­weilen darauf aufmerksam, daß der geringste Preitz von Gießen nach Friedberg auf 30 kr. festgesetzt wird, welcher auch von heute an von dem Familienwagen, welcher des Mor­gens um 6 Uhr abgeht, festgesetzt ist."

(Schluß folgt.i

Land und Leute im vogelsberg nach einer Schilderung ans dem Jahre J8J3.

(Schluß.)

Beim Pfluge spannt nran wohl einen Ochsen und ein Pferd zusammen, bisweilen auch vor den Wagen, jedoch hangt man erste- rem einen Flor vor die Augen, damit diese nicht vom Staube beschädigt werden.

So schön und schlank auch das männ­liche Geschlecht der Hessen ist, so häßlich und bis zur Karikatur entstellt erscheint das weibliche durch die unschickliche Kleibung, die es trägt. Eine spitze, kegelförmige Haube in Form eines Zuckerhintes macht das schöne runde Menschenhaupt zur Keilgestalt. Ein dicker Wulst um die Hüsten, nebst fünf bis sechs Röcken treiben den Unterleib wie ein Faß in Ibie Höhe, welcher gegen den ge­schnürten Oberleib desto mehr absticht. Hohe Absätze machen den Fuß, welcher nebst dem rotgezivickelten Strumpf bis an die Knie zu sehen ist, wackelnd und unsicher. Am Sonn­tag erscheinen sie schwarz gekleidet. Nichts wird von ihnen in der Hand, sondern alles auf dem Kopf getragen, sogar den Wasser­eimer, den sie mit leichter Mühe in der Hand tragen könnten, stellen sie mit vieler Be­schwerde und Grazie auf den Kopf, zu wel­chem Behuf sie ein kleines Kissen auf dem Blatte tragen. Für dieses unnatürliche Tra­gen rächt sich die Natur an ihnen durch einen niedergedrückten Hals und frühzeitigen Kropf, welchen sie eher für eine Schönheit als für einen Fehler zu halten scheinen. In ihrem Hauswesen herrscht nichts weniger als Reinlichkeit, sie lieben vielmehr den Schmutz dergestalt, daß sie den Löffel niemals wa­schen, sondern ihn der kompendiösen Kürze wegen bloß durch dm Mund ziehen, auch finden sie es bequemer, uns der ungespülten Tasse zu trinken.

Man fragt oft vergebens nach, dein Wege von einem Torfe zum. andern. Die Leute nnqien und kennen nur ihre zwanzig Häuser, die ihre Welt sind.

Soweit der Königsberger Theologe. Der hmte von uns mitgeteilte Auszug aus sei-