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Gemeindeblatt für die evangelische Virchengemeinde Gieß

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2 Gießen, Sonncag 1.ach Ephanias, den Ich Januar ly! 8 7. Iahrg.

Stille sein!

Jesaia 30, 15. Durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein.

In den Tagen der sommerlichen Dürre ist mancher Graben, manches flache Rinnsal so recht ein Bild des menschlichen Lebens; denn sie werden trocken, eben weil sie flach sind. Alles Flache, Oberflächliche hat keinen Bestand; was sich aber aus der Tiefe speist, aus der stillen Tiefe, das trotzt der Hitze des Tages.

Es gibt für uns keinen anderen Weg, um sturmfest und stark zu werden, als den, innerlich tief zu werden, unsere Seele in der Stille zu finden. Ohne Mühe, ohne Ar­beit an uns selbst kann das nicht geschehen. Stille zu werden ist heute in eiserner, stahl- harter Zeit schwerer als je. Mancher flieht die Stille, weil sie ihn erschreckt, und öffnet deshalb um so williger sein Ohr dem, Lärm des Alltags und sein Auge den bunten Bil­dern von gestern und heute. Rastloseste Ar­beit oder schäumende Lust soll ihn dann be­täuben. _

Es ist schon richtig, die Stille kann furcht­bar sein. Man darf sie nicht fliehen, wenn sie qualvoll ivird, ivenn man umstarrt ist von Sorgen, wenn das Leben im Innersten aufgewühltest. Wer eineri flachen Teich auf­wühlt, heißt den Schlamm aufsteigen und das Wasser schmutzig werden. Hinter all un­serem Erleben steht Gott. Wer in die Tiefen seiner Seele lauscht, erkennt ihn, wird stille und umfangen von Frieden. Wer aber Frie­den gefunden hat, ist gefeit in aller Kampfes- not und lernt aus aufrichtigstem Herzen be­kennen:Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele, auch durch die Nacht!"

Das Menscheuherz hat keinen anderen Weg zur Stille als den einen, den ihm Jesus gebalmt hat. Er ist der Quell, der allen Schlamm der Seele hinwegspülen kann, da­mit ihm ans Gottes Vaterliebe neues Leben zuströmen kann.

, Wer sich der Stille der großen Gottes- liebe öffnet, in dem gewinnt diese Liebe Ge­stalt und wird wirksam uüd trägt Früchte. Sttllsem und Hoffen macht stark, denn es gewahrt einen ewigen Halt und lehrt ver­trauend sich bergen in Gottes Liebe.

Eine Weihnachtsfeier in Holländisch- Indien.

Tie Rheinischen Missionsberichtc vom August v. I. enthalten einen hübschen Bericht

von dem in Padang stationierten Missionar Finke über eine Weihnachtsfeier, die er den deutschen Matrosen und Seeleuten von den deutsck>en Handelsschiffen, die durch den Krieg im Hafen von Padang sestgehalteu sind, be­reiten konnte. Nachdem er von mancherlei Schwierigkeiten, die leider die Kapitäne erst seinem Vorhaben entgegengesetzt hätten, be­richtet hat, fährt er fort;Ich lud dann die Mannschasten noch einmal offiziell ein und bat, mir die ungefähre Anzahl der Teil­nehmer anzugeben. Tie Antwort war über­raschend. Meine Einladung wurde mit großem Jubel begrüßt. Es meldeten sich un­gefähr 100 Matrosen. Nun galr es für mid>, die Feier oorzubereiten. Ich bestellte 20 große Kuchen, 15 Kilo Spekulatius, 120 Ta­bakspfeifen, 20 Dutzend gute Taschentücher und 5 Dutzend Paar Socken.Woher hatten Sie aber das Geld?" werden Sie gewiß fra­gen. Nun, das Geld ist mir einfach zugeflo­gen; ich kette die Angelegenheit dem Herrn befohlen, und er sorgte, daß ich nicht zu kurz kam. _ Als ich nämlich mit verschiedenen Deutschen über die Feier sprach, fragten sie mich, ob ich auch das Geld dazu hätte. Nein," ivar meine Antwort,aber der Mammon soll schon kommen." Am Abend schickte inir ein holländischer Arzt die ersten 23 Gulden, ein Deutscher überwies mir tele­graphisch 35 Gulden, ein deutscher Arzt brachte 50 Gulden, von Batavia wurden mir 100 Gulden überiviesen usw. Bald hatte ich dre schöne Summe von 300 Gulden zusam­men. Einige Deutsche Meinten noch, falls ich 1" kurz käme, sollte ich mir noch Geld holen. Ein Herr schenkte 500 Zigarren, ein anderer 100 Flaschen Limonade. Tie Musikkapelle vom DampferKleist" hatte versprochen, die Feier zu verschönern. Am ersten Feiertage morgens erschieiieu einige Leute von den Schissen, um mir beim Aufstellen der Tische Uno Schmücken behilflich zu sein. Im Nu war das Militär-Tehuis (holländische Sol- datenheim) in einen Festsaal verwandelt. Die Bilder der Königin von Holland, des deut- schm Kaisers und unseres Hindenburg waren mit Flaggen geschmückt; vor dem Hanse slat- «Ze die niederländische Flagge im Winde, ^och glaube, ein solches Festgewand bat das Militar-Tchuis noch nicht gehabt. Um V-v Uhr abends war das Haus so über­voll, daß man keinen Stuhl mehr lassen konnte; statt 100 waren 120 Matrosen und Omziere erschienen: außerdem kamen noch zirka 20 Padanger Bürger. Draußen ans dem Wege stand Kopf an Kopf, teils Euro-