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kann hier der Gedanke sein, daß niemand sein Leben lang aus Blumen wandelt. Zweifellos aber bietet es einen häßlichen Anblick dar, wenn die Blumen beim Hinausgehen von den Füßen der Hochzeitsgäste zertre.en wer­den. Bei Regenwetter ist das besonders schnmm, besonders wenn unmi telbar darauf eine weitere Trauung stattsintet und nun das Brautpaar über die zert etenen Blumen gehen soll. Am wenigsten freut sich' darüber der Kirchendiener, der den Boden wieder zu fegen hat.

Sehr lästig ist es, wenn der Kutscher nicht pünktlich ist und das Brautpaar oder ein­zelne Hvchzeitsgäste mit großer Verspätung in die Kirche bringt. Ta o.t, namentlich an Samstagen, mehrere Trauungen nacheinan­der mit halbstündigem Abstaude statt,inden und da die Geistlichen wegen Beerdigungen oder wegen anderer Amtshandlungen ihre Zeit genau einteilcn müssen, so trc.fe man mit dem Kutscher genaue Verabredung und schärfe ihm in jedem Falle Pünltlichke.t ein.

In früheren Jahren hat der Kirchenvor­stand aus triftigen Gründen befchl .s en, daß Sologesang bei Trauungen nicht zuge'assen wird. Tiefe Bestimmung g lt heute noch.

Manchmal kommt es vor, daß einzelne der Zuschauer weder der Würde des Ortes noch der Würde der Handlung Rechnung tra- gen. Sie kommen zu spät, anstatt sich nun einen Platz in den hinteren Bankreihm aus­zusuchen, gehen sie rücksichtslos und gar nicht einmal leise nach vorn. Sehr unerfreulich ist, wenn das eintretende Brautpaar von allen Seiten neugierig angeschaut wird, wobei sich vielleicht gar noch über manches Gesicht ein Lächeln zieht. Es ist selbstverständliche Anstaudspslicht, daß auch die Zuschauer in völliger Ruhe der Trauhandlung folgen und beim Gebete aufsteben. Wer wählend der Trauung aufstehst und weggeht, verletzt in grober Weise die Sitte, die bei gut er­zogenen Menschen zu finden ist. Und selbst­verständlich ist es, daß man ruhig sitzen bleibt, wenn das Paar die Kirche wieder ver­läßt. Ihm gebührt doch an diesem Tage die 'erste Stelle. Oft sieben Zuschauer, wenn der Segen kaum gesprochen ist, auf, um die Kirche möglichst rasch zu verlasen oder den Paare beim Verfassen der Kirche Glück zu wünschen. Tie Kirche ist ganz und gar nicht der Ort, um Glückwünsche anzubringen. Zuerst laise man das Paar, dann die übrigen Hochze'ts- gäste hi'musgehen, dann erst können die Zu­schauer das Gotteshaus re lasten.

Wegen unliebsamer VorkoMmniste in frü­heren Jahren hat der Kirchenvorstand die Anordnung getroffen, daß nur mit Einlaß­karten versehene Zuschauer bei Trauungen zugegen sein sollen. Tiefe Karten werden von dem Brautpaare ausgegeben, sie sind m beliebiger Anzahl bei dem Kirchendiener zu bekommen.

Land und Leute im vogelsberg nach einer Schlloerung aus dem Jahre 18*3.

In Nr. öO des vorigen Jahrgangs des Sonntagsgrußes" hav-.i wir unter dem TitelGieren und seine Nachbar>rädte im Jahre 1814" eine Schilderung aogedruckt, üie >ich in dem Buche des istönigsbagec Pro­fessors Rhe,aNachrichten u..d Be.,.estnngen - aus den Feldzügen des Jahres 18 l3 und 1814 aus dem Tageouche eines Feldgeist­lichen in dein preußüchen Heere" >indet. Rhesa hat mehrere Wochen im. Vogelsbe.g im Quartier gelegen und merüber Au.zeichauu- gen ge.uachr, die wir im lochenden zunächst wiedergeven, um am Schluss einige Bemer­kungen über diese Auszeichnungen auzuchgen.

Ter Feldprediger schreist:

Am 8. November vorigen Jahres (1813) trafen wir in Lauoach ein, welches dem Gra­sen von Solms gegärt. Wir waren schon am Rheine gewe/en, mußten aber wegen Futtermangels und vor dem großen Ge­dränge bei Frank, urt einige Tage zurück- geheu. Tas Städtchen Laubach liegt am Fuße des Vogelsberges in einer wilden und rauhen Gegend, die als eine Fortsetzung des Thürfnger Wa.dgrwirges anzu.el-en ist. Tic Fulda iliefet durch bie.e Bergivilduis.e: west­lich entspringen die Wetter, Nid.a, Lahn und andere kleine Ströme auf diesen Anhöhen, müssen aber durch tiefe Schluchten sich krüm­men und würden, bis sie ihre Tröpstein Wafscr dem großgebielenden Vater Rhein zu­tragen. Wer sollte glauben, daß in bteteit abgesonderten Waldeinöden die freundlichen Musen wohnen? Ich fand zu Laubach eine schöne Bibliothek von beinahe 30 009 Bän­den auf dem Schlosse des Grafen, der ein ausgezeichneter Kenner der Literatur ist. Alle Prachtbände der deutschen, englischen, französischen und ilrlienischen Klasfi.er fin­den sich hier in schönem E.nbande zusammen. Auch alle möglichen Zeitschristen.

Tas Städtchen Schotten, wo ich Gottes­dienst und Abendmahls'eier hielt, Hegt so versteckt und unzugänglich in Gebirge, daß die Leute sich verwunderten, wie hier einmal Kricgsvölrer zu ihnen genommen sind. Sonst waren sie von Kriegsstürmen verschont ge­blieben ; denn. die Wogen, die Europa er­schütterten, schlugen an ihre Felsen an, ohne sie zu erreichen. Sie lebten in glücklicher Verborgenheit von Tuchreberei und Spin­nen. Fleiß und Genügsamkeit sind ihre Tu­genden.

Schade, daß wir diese Gegend so bald ver­kästen mußten. Schon am 16. November er­hielten wir Be ebl. nach Als'eld au'zubrechen, welches nordwestlich v-m Vogetsberge ge'e- gen ist. Tas romantisch auf einer Anhöhe drängende Schloß Altenburg ward dem Ge­neralstab. als Aufenthalt zuteil. Es gehört der elemaligen Gechndtin am preußischen Ho'e, der Frau v. Riedefel, die sich auch als Schriftstellerin bekannt gem>acht hat und eine